taz.de -- Tankrabatt und Tabaksteuer: Die höhere Tabaksteuer geht zu Lasten der Ärmeren

Um den Tankrabatt zu finanzieren, wird die Tabaksteuer erhöht. Das ist ungerecht, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Dirk Engelmann.

Bild: Rauchen soll teurer werden

Die Bundesregierung hat eine erstaunliche Leistung vollbracht, nämlich weitgehende Einmütigkeit unter Ökonom:innen zu erzeugen. Allerdings liegt diese in der Bestürzung über die Pläne zum [1][Tankrabatt].

Bisher wenig beachtet in der Diskussion ist allerdings die Verteilungswirkung der steuer- und abgabenfreien Entlastungsprämie und ihrer Gegenfinanzierung durch die Erhöhung der Tabaksteuer. Ein verteilungspolitisches Problem vieler Verbrauchsteuern ist, dass diese regressiv wirken, also Ärmere relativ stärker belasten als Reichere und damit zu einer Erhöhung der Ungleichheit führen – im Gegensatz zu progressiven Steuern wie der Einkommensteuer.

Die meisten regressiven Steuern sind solche, bei denen Reichere zwar absolut mehr zahlen als Ärmere, Letztere aber einen höheren Anteil ihres Einkommens aufwenden, beispielsweise bei der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel. Schon solche Steuern erhöhen die relative Ungleichheit. Umfragen legen aber nahe, dass der [2][Tabakkonsum in Deutschland – wie in vielen anderen Ländern – unter Ärmeren höher ist als unter Reicheren].

Damit ist die Tabaksteuer ein Extremfall, da die Ärmeren nicht nur relativ zum Einkommen, sondern sogar absolut mehr zahlen als die Reicheren. Die Tabaksteuer ist vermutlich die am stärksten regressiv wirkende Steuer überhaupt, zumindest unter allen nicht trivialen.

Wer dagegen von der Entlastungsprämie profitieren wird, ist unklar. Bezahlen werden sie jedoch die Raucher:innen und damit überproportional die Ärmeren. Zwar gibt es gute gesundheitspolitische Gründe für eine Tabaksteuer. Wenn sie aber zur Finanzierung von [3][Umverteilungsmaßnahmen herangezogen wird, sollte man die Verteilungswirkung auch konsequent bedenken].

Die Bundesregierung verteilt also um – von den Ärmeren zu irgendjemandem – und sie weiß selbst nicht, wohin. Rauchen hat keine Lobby, Autofahren schon. Ein Argument scheint zu sein, auf Rauchen könne man auch verzichten. Rauchen ist aber eine anerkannte Sucht, und damit ist Aufhören schwer, auch bei höherer Tabaksteuer. Wäre es anders, könnte die Bundesregierung durch die Tabaksteuererhöhung auch nicht die Einnahmen erhöhen.

29 Apr 2026

[1] /Warum-der-Tankrabatt-genau-richtig-ist/!6170300

[2] /Zigarettenkultur-in-Bremen/!5930560

[3] /Wohlstandsverteilung-in-Deutschland/!6174294

AUTOREN

Dirk Engelmann

TAGS

Soziale Gerechtigkeit

Umverteilung

Steuerpolitik

Rauchen

Reden wir darüber

Social-Auswahl

GNS

Gesundheitspolitik

Tankrabatt

ARTIKEL ZUM THEMA

Erhöhung der Tabaksteuer: Rauchzeichen von der CDU

Bei der Anhörung zur Tabaksteuererhöhung lädt die Union nur Ver­tre­te­r:in­nen aus der Tabakindustrie ein. Deren Einfluss ist ohnehin zu massiv.

Geplante Erhöhung der Tabaksteuer: Rauchen für den Staat

Union und SPD wollen den Steuersatz für Zigaretten noch stärker erhöhen als geplant. Für Konsumenten und Konsumentinnen könnte das richtig teuer werden.

Hohe Energiepreise: IWF kritisiert Tankrabatt, weil Reiche besonders profitieren

Der Internationale Währungsfonds sieht in Tankrabatten „unkluge Maßnahmen“. Er warnt Regierungen davor, Fehler aus der Energiekrise 2022 zu wiederholen.

Studie zu gesundem Leben: Andere machen mehr gegen Alkohol, Tabak und schlechtes Essen

Deutschland hat die höchsten Gesundheitskosten, die Lebenserwartung liegt aber unterm Durchschnitt. Ein Bericht zeigt: Bei der Prävention ist Luft nach oben.

Schwarz-Gelbe Sparpläne: Statt Ökosteuer-Rabatt nun Tabaksteuer

Laut Sparpaket sollte der Ökosteuer-Rabatt für Industriebetriebe gestrichen werden. Doch die Regierung will die Vergünstigungen teilweise bestehen lassen. Dafür zahlen die Raucher mehr.

Proxied content from gemini://taz.de/%216174989 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%216174989
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.