taz.de -- Karneval in Köln: „Ich würde mir wünschen, dass alle Clown werden“
Februar ist Närr*innenzeit. Karnevalsexpertin Ursula Machnik alias Ursel über die Kostümtrends der Saison und Survival-Tipps für Einsteiger*innen.
Bild: Ursula Machnik, 28, ist Kölnerin und beschäftigt sich auf ihrem Instagramkanal @studio_ursel mit DIY-Kostümen und Nähprojekten
taz: Ursel, du bist auf [1][Instagram] bekannt für deine ausgefallenen DIY-Kostüme, ob Zollstock, Großmutter oder Mayonnaisetube. Bist du Kölns Karneval-Influencerin?
Ursel: „Kölnfluencerin“ passt besser. Rund um Karneval mache ich auf meiner Instagramseite viel, klar. Aber angefangen hat alles mit Kostümen, Nähen und dem Gedanken: Man muss sich nicht alles aus Plastik neu kaufen. Warum ein weißes Kostüm kaufen, wenn man ein weißes T-Shirt hat? Daraus ist das entstanden.
taz: Warum ist es cool, [2][Karneval zu feiern]?
Ursel: Karneval liegt in einer Zeit, in der alles grau, kalt und dunkel ist. Weihnachten mit diesem Gemeinschaftsgefühl ist vorbei, der Sommer noch weit weg. Und dann kommt Karneval, und plötzlich ist man wieder zusammen. Wenn man [3][in Köln an Karneval] rausgeht, spricht man irgendwen an, und es ist, als würde man die Person schon kennen. Dieses Gemeinschaftsgefühl ist total schön. Ich war die letzten Jahre sonst kaum feiern. Aber an Karneval gehe ich jeden Tag tanzen, und nach fünf Tagen hat man trotzdem noch nicht genug von denselben Karnevalsliedern.
taz: Überall bieten Läden gerade Karnevalskostüme an. Du nähst und bastelst lieber selbst. Woher kommt deine Inspiration?
Ursel: Die gekauften Kostüme haben oft ein paar Symbole oder Aufnäher drauf, und das war’s. Wenn ich als Kind Pirat sein wollte, dann gab es schwarzen Stoff mit Totenköpfen drauf. Aber ich wollte aussehen, wie eine richtiger Pirat aus den Filmen mit weißem Hemd und langem Mantel, und das geht viel einfacher mit den Klamotten, die man zu Hause hat. Außerdem mag ich weite Sachen, in denen ich gut tanzen kann und nicht ständig darauf achten muss, ob etwas rutscht oder zu kurz ist. Manchmal trage ich einfach ein Hemd und eine Schlafanzughose und bin dann Clown. Das ist eher mein Stil.
taz: Warum braucht man eigentlich mehrere Kostüme?
Ursel: Weil man stinkt. Hallo? Wenn man viel tanzt und schwitzt, will man das doch am nächsten Tag nicht noch mal anziehen. Wenn man einmal anfängt, Kostüme selbst zu machen, die aus guten Sachen bestehen oder aus Kleidung, die man eh schon hat, gehen sie nicht nach einer Saison kaputt. Dann sammelt sich über die Jahre einiges an. Und natürlich hat man jedes Jahr Lust auf etwas Neues.
taz: Was trägst du dieses Jahr?
Ursel: Meine drei Freundinnen und ich sind dieses Jahr fast alle Tage zusammen da. Wir hören online immer gemeinsam „Die drei ???“, also haben wir uns davon inspirieren lassen. Ich mache mein eigenes Ding und werde Blacky, der Vogel aus der Zentrale. Die anderen gehen als die drei Fragezeichen und haben ein selbst gebasteltes Fragezeichen auf dem Kopf. Das ist super easy. Und an einem Tag, an dem eine fehlt, bin ich dann Bob. Außerdem habe ich noch meinen Gaukler im Zirkuszelt.
taz: Was sind deine Beobachtungen: Was werden die Trends dieses Jahr?
Ursel: Ich würde mir natürlich wünschen, dass alle Clown werden. Aber ich glaube, das Trash-TV-Meme „Königin der Schmetterlinge“ könnte öfter auftauchen. Und wahrscheinlich mehr Partner- oder Gruppenkostüme, die auch einzeln funktionieren: Löffel und Gabel, Blume und Biene. Solche Ergänzungen. Vor ein paar Jahren waren Figuren [4][aus der Serie „Die Discounter“] total in. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass jetzt alle „Stranger Things“-Charaktere werden. Vielleicht gehen Leute auch als die Grasbüschel [5][aus Bad Bunnys Halftime-Show beim Super Bowl].
taz: Für alle, die noch nie Karneval gefeiert haben: Was sind deine Survival-Tipps?
Ursel: Lasst euch von einer Person, die sich auskennt, eine Playlist erstellen und übt schon mal Texte. Achtung: Schlager gehören nicht in die Playlist, nur kölsche Musik. Vor Ort schaut ihr, welche Kneipe in eurer Nähe offen hat, und geht einfach hin! Überall in Köln ist Party. Schaut auch gern bei den kleineren Zügen vorbei. Und: Auf jeden Kranz Kölsch kommt ein Kranz Wasser, so haltet ihr den ganzen Tag durch.
15 Feb 2026
LINKS
[1] https://www.instagram.com/studio_ursel/
[2] /Ein-Jeck-ueber-Gram-und-Frohsinn/!6142325
[3] /Koelner-Karnevalsvereine/!6112611
[4] /Die-Discounter-Serie/!5973654
[5] /Werbung-beim-Super-Bowl/!6152192
AUTOREN
Anastasia Zejneli
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