taz.de -- Klimakrise in Europa: Macht kaputt, was euch die Zukunft nimmt

Das Katastrophenwetter ist direkte Folge eines Wirtschaftssystems, das ewig wachsen soll. Ein lebenswertes Morgen für alle geht nur mit Systemwandel.

Bild: In Leipzig musste der Strassenbahnbetrieb wegen Schäden am Gleisnetz eingestellt werden

In Paris sind die Leichenhallen überfüllt wegen der vielen Hitzetoten, in Amsterdam hagelt es Golfball-große Eisbälle, in [1][Leipzig schmelzen Tramtrassen und Ampeln weg]. Während Rechte krampfhaft und wider aller Evidenz darauf beharren, dass es sich bei der jüngsten Hitzewelle nur um Spitzenwetter handelt, tritt immerhin bei anderen gerade das bittere Erwachen ein. Die Forschung hatte wirklich Recht und es trifft auch uns, die wir im Vergleich zum Rest der Welt so lange verschont blieben, und zwar jedes Jahr schlimmer.

„Bitte klebt euch wieder auf die Straße“ bettelt die Influencerin Roaya Soraya auf Instagram [2][in Richtung Neue-, vormals Letzte Generation:] „Ich war so sauer auf euch, aber ganz ehrlich, heute verstehe ich eure Mission.“ Guten Morgen.

Wenn auch enttäuschend spät, ist dieses Erwachen eine Chance. Nur nützt es wenig, wenn daraus nichts folgt als Forderungen nach klimafreundlichen Reformen eines Wirtschaftssystems, das für den Klimawandel verantwortlich ist. Auch dem letzten Grünen muss endlich klar werden: Der Kapitalismus, der kurzfristige Profitmaximierung über planetare und moralische Grenzen stellt, wird nicht den nötigen Wandel hervorbringen. Weil dieser Wandel nicht genug Rendite bringt.

Selbst die [3][wenigen und unzureichenden Klimamaßnahmen], die Reformer erreichen konnten, sind in den vergangenen Jahren dem Streben nach Wirtschaftswachstum zum Opfer gefallen. Und auch, wenn die Grünen wieder an die Macht kämen, würde das, was sie gegen die Industrie erreichen würden, nicht ausreichen, um das Ruder herumzureißen.

Diejenigen, [4][die von diesem Wirtschaftssystem am meisten profitieren], können sich vor seinen Folgen am besten schützen – heute in klimatisierten Luxusanwesen, später in Hochsicherheits-Luxusbunkeranlagen. Deshalb lassen sie weiter ihre Autos, Panzer und KI-Datenzentren bauen, um noch das letzte bisschen Profit aus dem herauszuquetschen, was der Planet und seine lohnabhängigen Bewohner noch geben können.

Für uns anderen bleiben zwei Optionen: Hinnehmen, dass sie uns die Zukunft rauben oder das System kaputt machen, das es ihnen ermöglicht.

29 Jun 2026

[1] /-Hitzewelle-in-Deutschland-/!6191680

[2] https://www.instagram.com/reel/DaIR0w8tWQ3/?igsh=bXJvbTIzYW5ibjk4

[3] /Klimaschutz-in-Deutschland/!6179721

[4] /CO2-Fussabdruck-von-Milliardaerinnen/!6042595

AUTOREN

Pauline Jäckels

TAGS

Letzte Generation

Neue Generation

Antikapitalismus

Grüner Kapitalismus

Sozialismus

Kapitalismus

Wachstum

Schwerpunkt Klimawandel

Reden wir darüber

GNS

Hitze

ARTIKEL ZUM THEMA

Klimaprotest in Österreich: „Zukunft wäre schon geil“

In Wien und sechs weiteren österreichischen Städten protestieren Tausende für mehr Klimaschutz. Die Regierung bremst derweil die Spritpreise.

Wahl in Sachsen-Anhalt: Die Alternative zur AfD heißt Sozialismus

Wer die AfD besiegen will, muss eine wirkliche Alternative zum Kapitalismus anbieten. Ein anderes Wirtschaftssystem ist nicht nur möglich – sondern nötig.

5 Jahre Ahrtal-Katastrophe: „Ursachen der Flut sollten nicht in Vergessenheit geraten“

Der Klimastammtisch Ahr informiert über die Auswirkungen des Klimawandels in der Region, nachhaltiges Leben und einen klimafreundlichen Wiederaufbau.

Überlebende der Flutkatastrophe 2021: „Unser größtes Problem war nicht der Extremregen“

Cornelia Chemnitz hat die Flutkatastrophe 2021 im Ahrtal miterlebt. Heute bekämpft sie die Ursachen mit überraschenden Maßnahmen.

Die Hitzeaufmerksamkeit: Wenn's mild ist, gibt es keinen Klimawandel mehr

Weil Europa abkühlt, ist die Hitzewelle vergessen. Diskurs über die Klimakrise muss aber immer stattfinden – auch damit man ihre Ursache bekämpfen kann.

Social-Media-Reaktionen zur Hitzewelle: Klimakleber gesucht!

Nach der Hitzewelle fragt sich das Internet, wo die „Letzte Generation“ bleibt. Anders als die Klimakrise wurden die Ak­ti­vis­t*in­nen aber bekämpft.

Unterstützung für Klimaschutz: Mehrheit will, dass Industrie für Klimaverschmutzung zahlt

Eine knappe Mehrheit der Deutschen unterstützt den europäischen CO2-Preis für die Industrie. In Brüssel wird derweil fleißig dagegen lobbyiert.

Hitzerekorde und Verhalten der Politik: Fast schon unterlassene Hilfeleistung

Statt in den Hitzeschutz zu investieren, tun Politik und Wirtschaft so, als seien heiße Tage die Ausnahme der Regel. Dabei sind sie das neue Normal.

Studie zur extremen Hitze: Ohne Klimawandel wäre das unmöglich

Fossile Energienutzung hat die aktuelle Hitzewellen in Europa massiv verschlimmert, zeigt eine Untersuchung. Der Zusammenhang sei „eindeutig“.

Finanzierung von Öl und Gas: Fossile Investitionen bis ins nächste Jahrhundert

Vermögensverwalter und Staatsfonds investieren weltweit 6,5 Billionen Dollar in Kohle, Gas und Öl. In Europa führt Norwegens Staatsfonds das Ranking an.

Proxied content from gemini://taz.de/Klimakrise-in-Europa-Eine-lebenswerte-Zukunft-fuer-alle-geht-nur-mit-Systemwechsel/%216191827 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/Klimakrise-in-Europa-Eine-lebenswerte-Zukunft-fuer-alle-geht-nur-mit-Systemwechsel/%216191827
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.