taz.de -- US-Gesundheitspolitik in Afrika: Kenia als Abladeplatz für US-Amerikaner unter Ebola-Verdacht
Weil sich Ebola in der DR Kongo ausbreitet, soll Kenia gefährdete US-Bürger aus der Region aufnehmen. Es gibt Proteste vor Gericht und auf der Straße.
Bild: Proteste im kenianischen Nanyuki gegen das geplante Ebola-Quarantänezentrum der USA auf dem Luftwaffenstützpunkt Laikipia, 1. Juni
Hunderte Demonstranten zogen am Montag durch die kenianische Kleinstadt Nanyuki, rund 200 Kilometer nördlich der Hauptstadt Nairobi. Sie zündeten Reifen an und errichteten Straßensperren: „Wir protestieren heute, um zur Hölle NEIN zu sagen zu einem Ebola-Quarantänezentrum in Nanyuki“, so Marlin Ndegwa, Gemeindevorsitzender von Nanyuki. „Wie kann es sein, dass die Amerikaner entscheiden, sie wollen nicht mit Ebola in Berührung kommen, und wir sollen aber Ebola für sie bekämpfen?“ Zwei Menschen wurden laut Medienberichten bei den Protesten erschossen.
Nanyuki ist die Bezirkshauptstadt von Laikipia, wo Kenias Armee einen Luftwaffenstützpunkt unterhält. Dort plant die US-Regierung ein 13 Millionen Dollar teures Ebola-Quarantänezentrum mit 50 Betten, Isolierstation und modernster medizinischer Ausrüstung und US-amerikanischen Ärzten – ganz exklusiv für US-Staatsbürger, die sich in der weiteren zentralafrikanischen Region mit dem tödlichen Ebolavirus infiziert haben könnten. „Wir können und werden es nicht zulassen, dass Fälle von Ebola in die Vereinigten Staaten gelangen“, hatte US-Außenminister Marco Rubio vergangene Woche erklärt.
Im Mai war ein US-amerikanischer Arzt, der in der ostkongolesischen Provinz Ituri in einem Krankenhaus arbeitete und sich dort mit Ebola ansteckte, mit einem US-Militärflug nach Berlin [1][in die Charité evakuiert] worden, um ihn dort zu behandeln; seine Familie kam dort in Quarantäne. Die USA hatten Deutschland darum gebeten. Jetzt soll Kenia das Aufnahmeland werden, so die Idee von US-Präsident Donald Trump.
Das kenianische Menschenrechtsinstitut Katiba hat dagegen [2][ein Eilverfahren angestrengt]. „Die heimliche, einseitige Einrichtung einer Ebola-Quarantäneanlage wirft schwerwiegende verfassungsrechtliche Bedenken hinsichtlich der Rechte auf Leben, Gesundheit, faires Verwaltungshandeln, öffentliche Beteiligung und parlamentarische Kontrolle auf“, so Katiba-Direktorin Nora Mbagathi und fordert: „Das Gericht wird entscheiden, ob die Exekutive die Öffentlichkeit derart erheblichen Risiken aussetzen darf, ohne verfassungsrechtliche Schutzvorkehrungen einzuhalten.“
„Schwerwiegende verfassungsrechtliche Bedenken“
Kenias Ärzteverband schloss sich dieser Initiative an. Mittlerweile werden im Osten der Demokratischen Republik Kongo über 1.000 Ebolaverdachtsfälle vermutet, über 200 Menschen sind gestorben. Im Nachbarland Uganda wurden bis Dienstag 15 Fälle bestätigt.
Kenia liegt mehr als 1.200 Kilometer vom Epizentrum in der DR Kongo entfernt, das Risiko wird von der WHO für Kenia dennoch als „hoch“ eingestuft. Bislang werden noch keine Fälle gemeldet. Das soll auch so bleiben: „Wenn es für Amerika zu gefährlich ist, ist es auch für Kenia zu gefährlich“, so Davji Bhimji Atellah, Generalsekretär der Gewerkschaft der kenianischen Ärzte, Apotheker und Zahnärzte (KMPDU).
Das Bezirksgericht gab der Klage vergangenen Donnerstag statt und stoppte vorerst die Errichtung des Zentrums. Dennoch landeten am Samstag US-amerikanische Maschinen am Luftwaffenstützpunkt und luden Material aus. „Ich habe das Okay gegeben“, erläuterte Kenias Präsident William Ruto das am Montagabend in einer [3][Rede an die Kenianer]: „Unsere Partnerschaft mit den USA schafft Vorteile für sie und für uns.“ Die Amerikaner hätten in der Vergangenheit Kenia gegen Aids und Covid-19 geholfen.
Der Präsident hat Ja gesagt
Ruto versicherte, dass an allen Grenzen sämtliche Einreisende getestet würden. Mit Kenia haben die USA im Dezember 2025 ein [4][Abkommen über Unterstützung im Gesundheitsbereich] unterzeichnet, ähnlich wie mit anderen afrikanischen Regierungen.
Der Ebola-Vorstoß der USA in Kenia verärgert auch Gesundheitsexpert*innen in den USA. Seuchenforscherin Krutika Kuppalli, die 2014 in Westafrika bei einem Ebola-Einsatz die Krankheit am eigenen Leib erlebte, warnte gemeinsam mit weiteren Experten in einem [5][offenen Brief an den US-Kongress] vor einem „gefährlichen Präzedenzfall“: Dieses Vorgehen entmutige qualifiziertes US-Personal, sich in den betroffenen Gebieten stationieren zu lassen, weil sie jetzt nicht wüssten, ob sie im Falle einer Infektion im Heimatland mit „optimaler“ Versorgung behandelt werden würden.
2 Jun 2026
LINKS
[1] /Ebola-Erkrankter-in-der-Charite/!6180504
[2] ttps://katibainstitute.org/katiba-institute-files-a-petition-challenging-the-proposed-establishment-of-ebola-quarantine-and-treatment-facilities-in-kenya/
[3] https://www.youtube.com/watch?v=x8dCJ3LG2HU
[4] https://www.state.gov/united-states-and-kenya-sign-five-year-2-5-billion-health-cooperation-framework
[5] https://x.com/KrutikaKuppalli/status/2061613454042223099/photo/2
AUTOREN
Simone Schlindwein
Ebola
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