taz.de -- Industrie im Niedergang: Ist China Schuld an der deutschen Wirtschaftskrise?
Jede Woche gehen Tausende Industriejobs verloren. Das liegt auch an Chinas Exportpolitik. Ist die Deindustrialisierung Deutschlands noch zu verhindern?
Bild:
In Deutschland gehen derzeit jede Woche rund 4.000 Industriejobs verloren. Und das ist erst der Anfang. Ein Grund dafür ist der China-Schock 2.0, also der wachsende Export chinesischer Waren nach Deutschland. [1][Besonders betroffen sind die Auto- und Chemieindustrie] sowie der Maschinenbau. Ist die Deindustrialisierung Deutschlands noch zu verhindern? Ist es sinnvoll, [2][den europäischen Markt mit Zöllen abzuschotten]? Oder ist das eine von Panik getrieben Maßnahme, die alles nur noch schlimmer macht?
Wir fragen uns in dieser Folge des Bundestalks, welche Rolle China spielt. Denn auch die Zölle, die Trump verhängt hat, dämpfen den deutschen Export. Und die Krise ist auch hausgemacht. Kanzler Merz meint, dass die Deutschen einfach mehr arbeiten müssen. Aber das ist viel zu kurz gedacht – und eine Nebelkerze. Die deutsche Autoindustrie hat viel zu lange an profitablen Verbrennern festgehalten, anstatt E-Autos zu entwickeln. Und VW hat trotz Krise noch 160 Milliarden Euro auf der hohen Kante liegen. Insofern ist die Panik auch ein Mittel, um [3][die Arbeitnehmer zu Konzessionen zu bewegen].
Einen Handelskrieg mit China kann Berlin nicht wollen. Denn Deutschland exportiert fast die Hälfte seines BIP, [4][China hingegen nur 20 Prozent]. Vielleicht kann die EU Druck auf China machen, um die künstlich niedrig bewertete Währung, die chinesische Waren im Ausland so günstig macht, zu korrigieren. Es wäre nicht das erste Mal: Schon in den 1980 Jahren werteten Japan und Deutschland Yen und D-Mark auf, um den starken US-Dollar künstlich zu schwächen.
Wahrscheinlich muss die EU einen Weg zwischen weiter so und mehr Zöllen gegen China finden. Im Herbst wird die EU mit China verhandeln. Im Gepäck dürften die EU-Verhandler auch die Erinnerung an den China-Schock 1.0 haben. Der passierte nach 2001 – und war ein Grund für den Niedergang des Rust Belt in den USA, also von Industriezentren wie der einstigen US-Automobilmetropole Detroit. Das ist ein Menetekel für Wolfsburg, Stuttgart oder Turin.
Ob und wie sich derartige Szenarien verhindern lassen, diskutiert [5][Stefan Reinecke] aus dem Parlamentsbüro der taz mit Wirtschaftsredakteurin [6][Anja Krüger], dem Brüssel-Korrespondenten [7][Eric Bonse] und [8][Felix Lee], der lange für die taz als China-Korrespondent tätig war.
[9][„Bundestalk“] – Der politische Podcast der taz erscheint jede Woche auf taz.de und überall, wo es Podcasts gibt.
6 Aug 2026
LINKS
[1] /Autobauer-in-der-Krise/!6091941
[2] /Stahlindustrie/!6192232
[3] /Kampfansage-an-die-Belegschaft/!6192546
[4] /Chinas-Weg-zur-Marktwirtschaft/!5928932
[5] https://taz.de/Stefan-Reinecke/!a46/
[6] https://taz.de/Anja-Krueger/!a7047/
[7] https://taz.de/Eric-Bonse/!a133/
[8] https://taz.de/Felix-Lee/!a145/
[9] /Podcast-Bundestalk/!t5780050
AUTOREN
Stefan Reinecke
Anja Krüger
Eric Bonse
Felix Lee
Podcast „Bundestalk“
Autoindustrie
Industriepolitik
Volkswagen
China
Schutzzölle
Strukturwandel
Verbrenner
E-Autos
Reden wir darüber
Social-Auswahl
ARTIKEL ZUM THEMA
Krise bei Volkswagen: Neue Arbeitskämpfe stehen bevor
Das VW-Management hat fast alle Haustarifverträge gekündigt. Auch jenseits von Wolfsburg stehen schwierige Tarifgespräche an.
Einigung bei Volkswagen: Nur Sparen schafft keine Zukunft
Der VW-Aufsichtsrat hat die Kahlschlagspläne des Vorstands überraschend abgesegnet. Was völlig fehlt, sind gute Ideen für die Zukunft.
Machtkampf bei Volkswagen: Betriebsratschefin schließt betriebsbedingte Kündigungen aus
VW plant Werksschließungen und will zigtausende Stellen abbauen. Betriebsratschefin Daniela Cavallo kämpft derweil um Joberhalt und Altersteilzeit.
Raketen auf Kyjiw, Drohnen auf Moskau: Eskalation im Ukraine-Krieg – naht das Ende?
Die gegenseitigen Angriffe Russlands und der Ukraine auf zivile, wirtschaftliche und Infrastrukturziele nehmen zu. Was bedeutet das für den weiteren Verlauf?
Hybride Angriffe: Drohnen, Spione, Aufrüstung – wie sicher ist Deutschland?
Nach dem Drohnenvorfall in Leipzig kocht die Sicherheitsdebatte hoch. Wie steht Deutschland da und ist die Neugestaltung der Geheimdienste eine gute Idee?
Prämien für Teslas: E-Mobilität weiter fördern!
Wegen guter Absatzzahlen wird die E-Auto-Prämie infrage gestellt. Auch weil vor allem Tesla profitiert. Doch ihre Abschaffung würde die Falschen treffen.
Wegbrechende Spritsteuer: Die Briten nennen es Fahrstromsteuer
Mit der Antriebswende bei Autos schrumpfen die Mineralölsteuereinnahmen durch Verbrennersprit. Nun könnten neue Abgaben bei E-Fahrzeugen kommen.
Queerfeindlicher Anschlag: Was folgt nach dem Attentat auf den CSD?
Nach dem Anschlag in Berlin werden die unterschiedlichsten Debatten geführt. Welche führen nach vorne? Und was wünscht sich die queere Community?
Personalwechsel bei der CDU: Ist die Kabinettsumbildung ein echter Neustart?
Nach dem Rücktritt von Spahn wechselt Merz sein Personal aus. Wird die CDU jetzt weiblicher und weniger neoliberal? Und was heißt das für Schwarz-Rot?
Wahlen in Berlin: Wer dreimal lügt…
Die Berliner CDU tauscht nach mehreren Skandalen kurz vor der Wahl ihren Spitzenkandidaten aus. Was heißt das für das enge Rennen in der Hauptstadt?