taz.de -- Sicherheitsgipfel bei der Bahn: „In letzter Zeit werde ich sehr viel häufiger angespuckt“

Für Schaffnerinnen und Kontrolleure wird der ganz normale Arbeitstag immer gefährlicher. Am Freitag veranstaltet der Bahn-Konzern einen Sicherheitsgipfel.

Bild: Mehr Personal für Sicherheit in Zügen könnte das Bahnpersonal besser schützen

dpa | Für Ralf Hohn sind die Schienen im Norden sein Zuhause. Als Kundenbetreuer im Nahverkehr begleitet er die Regionalbahn durch Schleswig-Holstein und Hamburg. Nach 25 Jahren im Dienst stellt er fest: Die Passagiere sind deutlich aggressiver geworden – und das beschränkt sich nicht auf Beleidigungen. „Dass ich angespuckt werde, ist sehr viel schlimmer und auch sehr viel häufiger in letzter Zeit“, sagt er.

Manche Menschen kümmere es wenig, wann der Zug fahre, so Hohn. Wolle man sie jedoch aus dem Zug bitten, weil sie keine Fahrkarte haben, reagierten sie oft schnell aggressiv. Einen gewaltsamen Übergriff habe er selbst bisher aber nicht erlebt.

Hohn trägt zur Sicherheit eine Bodycam und einen Notfallknopf bei sich, der direkt bei der Leitstelle der Polizei Alarm schlagen würde. „Weil ich denke, wenn ich mal angegriffen werde, dass das Ganze besser ist, wenn ich auch eine Videoauswertung habe“, sagt er. Auch Tierabwehrspray habe er dabei. Ob er bei einem Vorfall an das ganze Equipment denken würde, das könne er bisher nicht sagen. Zumal er einen [1][potenziellen Angreifer ausdrücklich darauf hinweisen müsse, wenn er eine Aufnahme starte].

„Die Aufnahmen können wir uns als solches nicht noch mal angucken“, sagte er. Die würden am Ende durch die Bundespolizei abgerufen und ausgewertet werden. „Wir kommen selber an die Aufnahme nicht ran“, betont Hohn.

Sicherheitsgipfel der Bahn

Die Deutsche Bahn meldete im vergangenen Jahr über 3.000 Angriffe auf ihre Mitarbeitenden. Etwa die Hälfte davon traf Kundebetreuer im Nahverkehr. Seit 2024 tragen diese freiwillig Bodycams – derzeit nutzen bundesweit rund 1.400 Schaffner die Kameras.

Am Freitag lädt die Deutsche Bahn zudem zu einem Sicherheitsgipfel in Berlin ein. Anlass war ein [2][Angriff in einem Regionalzug] zwischen Landstuhl und Homburg im Saarland: Nach einer Ticketkontrolle hatte ein Fahrgast einen 36-jährigen Zugbegleiter mit Faustschlägen gegen den Kopf so schwer verletzt, dass dieser wenige Tage später starb. Der Fall löste bundesweit Entsetzen aus.

Die Stimmung unter den Mitarbeitenden hat sich laut Hohn seit der Tat nicht geändert. „Die Stimmung unter den Kollegen ist gut – je nachdem, wie sehr uns die Fahrgäste an dem Tag geärgert haben oder eben nicht“, sagte er. Allerdings würden Mitfahrende sie auf den Vorfall ansprechen.

Auch Passagiere können helfen

Auch Passagiere könnten den Schaffnern in Notsituationen helfen, betonte Hohn. Wenn dem Zugpersonal irgendwo etwas passiere, könne man als Reisender zu den Notrufsprechstellen im Waggon gehen und dem Triebfahrzeugführer Bescheid geben.

Zudem könnten Fahrgäste dem Schaffner oder der Schaffnerin beistehen, einfach nur, indem sie Präsenz zeigen. „Umso mehr Leute um mich herumstehen, umso weniger Stress habe ich mit dem, der dort gerade sitzt beziehungsweise mich angreifen möchte.“

12 Feb 2026

[1] https://taz.de/Bahn-filmt-Reisende/!5849878&s=bodycam%2Bbahn/

[2] /Nach-Angriff-auf-Zugbegleiter/!6153632

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