taz.de -- Verwaltungsgericht lehnt Eilantrag ab: Verfassungsschutz darf AfD Niedersachsen vorerst hochstufen

Ein Gericht sieht bei der AfD Niedersachsen ein verfassungsfeindlich geprägtes Gesamtbild. Die Partei kann dagegen aber weiter vorgehen.

Bild: Der niedersächsische Verfassungsschutz hatte die AfD schon Mitte Februar hochgestuft

dpa | Die AfD in Niedersachsen darf vom Landesverfassungsschutz vorläufig zum Beobachtungsobjekt von erheblicher Bedeutung hochgestuft werden. Das Verwaltungsgericht Hannover lehnte einen Eilantrag des AfD-Landesverbandes dagegen ab.

Der niedersächsische [1][Verfassungsschutz] hatte die AfD Mitte Februar hochgestuft. Zuvor war der Landesverband seit 2022 als Verdachtsobjekt geführt worden – eine Phase, die nicht noch einmal verlängert werden konnte. Die Behörde musste daher entscheiden, ob sie die Beobachtung beendet oder auf eine neue Grundlage stellt.

Die AfD klagte gegen die Höherstufung. Die Anschuldigungen, seine Partei sei verfassungsfeindlich, wies der Landesvorsitzende Ansgar Schledde zurück. Der Verfassungsschutz verzichtete daraufhin zunächst weitgehend auf besonders eingriffsintensive Maßnahmen wie den längerfristigen Einsatz von Vertrauenspersonen.

Gericht konstatiert verfassungsfeindliches Gesamtbild der AfD

Das Verwaltungsgericht entschied nun aber, dass sich verfassungsfeindliche Bestrebungen der AfD Niedersachsen an Agitationen gegen die Menschenwürde sowie gegen das Demokratie- und Rechtsstaatsprinzip belegen ließen. Radikale Positionen an der Grenze der Strafbarkeit würden etabliert, hieß es. Außerdem gebe es unter anderem Verbindungen zu Teilen der AfD, die als gesichert rechtsextremistisch eingestuft sind.

[2][Der Charakter der Partei] sei durch diese Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung geprägt, hieß es vom Gericht weiter. Es lasse sich ein verfassungsfeindlich geprägtes Gesamtbild attestieren.

Der Beschluss im Eilverfahren regelt die Rechtslage, bis ein Urteil in der Hauptsache ergeht. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. Die AfD Niedersachsen kann Beschwerde beim Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht einlegen.

So ist die Lage in anderen Ländern und im Bund

In vier [3][weiteren Bundesländern] – Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen – wird die AfD auf Landesebene als gesichert rechtsextremistisch bewertet. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte im Mai 2025 mitgeteilt, dass es die gesamte AfD als gesichert rechtsextremistische Bestrebung einstufen werde. Wegen einer Klage der AfD legte das Bundesamt die Einstufung aber bis zur gerichtlichen Klärung auf Eis.

1 Jun 2026

[1] /Verfassungsschutz/!6161433

[2] /Rechtsextreme-in-Mecklenburg-Vorpommern/!6162273

[3] /Drohende-AfD-Regierung-in-Ostdeutschland/!6177987

TAGS

Schwerpunkt AfD

AfD Niedersachsen

Verfassungsschutz

Social-Auswahl

ARTIKEL ZUM THEMA

BSW-Annäherung an Rechtsextreme: Wagenknecht setzt auf die AfD-Karte

Kommt das BSW in Sachsen-Anhalt über 5 Prozent, gäbe es dort eine lila-braune Mehrheit. Die BSW-Gründerin propagiert erneut ihre Idee einer Bürgerregierung.

AfD verliert Kommunalwahl in Görlitz: Christdemokrat schlägt AfDler

Bei der Oberbürgermeisterwahl gewinnt Amtsinhaber Octavian Ursu gegen seinen Herausforderer von der AfD. Für die Rechtsextremen reicht es mal wieder nicht.

AfD beschließt Wahlprogramme: AfD wählt Ex-Mitglied der NPD-Jugend zum Generalsekretär

Beim AfD-Parteitag in Mecklenburg-Vorpommern wählen 91 Prozent der Delegierten einen mutmaßlichen Ex-Nazi. Das Wahlprogramm liest sich rassistisch.

Neutralitätsdebatte in der Schule: Herr Heckel und die AfD

Ein Lehrer in Sachsen-Anhalt warnt im Unterricht vor der AfD. Die Partei protestiert, das Schulamt mahnt ihn ab. Wie neutral muss ein Lehrer sein?

Proxied content from gemini://taz.de/Verfassungsschutz-darf-AfD-Niedersachsen-vorerst-hochstufen/%216183384 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/Verfassungsschutz-darf-AfD-Niedersachsen-vorerst-hochstufen/%216183384
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.