taz.de -- Chef der neuen AfD-Jugend in Brandenburg: Blitzkarriere statt Rausschmiss

Fabian Jank, Vorsitzender der „Generation Deutschland“ in Brandenburg, kommt aus dem Identitären-Milieu. Für seinen Aufstieg war das kein Nachteil.

Bild: Fabian Jank in Königs Wusterhausen: Populistische Inszenierung, rechtsextreme Ideologie

Auch in Brandenburg gibt es jetzt einen [1][Landesverband der neuen AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“]. Die Gründungsversammlung fand am Samstag unter Protesten in Königs Wusterhausen statt. Zum Vorsitzenden wurde der AfD-Landtagsabgeordnete Fabian Jank gewählt. Er wolle eine „Kaderschmiede“, tönte der 29-Jährige nach der Wahl: „Politisch stabil. Charakterlich gefestigt. Sportlich fit. Bereit, Verantwortung zu übernehmen!“

Die Personalie Fabian Jank zeigt: Auch in Brandenburg wird die AfD-Jugend ihren stramm rechtsextremen Kurs fortsetzen oder weiter verschärfen. Denn Janks Werdegang zeigt exemplarisch, wie sehr die Parteijugend mit dem außerparlamentarischen, rechtsextremen Vorfeld verflochten ist.

Seine ersten politischen Sporen verdiente sich Jank in Cottbus bei der Ortsgruppe der „Identitären Bewegung“. Die Gruppe organisierte mehrere Aktionen in Südbrandenburg, an denen sich Jank beteiligte. Propagandafotos zeigen ihn unter anderem im Jahr 2017, wie er Pfefferspray in der Cottbuser Innenstadt verteilt, oder bei einer Banneraktion an der Slawenburg Raddusch.

Während seines Studiums der Agrarwissenschaften in Halle an der Saale bleibt Jank den Identitären treu. Bis Anfang 2020 wohnt er im Hausprojekt des lokalen Identitären-Ablegers. Kurz nach seiner Rückkehr nach Südbrandenburg 2021 tritt er in die AfD ein und durchläuft eine Blitzkarriere: Innerhalb weniger Jahre arbeitet er sich vom einfachen Parteimitglied hoch zum [2][Direktkandidaten in einem aussichtsreichen Wahlkreis in der Niederlausitz] – von wo aus er 2024 in den Potsdamer Landtag einzieht.

Das alles gelingt ihm, obwohl die „Identitäre Bewegung“ [3][auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD steht]. Es scheint, als sei das kein Hindernis in der Brandenburger AfD – im Gegenteil. Wer sich bei den Identitären bewährt hat, macht offenbar bevorzugt Karriere.

Was das betrifft, hat Fabian Jank einiges gemeinsam mit [4][Jean-Pascal Hohm], den der AfD-Nachwuchs im November zu seinem Bundesvorsitzenden gewählt hat. Auch Hohm stammt aus dem Süden Brandenburgs und blickt auf eine politische Sozialisierung bei den Identitären und anderen Vorfeldorganisationen zurück – und sitzt mittlerweile ebenfalls im Landtag.

Tief verankert in rechtsextremen Denktraditionen

Dort ist Fabian Jank landwirtschaftspolitischer Sprecher seiner Fraktion. In dieser Funktion macht er vor allem mit einer Idee auf sich aufmerksam: seiner Lösung für das vermeintliche „Problem der Überbevölkerung“. Die krude Rechnung: Ohne Migranten käme Deutschland auf 65 Millionen Einwohner, rund 20 Millionen weniger als jetzt. Das würde, so Jank, die Natur entlasten und Flächennutzungskonflikte minimieren. Damit bewegt er sich im intellektuellen Fahrwasser des Ökonomen Thomas Robert Malthus (1766–1834), der als Stichwortgeber für das nationalsozialistische Vorhaben gilt, wonach Deutschland „Lebensraum im Osten“ gewinnen sollte.

Jank versucht zugleich, sich als heimatverbundener und bodenständiger Bursche zu inszenieren, der kein „typischer Politiker“ sein will. Er posiert er auf einem Simson-Motorrad oder inmitten einer Wiese, eine Kuh streichelnd. Er ist zugleich bemüht, die strategischen und ideologischen Konzepte rechtsextremer Ideengeber umzusetzen. Sein Abgeordnetenbüro „Heimatrevier“ in Großräschen will er zu einem „Treffpunkt für Patrioten“ ausbauen. Bei eigens veranstalteten „Jugendabenden“ sollen dort AfD-nahe Aktivisten Jugendlichen rechtsextreme Inhalte vermitteln. Der aus der Neonaziszene stammende Publizist Benedikt Kaiser lobte Janks Engagement für „Inseln des Miteinanders und der patriotischen Solidarität“ als „vorbildlich“.

Dabei kommt Jank wohl die rechte Jugendkultur gelegen, die sich [5][in Brandenburg zuletzt ausgebreitet hat]. Unter seiner Führung dürfte der neue AfD-Nachwuchs versuchen, aus diesem Potenzial eine ideologisch gefestigte und radikale Jugendbewegung zu formen. Von Mäßigung der Parteijugend kann auch hier keine Rede sein.

9 Feb 2026

[1] /Protest-gegen-AfD-Jugend/!6152332

[2] /Ehemaliger-Brandenburger-AfD-Chef/!6020102

[3] /AfD-und-Identitaere-Bewegung/!6152138

[4] /Jean-Pascal-Hohm-soll-AfD-Jugend-fuehren/!6108240

[5] /Rechtsextremismus-in-Spremberg/!6100418

AUTOREN

Moritz Bauch

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