taz.de -- Ebola-Krise in der DR Kongo: Kampf gegen das Virus nimmt langsam Fahrt auf

Die Zahl der positiv getesteten Ebola-Patienten ist erstmals rückläufig. Zudem wurden 50 Millionen Dollar in Aussicht gestellt für einen Impfstoff.

Bild: WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus beim Besuch von Gesundheitspersonal in der Demokratischen Republik Kongo

Nach dem Besuch von Tedros Ghebreyesus, dem Direktor der Weltgesundheitsorganisation WHO, im Ebola-Gebiet im Osten der Demokratischen Republik Kongo am vergangenen Wochenende nehmen [1][die Eindämmungsmaßnahmen] langsam Fahrt auf. Nach seiner Rückkehr wandte sich Ghebreyesus an die Weltgemeinschaft und versicherte: „Der Ausbruch hatte einen großen Vorsprung – aber wir holen auf.“

Die Zahl der positiv getesteten Patienten ist tatsächlich erstmals rückläufig. Nach Angaben des Afrikanischen Zentrums für Seuchenkontrolle (CDC-Africa) vom Donnerstag konnten im Kongo durch Labortests 452 Fälle bestätigt werden, 82 Menschen seien gestorben. Vergangene Woche war die Zahl der Verdachtsfälle im Kongo mit über 1.000 angegeben worden. Die Labore waren überall ausgelastet und kamen mit den Tests nur langsam voran.

Erst seitdem jetzt die Testkapazitäten gestiegen sind, können zahlreiche Verdachtsfälle ausgeschlossen werden. Mittlerweile sind im Kongo sechs Infizierte geheilt und entlassen worden.

Im Nachbarland Uganda sind 19 Fälle bestätigt, die meisten davon Kongolesen, die nach Uganda gereist waren. 2 Patienten sind verstorben, 13 werden derzeit behandelt, 4 sind bereits geheilt. „Es ist wichtig festzuhalten, dass alle behandelten Fälle Fortschritte machen und gut genesen“, betonte Ugandas Gesundheitsministerium.

Tonnenweise Schutzausrüstung

Der Flughafen in Bunia, der Hauptstadt der Provinz Ituri, wurde von Kongos Behörden inzwischen wieder geöffnet. Internationale Hilfsagenturen begannen in dieser Woche, über Bunia, aber auch über Flughäfen in Uganda und Kenia, tonnenweise Schutzausrüstung, Laboreinrichtungen, Tests sowie medizinische Geräte, Medikamente und Lebensmittel einzufliegen.

Die UN-Mission im Kongo (Monusco) berichtet zugleich, dass Ebola-Expertenteams der WHO und internationale Hilfswerke unter dem Schutz von UN-Blauhelmen in die umkämpften Dörfer Ituris vordringen, um im Epizentrum des Ausbruchs weitere Ebola-Zentren zu eröffnen. Da die Straßen zum Teil zu marode sind oder [2][von Rebellen und Milizen kontrolliert werden], fliegt das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen die Ebola-Ausrüstung nun mit einem Helikopter in die Goldgräberstadt Mongbwalu tief im Dschungel, wo der Ausbruch mutmaßlich im April begonnen hat.

Am Freitag hat das Zentrum für Seuchenkontrolle CDC gemeinsam mit der WHO ihren Eindämmungsplan vorgestellt. Dabei warnte das CDC, die Todeszahl könnte bald weit über der des Ebola-Ausbruchs in Westafrika liegen, der von 2014 bis 2016 mehr als 11.000 Todesopfer forderte, sollten nicht umgehend direkte Maßnahmen eingeleitet werden. Insgesamt müssten für diesen Plan mehr als 500 Millionen Dollar von der internationalen Gemeinschaft bereitgestellt werden, um den Ausbruch zu bekämpfen.

Die Internationale Impfallianz GAVI hat 50 Millionen Dollar in Aussicht gestellt, um schnell einen Impfstoff zu entwickeln. Gegen die aktuelle Variante, Bundibugyo – benannt nach dem Bezirk in Uganda an der Grenze zu Kongo, wo die Variante 2007 zum ersten Mal ausbrach –, gibt es bislang keine Impfung. Jetzt soll Geld investiert werden. Selbst die US-Regierung, [3][die sich im vergangenen Jahr aus GAVI zurückgezogen hatte], trägt jetzt wieder dazu bei.

6 Jun 2026

[1] /Ebola-in-der-DR-Kongo/!6181883

[2] /Krieg-in-Kongos-Goldrevier/!5697532

[3] /Gesundheitspolitik-unter-Trump/!6096679

AUTOREN

Simone Schlindwein

TAGS

WHO

Ebola

Schwerpunkt Demokratische Republik Kongo

Impfung

Reden wir darüber

ARTIKEL ZUM THEMA

Ebola in Uganda und DR Kongo: Letzter Ebola-Patient in Uganda aus Krankenhaus entlassen

42 Tage nach der Entlassung des letzten Genesenen gilt das Land als Ebola-frei. In der benachbarten DR Kongo hingegen gerät die Situation außer Kontrolle.

US-Gesundheitspolitik in Afrika: Kenia als Abladeplatz für US-Amerikaner unter Ebola-Verdacht

Weil sich Ebola in der DR Kongo ausbreitet, soll Kenia gefährdete US-Bürger aus der Region aufnehmen. Es gibt Proteste vor Gericht und auf der Straße.

Ebola-Ausbruch in Zentralafrika: Jedes vierte Opfer ist ein Kind

In der Demokratischen Republik Kongo sind bereits 200 Menschen mutmaßlich an Ebola gestorben. Die WHO warnt. Derweil werden erste Genesene entlassen.

Ebola in der DR Kongo: Das Virus ist unsichtbar, die Seuchenbekämpfung auch

Entschlossenes Krisenmanagement in der DR Kongo lässt auf sich warten, in der Gesellschaft grassiert Angst. Stimmen aus der Ebola-Frontstadt Butembo.

Proxied content from gemini://taz.de/%216184927 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%216184927
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.