taz.de -- Rücktritt wegen Tennis-Affäre?: Das Laschet-Moment des Kai Wegner
Während des Blackouts hatte Wegner nur einen Job: Unterstützung signalisieren. Dass er lieber Tennis spielt, ist abgehoben – und demokratieschädlich.
Bild: Hatte während des Blackouts noch Netz: Bürgermeister Kai Wegner
Kai Wegner hätte während des größten Stromausfalls in der Berliner Nachkriegsgeschichte im Grunde nur einen Job: da zu sein. Die tatsächliche Hilfe wird in solchen Fällen ohnehin überwiegend von Tausenden Freiwilligen und professionellen Rettungsdiensten geleistet. Der Regierende Bürgermeister muss nur die nötigen Stellen informieren – und dann vor allem durch Präsenz Vertrauen herstellen. Er muss zeigen, dass der Staat sich kümmert und die Not sieht.
Doch schon diese Minimalanforderungen seiner Position hat Wegner verweigert. Statt vor Ort aufzutauchen, entschied er sich am Tag des Blackouts, eine Runde Tennis spielen zu gehen – gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, der Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU). Und als Fragen aufkamen, wo der Regierende denn sei, täuschte er die Öffentlichkeit. Er habe den „ganzen Tag am Telefon“ gehangen und sich „in seinem Büro eingeschlossen“, behauptete Wegner noch am Sonntag auf einer Pressekonferenz.
Damit hat Wegner das Vertrauen in das Amt des Regierenden Bürgermeisters nachhaltig beschädigt. Er sollte zurücktreten.
Man erinnert sich unweigerlich an Armin Laschet, der sich während der – wesentlich schlimmeren – Flutkatastrophe im Ahrtal das Lachen nicht verkneifen konnte. Oder an Anne Spiegel, die als rheinland-pfälzische Umweltministerin erst mal in den Urlaub gefahren ist. Beide mussten schließlich – zu Recht – ihren Posten räumen. Denn in Situationen, in denen staatliche Versorgungssysteme wegbrechen, ist Kommunikation keine Lappalie, sondern eine Form staatspolitischer Verantwortung.
Katastrophales Krisenmanagement
Wer nun argumentiert, auch Politiker:innen hätten ein Recht auf Pause, verkennt die Tragweite der Tennis-Affäre. Denn Tennisspielen ist nicht einfach eine Runde Spazierengehen. Tennis kommt gleich nach Golf – es ist ein Sport mit deutlicher Eliten-Konnotation. Auf die Idee zu kommen, dass dies während einer Krise der richtige Stressausgleich ist, beweist die Weltfremdheit und Abgehobenheit von Wegner, der sich so gern als bürgernah inszeniert. Dass er auch noch glaubte, alles verheimlichen zu können, zeigt, für wie selbstverständlich er sein Amt hält.
Es ist kein Wunder, dass in den sozialen Medien l[1][ängst die rechte Empörungsmaschinerie in Gang gekommen ist]. Die berechtigte Kritik an Wegner wird dabei mit rassistischer Hetze vermischt. Die CDU hätte die Möglichkeit, dieser Vergiftung etwas entgegenzusetzen – indem sie ihren Regierenden zur Verantwortung zieht. Stattdessen aber stellt sich die CDU-Fraktion schützend vor Wegner. Und Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) heizt die Dynamik sogar noch mit an, indem sie pauschal mehr Repressionen gegen „die Antifa“ fordert.
Die Tennis-Affäre Wegners steht damit sinnbildlich für [2][das desolate Bild, das der Senat beim Katastrophenmanagement insgesamt abgeliefert hat]. Wenn es der CDU gelingt, einen Rücktritt ihres Regierenden zu verhindern, macht sie deshalb immerhin eines klar: Wenn die Berliner:innen das konservative Wahlversprechen von „Sicherheit“ eingelöst sehen wollen, müssen sie Wegner abwählen.
8 Jan 2026
LINKS
[1] /Rassismus-Hetze-und-Fake-News/!6143473
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AUTOREN
Timm Kühn
Stromausfall
Kai Wegner
Schwarz-rote Koalition in Berlin
CDU Berlin
Tennis
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