taz.de -- Debatte um AfD-Verbot: Senat zeigt keine Zähne

Berlins schwarz-rote Koalition bleibt zögerlich beim Thema AfD-Verbot. Doch auch aus der Opposition kommt bisher nur wenig Druck – trotz klarer Warnungen.

Bild: Übergabe der Petition „AfD-Verbot prüfen!“ an den Bundesrat Ende Januar: Aus Berlin kommt wenig Zuspruch

Berlintaz | Die Einstufung der gesamten AfD als „gesichert extremistische Bestrebung“ durch das Bundesamt für Verfassungsschutz [1][steht offenbar kurz bevor]. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung und beruft sich auf interne E-Mails der Behörde. In Berlin sieht der Senat ein mögliches AfD-Verbotsverfahren dennoch weiterhin skeptisch: „Es gibt keinen neuen Sachstand“, teilte die Senatskanzlei auf taz-Anfrage mit.

Damit bleibt die schwarz-rote Koalition einstweilig auf der Linie, die der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) im Januar nach [2][Bekanntwerden der rassistischen Deportationspläne] vorgegeben hatte. Damals hatte Wegner eine „gemeinsame Kraftanstrengung der demokratischen Parteien“ gegen Rechtsextremismus gefordert, zugleich aber klargestellt, dass er ein Verbot kritisch sehe. Als Strategie hatte er dann noch [3][ausgerechnet ein „Umsteuern“ in der Geflüchtetenpolitik und eine weitere Begrenzung der „illegalen Migration“ ins Spiel gebracht].

Neben Bundestag und Bundesregierung kann auch der Bundesrat ein Parteiverbotsverfahren beantragen. Hier hätte der Senat die Möglichkeit, eine entsprechende Initiative zu starten.

Die Stimmen aus Zivilgesellschaft und Politik, die das befürworten, [4][werden dabei lauter]. So erklärte der Rechtswissenschaftler Hendrik Cremer am Montag: „Die AfD verfolgt einen Kurs, der eine Gewaltherrschaft anstrebt und sich an der Ideologie des Nationalsozialismus orientiert.“ Die Hochstufung seitens des Verfassungsschutzes sei überfällig, auf das Instrument des Verbotsverfahrens dürfe man nicht verzichten, so [5][Cremer, der am Deutschen Institut für Menschenrechte zu Rechtsextremismus forscht].

Regierung und Opposition bislang träge bis ablehnend

In der Hauptstadt-Koalition stößt er damit wohl weiterhin auf taube Ohren. Doch auch Linke und Grüne im Abgeordnetenhaus drängten bislang eher verhalten auf ein AfD-Verbot. Am Montag schließlich stellte Grünen-Fraktionschef Werner Graf doch klar: „Wir als Fraktion wollen das Verbot weiter puschen.“ Gleichwohl sei es „nicht das Einzige, das bei uns auf der Fahne steht“.

Ario Mirzaie, Grünen-Sprecher für Strategien gegen rechts, sagte, er sei ein „großer Fan“ des Verbotsverfahrens und schätze die Erfolgschancen als gut ein. Allerdings müsse man im Kampf gegen Rechtsextremismus auch die Ursachen für dessen Erstarken beseitigen: „Dazu gehört auch mehr echte soziale Gerechtigkeit.“

26 Feb 2024

[1] /AfD-gegen-Verfassungsschutz/!5991973

[2] /Rechtes-Geheimtreffen-in-Potsdam/!5985429

[3] /Proteste-gegen-die-AfD/!5982930

[4] /49-Abgeordnete-fuer-Pruefung/!5986396

[5] https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/publikationen/detail/warum-die-afd-verboten-werden-koennte

AUTOREN

Hanno Fleckenstein

TAGS

Schwerpunkt AfD

Schwarz-rote Koalition in Berlin

Schwerpunkt Demos gegen rechts

Parteiverbot

Rechtsextremismus

Grüne Berlin

ARTIKEL ZUM THEMA

AfD gegen Verfassungsschutz: Der Druck auf die AfD steigt

Schon lange warnt Verfassungsschutzchef Haldenwang vor einer Radikalisierung der AfD. Bald könnte eine Einstufung als „gesichert rechtsextrem“ folgen.

Verfassungsschutz arbeitet an Einstufung: Rechtsextrem? Na sicher!

Laut eines Berichts bereitet der Verfassungsschutz die Einstufung der AfD als „gesichert rechtsextrem“ vor. Kein Wunder – die Partei dreht seit Jahren völlig frei.

49 Abgeordnete für Prüfung: „Prüft ein AfD-Verbotsverfahren!“

Die Rufe nach rechtlichen Schritten gegen die Afd werden lauter. Eine taz-Umfrage zeigt: 49 PolitikerInnen wollen ein Verbotsverfahren prüfen.

Proxied content from gemini://taz.de/%215992017 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%215992017
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.