taz.de -- Neues Bündnis „Berlin ist Kultur“: Welche Wahl hat die Kultur?
Mit Wahlprüfsteinen will die Berliner Kulturszene auf ihre prekäre Lage aufmerksam machen. Zur Auftaktveranstaltung kommen nur Grüne und Linke.
Bild: Auftaktveranstaltung der Aktionswoche der Initiative „Berlin ist Kultur“ vor dem FELD Theater für junges Publikum
Oliver Reese steht vor dem FELD Theater für junges Publikum und ist „auf Krawall gebürstet“. Für den Intendanten des Berliner Ensembles sind die vergangenen Kulturkürzungen bekloppt. Wirtschaftlich wie bildungspolitisch. Er geht ein auf das drohende Aus des Atelierhauses an der Wilsnacker Straße und erzählt von seinem Erweckungserlebnis mit 14 im Theater Paderborn.
Reeses Rede bei der Auftaktveranstaltung der Aktionswoche der Initiative „Berlin ist Kultur“ ist eine sehr persönliche Liebeserklärung an den Kulturraum an sich. Und sie ist eine Kampfansage an die inzwischen strukturelle Ignoranz der Politik in dieser Beziehung.
Katharina Marg, Bezirksverordnete der Linken in Tempelhof-Schöneberg, sowie Ronja Losert und Bertram von Boxberg, Fraktionsvorsitzende der Grünen im selben Bezirk, sind auch da bei der Auftaktveranstaltung. Sonst zeigt sich niemand aus der Berliner Politik.
Ziel der Aktionswoche ist es, sich aktiv in den Berliner Wahlkampf einzumischen. Dafür wurde auch die Berliner Erklärung, die bisher von über 600 Kulturschaffenden unterzeichnet worden ist, veröffentlicht. Es ist ein Manifest mit klaren Forderungen an die Politik, darunter „mindestens 3 Prozent des Landeshaushalts für Kultur, verlässliche Förderstrukturen und ein Kulturfördergesetz“.
Im Grün der Bäume leuchtet das Plakat, mit dem man während des Wahlkampfs Sichtbarkeit schaffen will: „#deinestimmefuerkultur. Am 20. September hast du die Wahl“. Das Plakat soll Berlin fluten. Es soll auf jeden Fall in jedem Kulturort der Stadt zu finden sein.
Welche Partei unterstützt die Kultur?
Spannend ist die Idee der Wahlprüfsteine, die Institutionen, Initiativen und Verbände für PolitikerInnen, die sich zur Wahl stellen, entwickelt haben. Unter ihnen ist auch die Initiative „Kulturelle Bildung stärken!“ Einer der Prüfsteine lautet: „Wie wollen Sie dazu beitragen, dass die Programme der Kulturellen Bildung in der jetzigen Form stabilisiert und ausgebaut werden?“
Vor dem FELD Theater ergreifen Gabi Dan Droste, die Leiterin des Theaters, und Athena Lange das Wort: Lange bereitet am FELD Theater eine Ausstellung vor. Sie ist mit 20 Jahren ertaubt. Ihr hat der kulturelle Raum, den es für gehörlose Menschen gibt, sprichwörtlich das Leben gerettet.
Dan Droste vergleicht das Schicksal ihres kleinen Theaters mit dem Ikarus. 2024 noch mit dem Theaterpreis des Bundes geehrt und dann von einem Tag auf den anderen die Fördermittel gestrichen.
Tom Streidel, Tischler in den Werkstätten des Maxim Gorki Theaters und dort im Personalrat, beschreibt die absurde Situation der Werkstätten des Theaters, die ab Januar 2027 einem anderen landeseigenen Betrieb, der Stiftung Oper, Miete für die Nutzung der Räume zahlen sollen. Er spricht von der Demontage eines Landestheaters zugunsten der Stiftung Oper: „Wir machen uns große Sorgen, sie gilt der Zukunft des Gorki.“
„Kultur ist die DNA Berlins. Wer Kultur sichert, sichert die Zukunft der Stadt“, schreibt die Initative. Die zweite Aktionswoche findet im September statt.
11 Jun 2026
AUTOREN
Katja Kollmann
Schwerpunkt Wahlen in Berlin
Kultur in Berlin
Berliner Ensemble
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