taz.de -- Nach Cyber-Angriff von KI: Horror-Szenarien sind gut für die Branche

Eine KI von OpenAI startet einen Cyberangriff – und hackt eine Software-Plattform. Der Fall zeigt etwas anderes, als es auf den ersten Blick scheint.

Bild: Hoffentlich nur Kabelsalat in einem Rechenzentrum

Nachrichten aus der [1][KI]-Branche kommen meist in einer von zwei Geschmacksrichtungen daher. Entweder fluffig und marshmallowsüß: Virtuelle KI-Helfer, vom knuffigen Koala in Australien bis zur thailändischen Kunstfigur Tatai, unterstützen bei der Urlaubsplanung. Sie kennen Nahverkehrspläne, sehenswerte Orte, lokale Gepflogenheiten und helfen in Dutzenden Sprachen ratsuchenden Tourist:innen. Der Gegenpol zum Marshmallowsüßen ist die Geschmacksrichtung Thriller: KI gelangt bei Testlauf eigenmächtig ins Internet und startet dort eine Cyberattacke.

Das mit dem aus dem Ruder gelaufenen Test ist gerade passiert, das verantwortliche Unternehmen OpenAI hat es [2][selbst öffentlich gemacht]. Glücklicherweise war das Ziel des Angriffs kein Krankenhaus oder ein Energieversorger, sondern die Software-Plattform Hugging Face. Und die Fehlfunktion wurde schnell erkannt und der Testlauf gestoppt.

Weltuntergang also gerade noch abgewendet? Das wäre eine Erzählung, die den KI-Unternehmen zupasskäme. Denn die haben ein Interesse daran, ihre Technologie als möglichst mächtig darzustellen. So sammelt man Investor:innengelder ein – und hält die Politik davon ab, sich der nötigen, aber eher kleinteiligen Regulierung zu widmen, etwa Fragen zu Urheberrecht, Trainingsmaterial und Datenschutz.

Dass OpenAI den Vorfall selbst publik macht, ist also einerseits begrüßenswerte Transparenz. Dahinter stecken könnte aber ebenso gut eine PR-Nummer: Schaut mal, wie mächtig und fähig unsere Entwicklungen sind. Das Timing würde auch passen. Schließlich hat in letzter Zeit eher OpenAI-Konkurrent Anthropic Schlagzeilen gemacht mit besonders leistungsfähigen Modellen.

Ernst nehmen muss man das Ganze natürlich trotzdem, wie immer, wenn es um IT-Sicherheit geht. Was ist kritische Infrastruktur, wie kann sie geschützt werden, was muss tatsächlich am Internet hängen, was nicht? Fragen, die vielleicht dröge wirken. Aber wichtig sind, wenn der Thriller nicht über die ersten Seiten hinauskommen soll.

22 Jul 2026

[1] /Schwerpunkt-Kuenstliche-Intelligenz/!t5924174

[2] https://openai.com/index/hugging-face-model-evaluation-security-incident/

AUTOREN

Svenja Bergt

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Schwerpunkt Künstliche Intelligenz

Digitalisierung

IT-Sicherheit

Cyberattacke

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