taz.de -- Longlist des Deutschen Buchpreises: Ausschlag nach Osten
Die Longlist des Deutschen Buchpreises ist da. Das Spektrum reicht von assoziationsreicher Materialentblätterung bis zur Jahrhunderterzählung.
Bild: Die Kompassnadel nach Osten gerichtet: Dmitrij Kapitelmans „Russische Spezialitäten“ ist auf der Longlist des Deutschen Buchpreises
Es ist eine durchaus vielfältige Liste, die die Jury des Deutschen Buchpreises in diesem Jahr zusammengestellt hat. Die nominierten Autor:innen (12 Frauen und 8 Männer) schneiden in ihrem Schreiben grundsätzliche, grundmenschliche Themen an, Liebe und Verlust etwa, Erinnerung, Krankheit.
Stilistisch reicht das Spektrum von assoziationsreicher Materialentblätterung [1][(Dorothee Elmiger: „Die Holländerinnen“)] über hauptsatzstarke Coming-of-Age-Prosa (Fiona Sironic: „Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft“) bis zur Jahrhunderterzählung, die in ein einziges Leben passt [2][(Annett Gröschner: „Schwebende Lasten“).]
Müsste man eine Richtung benennen, der das Gros der Romane zuneigt, so schlüge die Kompassnadel nach Osten aus. Reisen nach Kyjiw werden trotz Kriegsgefahr unternommen (Dmitrij Kapitelman: „Russische Spezialitäten“), die Folgen des Kosovokriegs untersucht (Jehona Kicaj: „ë“), aber auch ferner reicht der Blick: Ein toter Vater lässt den Sohn in Richtung Türkei aufbrechen (Feridun Zaimoglu: „Sohn ohne Vater“), die Ermordung von Jina Mahsa Amini ruft Erinnerungen an die Proteste während der Grünen Bewegung 2009 in Iran wach (Jina Khayyer: „Im Herzen der Katze“).
20 von 229 Titeln in der Auswahl
Von einer „wackligen Wirklichkeit“, die sich in der Auswahl der Titel spiegele, spricht Jurysprecherin Laura de Weck.,,Sprachgestaltung, Erzählverhalten und die beängstigende Gegenwart“ habe die Jury in der Debatte geleitet. Neben de Weck gehören der Jury Maria Carolina Foi (Universität Triest), Jürgen Kaube (FAZ), Friedhelm Marx (Universität Bamberg), Kathrin Matern (Frau Rilke Buchladen, Neustrelitz), Lara Sielmann (dlf Kultur) und Shirin Sojitrawalla (freie Kritikerin) an.
229 Titel sichtete die Jury in diesem Jahr, von denen es 20 auf die Longlist geschafft haben. Die Shortlist wird am 15. September veröffentlicht, der Preis verliehen am 13. Oktober zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse. Neben Sironic, Khayyer und Kicaj sind mit Kathrin Bach („Lebensversicherung“), Lena Schätte („Das Schwarz an den Händen meines Vaters“) und Lina Schwenk („Blinde Geister“) sechs Romandebüts nominiert.
Des Weiteren auf der Longlist stehen Marko Dinić: „Buch der Gesichter“, Nava Ebrahimi: „Und Federn überall“, Kaleb Erdmann: „Die Ausweichschule“, Michael Köhlmeier: „Die Verdorbenen“, Jonas Lüscher: „Verzauberte Vorbestimmung“, [3][Thomas Melle: „Haus zur Sonne“], Jacinta Nandi: „Single Mom Supper Club“, Gesa Olkusz: „Die Sprache meines Bruders“, Peter Wawerzinek: „Rom sehen und nicht sterben“ und [4][Christine Wunnicke: „Wachs“.]
19 Aug 2025
LINKS
[1] /Neuer-Roman-von-Dorothee-Elmiger/!6103400
[2] /Die-Autorin-Annett-Groeschner-im-Gespraech/!6074427
[3]
[4] /Historienroman-von-Christine-Wunnicke/!6081461
AUTOREN
Julia Hubernagel
Longlist
Deutscher Buchpreis
Jury
Schwerpunkt Frankfurter Buchmesse
Debütroman
Social-Auswahl
GNS
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