taz.de -- Skandalentscheidung der Fifa: Entscheidend ist nicht mehr auf’m Platz

Die Sperre eines US-Spielers wird nach einem Telefonat von Donald Trump mit dem Fifa-Boss aufgehoben. Das ist das Ende des Fußballs, wie wir ihn kannten.

Bild: Rote Karte für den Fußball: Gianni Infantino und Donald Trump im Oval Office

An diesem Punkt sind wir also angekommen: Da ruft US-Präsident Donald Trump beim Boss der Fifa an, und eine längst gefällte Entscheidung wird umgestoßen. Eine Sperre, die nach einer Roten Karte obligatorisch ist, wird zur Bewährung ausgesetzt, nachdem der US-Präsident interveniert hat. US-Stürmer Folarin Balogun, der gegen Bosnien-Herzegowina nach Intervention des Videoschiedsrichters vom Platz geflogen war, ist plötzlich spielberechtigt für das Achtelfinale gegen Belgien.

Moment mal? War es nicht immer klar, dass mindestens ein Spiel aussetzen muss, wer die Rote Karte sieht? Das gibt es doch eine klare Regel. Wo kommt denn plötzlich die Möglichkeit her, die Sperre zur Bewährung auszusetzen? Klar, irgendeinen Paragrafen mag es geben. Aber warum wird der ausgerechnet dann bemüht, wenn gerade der US-Präsident Gianni Infantino angerufen hat. Und Donald Trump bedankt sich dann auf seinem sozialen Netzwerk prompt bei der Fifa für die Entscheidung.

Das war es mit dem Fußball, wie wir ihn kannten. Der zieht seine Faszination daraus, dass beim Anpfiff niemand weiß, wer gewinnen wird. Dazu gehört auch, dass für alle, die mitspielen, die gleichen Regeln gelten. Die sollten auch dann nicht außer Kraft gesetzt werden, wenn einem Staatschef, in dessen Land gerade das größte Sportturnier der Welt stattfindet, irgendwas nicht in den Kram passt. Mit der Entscheidung, eine Rotsperre für einen US-Amerikaner zur Bewährung auszusetzen, hat die Fifa die Glaubwürdigkeit der von ihr organisierten Sportart mit einem Schlag ruiniert. Und wie!

Die Fifa muss sich nicht wundern, wenn sich nun Verschwörungserzählungen verbreiten, die sich nicht mehr einfangen lassen. War da nicht diese Sache mit Cristiano Ronaldo? Genau, der hätte eigentlich die ersten beiden WM-Spiele Portugals aussetzen müssen, weil er nach einer Tätlichkeit in der Quali für das Turnier für drei Spiele gesperrt worden war. Doch nachdem Ronaldo einmal aussetzen musste, wurde die Sperre für die zwei weiteren Spiele zur Bewährung ausgesetzt. Fiel die Entscheidung nicht, kurz nachdem der Superstar, der das Turnier in den USA mit seinem Glanz bescheren sollte, [1][bestens gelaunt bei Donald Trump im Weißen Haus zu Gast] war? Alles klar, oder?

Alles für Messi

Und wie ist es mit der Geschichte, dass die Fifa Inter Miami ins Teilnehmerfeld der Klub-WM im vergangenen Jahr aufgenommen hat? Klar, Miamis Superstar [2][Lionel Messi sollte beim Turnier in den USA nicht fehlen]. Und so hat die Fifa den Klub, bei dem er spielt, einfach zum Turnier eingeladen. Fifa-Präsident Gianni Infantino persönlich hatte die Einladung im Stadion ausgesprochen. Eine sportliche Qualifikation war nicht gefragt.

Überhaupt Messi! Dass der im ersten Gruppenspiel gegen Algerien seine Stollen in die Wade seines Gegenspielers gedrückt hat, ist ohne Strafe geblieben. Der argentinische Überspieler hätte dafür eigentlich Rot sehen müssen. Wer hat eigentlich entschieden, den Tritt nicht zu bestrafen? Der Feldschiedsrichter? Die Videoreferees? Die Fifa? Donald Trump? Javier Milei? Was bis Sonntag noch als absurd abgetan hätte werden können, gilt heute als denkbar.

Gibt’s noch mehr in dieser Richtung? Klar, [3][die Geschichte mit Iran]. Wie die USA den WM-Teilnehmer mit seinen Einreiseregeln so drangsaliert hat, dass er nicht die gleichen Voraussetzungen wie seine Gegner hatte, ist gut dokumentiert. Doch nach der Intervention von Donald Trump im Fall Balogun muss man sich nicht wundern, wenn noch mehr Menschen es für möglich halten, dass die Abseitsentscheidung gegen Iran in der letzten Minute des letzten Gruppenspiels gegen Ägypten politisch motiviert war. Hätte das da erzielte Tor gezählt, Iran hätte sich für die K.-o.-Runde qualifiziert. Undenkbar!

Und was war eigentlich noch manipuliert bei dem Turnier? Wie kann es sein, dass die USA gegen die Maurermeister aus Paraguay, die das deutsche Team gänzlich und das französische fast zur Verzweiflung gebracht haben, unfassbare vier Tore geschossen haben. Schiebung im Sinne der Gastgeber? Und wer wird eigentlich Weltmeister? Haben Gianni Infantino und Donald Trump das schon festgelegt? Es ist zum Heulen!

6 Jul 2026

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Andreas Rüttenauer

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