taz.de -- Sperrung der KI-Modelle von Anthropic: Eine Warnung mit gutem Timing

Die US-Regierung will Aus­län­de­r:in­nen von leistungsfähiger KI aussperren. In Europa sollte man das sehr ernst nehmen.

Bild: Anthropic: das US-amerikanische Unternehmen für KI-Sicherheit und -Forschung

Es ist eine Entscheidung, die Europa zu denken geben sollte: Die US-Regierung hat das [1][kalifornische KI-Unternehmen Anthropic] angewiesen, seine leistungsstarken Modelle „Fable 5“ und „Mythos 5“ für ausländische Nutzende und Mitarbeiter:innen aus Gründen der nationalen Sicherheit zu sperren. Anthropic argumentierte, es könne bei den Nutzer:innen nicht zwischen in- und ausländisch unterscheiden – und sperrte am Wochenende den Zugang für alle.

Zwar hat das auf Europa auf den ersten Blick erst einmal keine größeren unmittelbaren Auswirkungen. Die entsprechenden Modelle waren bislang ohnehin nur kurz und eingeschränkt verfügbar. Doch das ist kein Grund, den Fall zu unterschätzen. Denn er zeigt, wie schnell die US-Regierung bereit ist, Software für ausländische Akteure zu blockieren. Die beiden Modelle gelten als besonders leistungsfähig, gerade was das Auffinden von [2][Schwachstellen in Software und damit Cyberangriffe] angeht. Wie viel von diesem Ruf Hype ist und wie viel Wahrheit, ist allerdings nicht so ganz klar, was den Fall nicht einfacher macht.

Die Anordnung der US-Regierung sollte in Deutschland und Europa also vor allem all jene nachdenklich machen, die immer noch der Ansicht sind, man könne Produkte von US-Tech-Konzernen wie Microsoft, Google, Amazon oder auch [3][Palantir bedenkenlos einsetzen]. Daher hat die Entscheidung aus europäischer Sicht einen Vorteil: Das Timing ist optimal. Denn welches Unternehmen, welche Behörde in Europa könnte sich jetzt ruhigen Gewissens bei der Einführung eines KI-Modells für eines aus den USA entscheiden? Wenn unklar ist, ob der Dienst morgen oder nächste Woche überhaupt noch verfügbar sein wird?

Wobei KI-Modelle für das Funktionieren einer Firma, Organisation oder Verwaltung in den seltensten Fällen kritisch sind – noch. Bei Betriebssystemen oder Cloud-Diensten sieht das schon anders aus, und eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich auch für KI ab. Zeit also, vorzusorgen. Und nicht zu hoffen, dass diese Sperre die letzte sein wird.

15 Jun 2026

[1] /Kuenstliche-Intelligenz/!6186606

[2] /IT-Berater-ueber-Sicherheit-im-Netz/!5983306

[3] /Einsatz-von-Palantir-in-Deutschland-Fast-alle-Bundeslaender-sind-dagegen-ein-Grund-zur-Entwarnung/!6186360

AUTOREN

Svenja Bergt

TAGS

Schwerpunkt Künstliche Intelligenz

Digitalisierung

Schwerpunkt USA unter Trump

Reden wir darüber

ARTIKEL ZUM THEMA

Nach Cyber-Angriff von KI: Horror-Szenarien sind gut für die Branche

Eine KI von OpenAI startet einen Cyberangriff – und hackt eine Software-Plattform. Der Fall zeigt etwas anderes, als es auf den ersten Blick scheint.

Anthropic und die US-Regierung: Mit dem Weltuntergang Geschäfte machen

Die neuen Chatbots der KI-Firma Anthropic sind vielleicht doch nicht so gefährlich, wie sie selbst und die US-Regierung behaupten. Warum werden sie dann gesperrt?

Anthropic: Anthropos, Ethos, Pathos

Anthropic gibt sich als Gewissen der KI-Branche. Ein Blick auf die Geschäfte des Unternehmens zeigt, wie weit Anspruch und Praxis auseinanderliegen.

Sperrung von KI-Sprachmodellen: Im Biergarten mit der Superintelligenz

KI ist ein mächtiges Werkzeug – und wird zum Sicherheitsrisiko werden. Doch warum warnt die US-Firma Anthropic vor ihrem eigenen Chatbot?

Ressourcenhunger von KI: Auf Kosten der Umwelt

Europa will beim Ausbau von Rechenzentren aufholen. Kritiker befürchten, dass dabei Klima- und Effizienzziele in den Hintergrund geraten.

Entwickler von Chatbot Claude: KI-Unternehmen Anthropic will an die Börse

2026 nimmt als Jahr der Mega-Börsengänge Gestalt an. Nach Elon Musks SpaceX macht jetzt der OpenAI-Konkurrent den Schritt zur Aktienplatzierung.

Medizinische Forschung: KI könnte viele Labortiere ersetzen

Eine neue Anwendung von KI könnte die Zahl der Tierversuche deutlich verringern. Über 30 Prozent weniger Mäuse könnten dann für Experimente nötig sein.

Proxied content from gemini://taz.de/%216187188 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%216187188
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.