taz.de -- Fall Fernandes und Ulmen: Der Zorro für Männer

Christian Ulmen hat sich den bekannten Medienanwalt Christian Schertz an seine Seite geholt. Schertz vertrat auch Rammstein-Frontmann Lindemann. Geht’s noch?

Bild: Der Anwalt Dr. Christian Schertz bei einer Veranstaltung 2025

Kein Witz, ich bin’s. Steffen war so nett, seinen Platz für mich zu räumen, denn ich hab so Jucken. So deep Reality-Jucken.

Wenn ich die Fälle, in denen prominenten Männern – nennen wir es mal zärtlich – übergriffiges Verhalten vorgeworfen wird, richtig im Kopf habe, meldet sich nach ersten Medienberichten ein Anwalt für Presserecht und versucht mit allen möglichen Mitteln weitere Berichterstattung zu verhindern. Das ist oft Dr. Christian Schertz. Er ist so eine Art Zorro für Männer, und sein Tun bleibt nicht ohne Wirkung.

Wie im Fall Till Lindemann von Rammstein wird die Berichterstattung weniger und weniger, die Stimmen leiser und leiser, weil die Eventualität, mit kostenintensiven und nervenaufreibenden Prozessen und Schadensersatzforderungen überzogen zu werden, abschreckt. Vor allem die Frauen, die die Männer der Übergriffe bezichtigen und die oft weder Geld noch Machtapparat noch Öffentlichkeit hinter sich haben.

Und nun [1][Christian Ulmen]. Der von seiner Ex-Frau Collien Fernandes bezichtigt wird, [2][gefälschte Pornofilme und -fotos von ihr verbreitet] und in ihrem Namen Social-Media-Accounts betrieben und mit Männern Sex-Talks geführt zu haben. [3][Der Spiegel veröffentlichte dies.]

Gibt es unwahre Tatsachen?

Ulmen dementiert nicht, zeigt Fernandes nicht wegen Verleumdung an, sondern schickt Dr. Schertz ins Feld, um weitere Berichterstattung vor dem Hintergrund zu untersagen, die Darstellung sei einseitig.

Geiles Ding! Christian Ulmen lehnt die Aufforderung des Spiegels, sich zu äußern, ab, und sein Anwalt sagt: „Geht nicht, zu einseitig!“?!? Und argumentiert zudem, der Spiegel veröffentliche „unwahre Tatsachen aufgrund einseitiger Schilderung“. Das hätte ich gern mal erklärt. Schließlich ist eine Tatsache ein Umstand, eine Gegebenheit. Sie kann nicht „unwahr“ sein.

Wäre sie nicht wahr, wäre sie keine Tatsache, sondern eine Behauptung, eine Annahme, eine Mutmaßung, eine Lüge. Kann es sein, dass der Rächer der vermeintlich Entehrten eine „Tatsachenbehauptung“ meint? Aber wieso schlampt er? Warum ist er so unpräzise?

Bros helfen sich

Oder bin ich zu doof? Hätte ich mal lieber Jura studieren sollen, um da mitreden zu können? Und um vor allem zu verstehen, wie es sein kann, dass ständig prominente Männer, denen sexuelle Übergriffe vorgeworfen werden und die sich Schertz und seiner Kanzlei anvertrauen, unbeschadet davonkommen, während die Frauen am Ende als unglaubwürdig gelten und ihre Reputation dahin ist?

Aber klar, Ulmen ist ein Mann. Also eilt ein anderer Mann ihm zu Hilfe, um das Gegenüber mundtot machen. So machen das Bros. Weil sie es können. Es heißt, die Scham müsse die Seite wechseln. Es wäre schön, wenn sie auch in den Anwaltskanzleien ankäme.

23 Mar 2026

[1] /Fall-Fernandes-und-Ulmen/!6164768

[2] /Pornografische-Deep-Fakes/!6164415

[3] https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/collien-fernandes-erstattet-anzeige-gegen-ex-mann-christian-ulmen-a-6abfb991-1665-4469-9c8e-3cc5a2cb4f29

AUTOREN

Silke Burmester

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Christian Ulmen

Digitale Gewalt

Kolumne Flimmern und Rauschen

Sexualisierte Gewalt

Schwerpunkt #metoo

Collien Fernandes

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