taz.de -- Im Verfassungsschutzbericht: Abwehr mit Lücken

Der Verfassungsschutz sieht durch Russlands Krieg in der Ukraine verstärkte Bedrohungen auch hierzulande. Bei Warnungen allein darf es nicht bleiben.

Bild: Thomas Haldenwang und Nancy Faeser bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichts am Dienstag

Nun ist es amtlich. Die Ausläufer des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine haben die Bundesrepublik erreicht. Es geht um Spionageoffensiven in Deutschland, um verstärkte Angriffe im Cyberraum, um Desinformationskampagnen, um Sabotageakte. Rund 1,5 Jahre nach Kriegsbeginn [3][stuft der Verfassungsschutz] Bedrohungen und Aktivitäten als „nochmals vergrößert“ ein.

Dass Krieg nicht nur am Boden, in der Luft, auf dem Wasser stattfindet, Soldat:in gegen Soldat:in, ist keine neue Erkenntnis. Und auch nicht die Tatsache, dass Angriffe verstärkt im virtuellen Raum stattfinden. Wie sehr Deutschland tatsächlich selbst im Visier der Kriegsmaschinerie, im Blickfeld derer ist, die Alliierte und Unterstützer der Ukraine schwächen wollen, macht der Bericht des Verfassungsschutzes sehr eindrücklich deutlich.

Bei Warnungen und einer Risikoanalyse darf es nicht bleiben. Vollmundig hat Bundesinnenministerin Nancy Faeser etwa das sogenannte Kritis-Dachgesetz angekündigt. Eine Vorlage, die Unternehmen, Länder und Kommunen dazu bringen soll, ihre kritische Infrastruktur stärker vor Cyberangriffen zu schützen. Gemeint sind Energieversorger, Kliniken oder Verwaltungen.

Bisher lässt ein Gesetzesentwurf allerdings auf sich warten. Dabei ist die Lage brenzlig genug, um endlich mehr Tempo zu machen. Zudem haben Kanzler Scholz und Außenministerin Baerbock den Druck auf alle Ministerien mit der Vorstellung [4][der Nationalen Sicherheitsstrategie] deutlich erhöht.

Neben der Verteidigung [5][mit militärischem Gerät] im Ernstfall wird auf vielen Seiten ausführlich angepriesen, wie die Bundesrepublik resilient etwa gegen digitale Angriffe werden soll oder wie der Kampf gegen Desinformation verstärkt wird. Konkreter als Absichtserklärungen wurde es bisher leider nicht. Nicht zuletzt wird neben Russland auch China als große Gefahr mit intensiven Spionagetätigkeiten genannt. Die Risikoanalyse der Verfassungschützer:innen lässt tief blicken. Auch der Zeitpunkt ist brisant: Gerade laufen deutsch-chinesische Regierungskonsultationen. Die Gefahr ist erkannt, nun gilt es, Konsequenzen daraus zu ziehen.

20 Jun 2023

[3] /Neuer-Verfassungsschutzbericht/!5942283

[4] /Nationale-Sicherheitsstrategie/!5940667

[5] /Desolater-Zustand-der-Bundeswehr/!5920575

AUTOREN

Tanja Tricarico

TAGS

Schwerpunkt Krieg in der Ukraine

Verfassungsschutz

Bundesamt für Verfassungsschutz

Innere Sicherheit

Sicherheit

Verteidigung

GNS

ARTIKEL ZUM THEMA

Gesetzentwurf für kritische Infrastruktur: Kritis kriegen Schutzpanzer

Das Dachgesetz zum Schutz kritischer Infrastruktur soll der große Wurf werden. Der Entwurf hat jedoch noch Lücken, auch bei der Höhe der Bußgelder.

+++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Zwist mit orthodoxer Kirche hält an

Mönche des berühmten Höhlenklosters in Kyiv fürchten die Räumung, weil sie als Kollaborateure Moskaus gelten. Derweil geht die Offensive im Osten voran.

Neuer Verfassungsschutzbericht: Eine Zeitenwende der Sicherheit

Der neue Verfassungsschutzbericht ist da. Präsident Haldenwang und Innenministerin Faeser warnen vor russischer Spionage.

Überwachung von Wagenplatz: Es war wohl der Verfassungsschutz

Im Dezember wurde die Überwachung des Bremer Wagenplatzes Querlenker öffentlich. Eine Abgeordnete der Linken vermutet dahinter den Verfassungsschutz.

Nationale Sicherheitsstrategie: Einigkeit nach zähen Verhandlungen

Ein Bekenntnis zu klaren Verteidigungsausgaben und "Außenpolitik aus einem Guss". Das Kabinett stellt die Nationale Sicherheitsstrategie vor.

Proxied content from gemini://taz.de/Im-Verfassungsschutzbericht/%215939001 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/Im-Verfassungsschutzbericht/%215939001
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.