taz.de -- Überzeugungen eines Energiechefs: Das große Ganze im eigenen Garten
Der Boss von ExxonMobil ist fürs Fracking. Eigentlich. Uneigentlich ist er es nicht mehr, wenn die Förderung in seiner Nachbarschaft passiert.
Bild: Selbst im Licht der untergehenden Sonne nicht wirklich hübsch anzusehen: Bohrtum einer Ölförderplattform.
BERLIN taz| Rex Tillerson ist der Vorstandsvorsitzende von ExxonMobil. Der Mineralölkonzern ist einer der Hauptakteure beim Fracking, der Fördermethode für Öl und Gas, bei der Wasser und Chemikalien unter hohem Druck in tiefe Gesteinsschichten gepresst werden. Tillerson sagt, die Menschen müssten, einer nach dem anderen, Stadt für Stadt, davon überzeugt werden, dass etwaige Risiken kontrollierbar seien.
Jetzt scheint es, als müsse er mit der Überzeugungsarbeit zuallererst bei sich selbst anfangen. Nach Berichten des Wall Street Journal steht neben seiner Ranch in Bartonville in Texas neuerdings ein knapp 50 Meter hoher Wasserturm, der Frackingunternehmen in der Gegend versorgen soll.
Eine Gruppe von Anwohnern klagt gegen den Bau des Turms und führt als Begründung auch Argumente gegen die umstrittene Fördermethode an. Im Bezug auf die Klage in Bartonville wird Tillerson mit den Worten zitiert, es gehe ihm nicht um das Fracking an sich, sondern um den Wert seines Grundstücks. Dieser werde durch die Aussicht auf den Turm und den zu erwartenden Lkw-Verkehr der Fracking-Unternehmen gemindert.
Der ExxonMobil-Chef scheint vergessen zu haben, dass nach seiner eigenen Aussage stets nur wenige Menschen durch Fracking beeinträchtigt würden. In der Perspektive auf das große Ganze machten sie keinen Unterschied. Demzufolge sollte der Wert eines 0,3-Quadratkilometer-Grundstücks irgendwo in Texas für das große Ganze nun wirklich keine Rolle spielen.
25 Feb 2014
AUTOREN
Esther Widmann
Fracking
USA
Öl
ExxonMobil
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