taz.de -- Gesundheitsminister zur Triage: Lauterbachs Zick-Zack-Kurs

Der Gesundheitsminister reagiert auf die Kritik am Entwurf zum Triage-Gesetz. Es würde Menschen mit Behinderung nicht ausreichend schützen.

Bild: Karl Lauterbach

Berlintaz | Selbst wenn die Behandlungsmöglichkeiten knapp werden, sollen Ärzt*innen auch künftig die Therapie eines Menschen nicht abbrechen können, um eine andere Person mit höheren Überlebenschancen zu behandeln. Das erklärte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Montag. Er reagierte damit auf Medienberichte, laut denen er [1][ein Gesetz vorbereite], dass eine solche sogenannte Ex-Post-Triage ermöglicht hätte. An diesem Vorstoß gab es vehemente Kritik von Verbänden und Politiker*innen.

Das Bundesverfassungsgericht hatte im vergangenen Dezember die Bundesregierung damit beauftragt, ein Gesetz zu schaffen, das [2][Menschen mit Behinderung davor schützen] soll, bei knappen medizinischen Ressourcen benachteiligt zu werden. Über einen entsprechenden Entwurf stimmt sich die Bundesregierung zurzeit ab.

Laut Corinna Rüffer, Bundestagsabgeordnete der Grünen, stand eine solche Ex-Post-Triage im Entwurf. Menschen mit Behinderung wären dem Entwurf nach nicht geschützt worden. Sie begrüße daher, dass sich Lauterbach nun dagegen ausspreche. Dem Gesundheitsminister zufolge sei die[3][Ex-Post-Triage] „ethisch nicht vertretbar und weder Ärzten, Patienten noch Angehörigen zuzumuten.“

Doch selbst ohne die Ex-Post-Triage sei der Entwurf nicht geeignet, so Rüffer gegenüber der taz. Generell schließt Lauterbach [4][Triage nicht aus] und die Kriterien dabei würden Menschen mit Behinderung weiterhin benachteiligen. „Ich würde so einem Gesetz nicht zustimmen“, sagt Rüffer. Das bisherige Verfahren sei nicht angemessen gewesen, weil Menschen mit Behinderung zu wenig beteiligt wurden.

Das beklagt auch Nancy Poser, eine der [5][Beschwerdeführer*innen, die im Dezember] vom Verfassungsgericht recht bekamen. Juristin Poser wäre nicht überrascht gewesen, hätte das Bundesgesundheitsministerium eine Ex-Post-Triage vorgesehen. Für sie wäre es logische Fortsetzung der Entscheidung für eine Triage nach Überlebenswahrscheinlichkeit gewesen. Ein Grund, um erneut vor das Verfassungsgericht zu ziehen. Auch betont sie, dass das Gesetz Menschen mit Behinderungen schützen soll. „Vermeintlich Schwächere“ auszusortieren sei da nicht vertretbar und werde dem Auftrag des Bundesverfassungsgerichts nicht gerecht.

9 May 2022

[1] /BVerfG-zu-Menschen-mit-Behinderung/!5824484

[2] /Ral-Krauthausen-ueber-BVerfG-Urteil/!5821966

[3] /Notfallsanitaeter-ueber-Triage/!5825444

[4] /Urteil-des-Bundesverfassungsgerichts/!5821881

[5] /BVerfG-zu-Menschen-mit-Behinderung/!5821967

AUTOREN

David Muschenich

TAGS

Triage

Karl Lauterbach

Leben mit Behinderung

ARTIKEL ZUM THEMA

Medizin im Katastrophenfall: „Triage-Gesetz“ beschlossen

Nach einer letzten Debatte im Bundestag wird ein Gesetz beschlossen, das Ärzte und Men­schen­rechts­ak­ti­vis­ten aufbringt. Es geht um Leben und Tod.

Nachrichten in der Coronapandemie: Tests bald nicht mehr kostenlos?

Karl Lauterbach fordert, dass die Schnelltests nur für ausgewählte Personengruppen kostenlos bleiben. Das RKI meldet eine Inzidenz von 488,7.

Debatte um Triage: Ein unbegabter Minister

Er galt mal als Gesundheitsminister der Herzen. Aber mit seiner Politik bleibt Minister Karl Lauterbach bisher erfolglos.

Fachgespräch über Triage-Urteil: Ausschuss reagiert auf Kritik

Der Gesundheitsausschuss lädt zu Gesprächen. Zunächst vergessen: Selbstvertretungsorganisationen von Menschen mit Behinderung.

Raúl Krauthausen über BVerfG-Urteil: „Der Staat muss uns schützen“

Das Triageurteil des Bundesverfassungsgerichts ist ein Erfolg für Menschen mit Behinderungen, sagt Inklusionsaktivist Raúl Krauthausen.

BVerfG zu Menschen mit Behinderung: Klare Triage-Regeln müssen her

Werden Intensivbetten knapp, stehen Ärz­t:in­nen vor harten Entscheidungen. Menschen mit Behinderung müssen dabei besonders geschützt werden, entschied nun das BVerfG.

Proxied content from gemini://taz.de/Gesundheitsminister-zur-Triage/%215850690 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/Gesundheitsminister-zur-Triage/%215850690
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.