taz.de -- Klimaschutz in Deutschland: Die Regierung schützt die Bür­ge­r*in­nen nicht

Schwarz-Rot überschätzt die Wirkung der geplanten Klimamaßnahmen deutlich. Von den geplanten Antiklimamaßnahmen ganz zu schweigen.

Bild: Sagt jetzt seiner Rolle gemäß, er nehme die Warnungen ernst: Bundesumweltminister Carsten Schneider, hier im Juli 2025 bei Greifswald

Schwarz-Rot tut nicht genug, um uns vor der Klimakrise zu schützen. Das zeigt das aktuelle Gutachten des [1][Expertenrats für Klimafragen], der die Regierung berät. Diese überschätzt laut Bericht in ihren Berechnungen die Wirkung ihrer ohnehin spärlichen Öko-Maßnahmen deutlich.

Leider ist nicht davon auszugehen, dass das Merz und sein Kabinett interessiert. Umweltminister Carsten Schneider (SPD) sagt jetzt natürlich seiner Rolle gemäß, er nehme die Warnungen ernst. Die vom Expertenrat offengelegten Unsicherheiten sind aber doch eher kein Versehen, sondern eine bewusste Schönrechnerei der geplanten Antiklimapolitik.

Ende März stellte die Bundesregierung stolz ihr [2][Klimaschutzprogramm mit der dazugehörigen CO₂-Bilanz] vor. Angeblich würden die Klimaziele sogar übererfüllt, hieß es. Dabei war da schon längst klar, dass die Regierung beispielsweise das Heizungsgesetz für eine klimafreundliche Wärmewende kippen will – nur rechnete sie das dreist nicht ein. Formal mag es in Ordnung sein, noch nicht vollständig abgeschlossene Reformen auszulassen. Ernsthaftes Interesse an einer ehrlichen Klimabilanz der eigenen Politik sieht aber anders aus.

Seitdem hat die Regierung ihre Klima-Horrorshow detailverliebt weiter inszeniert. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will die Energiewende auf alle möglichen Arten absägen und verlangsamen. Die klimaschädliche [3][Reform des Heizungsgesetzes] gedeiht prächtig. Der gerade vom Kabinett beschlossene Entwurf bringt es fertig, nicht mal auf dem Papier auf einen klimaneutralen Heizungsbestand hinauszulaufen.

Aktuell steht die Energiewende weltweit hoch im Kurs, weil sie unabhängig macht von Öl- und Gasimporten sowie damit verbundenen Preisschocks. Die Bundesregierung hat offenbar wenig Interesse, ihre Bürger*innen von der Dynamik profitieren zu lassen und macht lieber [4][Klientelpolitik für ihre fossilen Buddys]. Für die Mehrheit der Menschen ist das von Nachteil. Sie hat das Recht darauf, von ihrer Regierung vor der eskalierenden Klimakrise geschützt zu werden.

18 May 2026

[1] /Fragwuerdige-Besetzung/!6103220

[2] /Klimaschutzprogramm-der-Bundesregierung-Ein-Plan-gegen-die-eigene-Politik/!6165698

[3] /Reform-des-Heizungsgesetzes/!6176810

[4] /Zurueck-ins-fossile-Zeitalter/!6173295

AUTOREN

Susanne Schwarz

TAGS

Reden wir darüber

Schwerpunkt Klimawandel

Globale Erwärmung

Energiewende

Bundesregierung

Katherina Reiche

Social-Auswahl

ARTIKEL ZUM THEMA

Klimakonferenz in Bonn: Auf Anti-Klima-Kurs

Seit diesem Montag laufen in Bonn die Klimaverhandlungen der Vereinten Nationen. Der Umweltminister beschönigt die deutschen Klimabemühungen schamlos.

Transformation und Stromnetze: Eine Frage der Energiesouveränität

Dass Wind- und Solaranlagen überproduzieren, gehört zur Transformation. Anstatt zu viele Netze auszubauen, ist die Spitzenkappung ökonomisch sinnvoll.

Kabinett beschließt neue Heizungsregeln: Reform ohne Freunde

Die Pläne von Union und SPD für eine radikale Entkernung des „Heizungsgesetzes“ stoßen auf Unmut – auch von unerwarteter Seite.

Zurück ins fossile Zeitalter: Reiches Rückwärtsrolle muss stoppen

Die SPD darf sich der Lobbyministerin Katherina Reiche nicht beugen. Sie muss ihr grünes Erbe, das Erneuerbare-Energien-Gesetz, weiter verteidigen.

Energiekrise und Krisenvorsorge: Die Regierung lässt die Dinge einfach laufen

Statt die Bür­ge­r:in­nen tatsächlich zu entlasten, betreibt die Koalition Klientelpolitik. Die ist dazu noch unökologisch.

Proxied content from gemini://taz.de/Klimaschutz-in-Deutschland/%216179721 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/Klimaschutz-in-Deutschland/%216179721
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.