taz.de -- Waldbrände in Griechenland: Feuersbrunst im Großraum Athen

Dem Feuerinferno auf Kreta folgt ein Großfeuer im Herzen des Landes, das Industrieanlagen bedroht. Die Feuerwalze hat bereits Attika erreicht.

Bild: In Teilen Griechenlands sind die Waldbrände weiter außer Kontrolle

Am Freitag brach in der Region Süd-Boiotien am Golf von Korinth ein Waldbrand aus. Die Feuerwalze breitete sich am Sonntag, dem Tag drei nach dem Ausbruch, rasend in Richtung der 25.000 Einwohner zählenden Stadt Megara aus. Megara liegt auf halber Strecke zwischen Korinth und der griechischen Hauptstadt Athen.

Die Feuersbrunst umzingelte am Sonntag das Stadtgebiet von Megara. Das Feuer sei an gleich zwei Fronten außer Kontrolle, wie griechische Medien am Sonntagnachmittag meldeten. Ziel der Einsatzkräfte ist es, die weitere Ausbreitung in Westattika unbedingt zu verhindern. Der Grund: Westattika ist das industrielle Herz von Griechenland. Nur einige Kilometer entfernt von dem Feuerinferno befinden sich Chemieindustrieanlagen und Erdölraffinerien.

Auch am Sonntag konnte das Großfeuer wegen der herrschenden starken Nordwinde nur ansatzweise aus der Luft bekämpft werden. Stürmische Winde machen das Starten der Löschflugzeuge, die Wasserentnahme sowie das Abwerfen von Wasser auf die Brandherde unmöglich. Zehn bereitgestellte Löschflugzeuge konnten daher nicht zum Einsatz kommen. In der Luft operierten am Sonntag in der Früh nur 18 Hubschrauber, und das auch nur zeitweise.

Dabei kam es zu einer Tragödie. Wie ein vom privaten Athener Fernsehsender Open TV am Sonntagnachmittag ausgestrahltes Amateurvideo zeigt, stießen zwei Hubschrauber in der Luft über einer Schlucht am westattischen Ort Psatha zusammen. Ein Hubschrauber fing Feuer und stürzte in die Schlucht. Sofort wurde eine Such- und Rettungsaktion eingeleitet. Unklar ist, ob der Pilot des abgestürzten Hubschraubers den Vorfall überlebt hat oder nicht.

Premier Mitsotakis zeigt sich machtlos

Bis zum Sonntag hat das Wald- und Buschfeuer eine Fläche von mehr als 10.000 Hektar verbrannt. Im Ort Porto Germeno brannten mehr als 100 Häuser nieder oder wurden schwer beschädigt. Autos und Feuerwehrfahrzeuge brannten aus. Neueste Daten belegen nach Angaben des Brandmeteorologen Theodoros Giannaros, dass der Brand als [1][Großfeuer („Megafire“)] einzustufen sei.

Derweil haben die griechischen Behörden zwei Männer wegen vorsätzlicher Brandstiftung festgenommen. In einem privaten Übertragungsnetz, das Strom von Windkraftanlagen zum zentralen Stromnetz leitet, sei es zu Schwingungen der Leitungen gekommen, wie Ermittlungen ergaben. Dies habe eine Funkenbildung verursacht und so den Brand in Süd-Boiotien ausgelöst. Festgenommen wurde ein Elektroingenieur, der für die Planung und Bauaufsicht des Projekts verantwortlich war, sowie ein Bauunternehmer.

Doch [2][auch woanders brennt es in Griechenland] lichterloh. Auf der Insel Kefalonia im Ionischen Meer, einem in diesen Wochen beliebten Urlaubsziel, brach am späten Samstagabend ein Waldbrand aus. Zahlreiche Orte mussten evakuiert werden.

Griechenlands konservativer Premier [3][Kyriakos Mitsotakis] zeigt sich machtlos. „Es gibt Augenblicke, in denen die Art und Intensität von Wetterereignissen jede menschliche Planung und operative Kapazität übersteigen“, schrieb Mitsotakis am Sonntag in sozialen Medien.

Für seine Kritiker ist dies jedoch bloß ein Narrativ, das von Mitsotakis’ Verantwortung für die Sommer für Sommer durch Waldbrände angerichteten Schäden ablenken sollen. Die Regierung Mitsotakis setze seit ihrem Amtsantritt im Juli 2019 vor allem auf die Brandbekämpfung aus der Luft, monieren sie. Dies ist nicht nur teuer. Bei starken Winden, die ausgerechnet in Griechenland im Sommer so sicher wie das Amen in der Kirche sind, gilt zudem: alles für die Katz.

Fest steht: Zwischen 2021 und 2025 ist in Griechenland eine Fläche von 417.764 Hektar verbrannt. Dies entspricht 4.177 Quadratkilometern oder der Gesamtfläche der drei Bundesländer Saarland, Berlin und Hamburg. Im laufenden Jahr wurden laut Effis hierzulande bisher 21.116 Hektar durch 29 größere Brände zerstört. Dabei hat der August, der gefährlichste Monat der hiesigen Waldbrandsaison, gerade erst begonnen.

2 Aug 2026

[1] /Regeneration-nach-Waldbraenden/!6182265

[2] /Waldbraende-in-Griechenland/!6200615

[3] /Korruption-in-Griechenland/!6169196

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Ferry Batzoglou

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