taz.de -- Folgen der Klimakrise: Europa gefangen im Hitzedom

In weiten Teilen Europas überschlagen sich die Warnungen vor extremen Temperaturen. Um die 40 Grad sind in vielen Regionen möglich.

Bild: Kühle sich ab, wer kann: Hitzewelle in Frankreich, auch Paris ist betroffen

Von Polen bis Portugal gibt es eine massive Hitzewelle. Besonders im Süden und Westen Europas herrschen extreme Temperaturen um die 40 Grad.

In Frankreich erreicht die [1][Hitze] ein bisher ungekanntes Ausmaß. Für Dienstag rechnete die [2][französische Wetterbehörde Météo-France] mit Temperaturen von bis zu 44 Grad im Südwesten des Landes. Zum Dienstag hin wurde die heißeste Nacht überhaupt seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gemessen.

„Eine flächendeckende, anhaltende und intensive Hitzewelle erfasst derzeit Frankreich“, warnt Météo-France. „Die Hitze hat außergewöhnliche Werte erreicht und wird voraussichtlich mindestens bis Donnerstag anhalten. Für viele Départements gelten rote oder orange Hitzewarnungen.“

Für mehr als die Hälfte des Landes besteht bereits die höchste Hitzewarnstufe Rot, in zahlreichen weiteren Regionen die zweithöchste. Das hat neben gesundheitlichen Auswirkungen auch wirtschaftliche: Wegen der extremen Hitze hat etwa der [3][Kraftwerkbetreiber EDF das südfranzösische Atomkraftwerk Golfech heruntergefahren].

Was ist ein Hitzedom?

Expert*innen sprechen von einem Hitzedom. Das heißt: Eine besonders stark ausgeprägte Hochdruckzone bildet in der Atmosphäre eine Art Kuppel, die die Hitze über einem bestimmten Gebiet einschließt. Das wird durch den [4][Klimawandel] wahrscheinlicher. Erstens ist die Erde im Durchschnitt heißer geworden, zweitens bewegt sich das Starkwindband [5][Jetstream] durch die veränderten Temperaturunterschiede zwischen Arktis und Äquator langsamer und eiert. Dadurch bleiben Wetterlagen oft länger als früher an einem Ort, statt schnell weitergetrieben zu werden.

Auch für fast ganz Spanien gilt eine Hitzewarnung. Die spanische Wetterbehörde Aemet rief am Dienstag die höchste Alarmstufe Rot, die vor „ungewöhnlicher Gefahr“ wegen hoher Temperaturen warnt, für Gebiete rund um das südspanische Córdoba sowie im Norden des Landes für Bilbao und Teile der Region Kantabrien aus. Für das ebenfalls im Norden gelegene Baskenland wurden Temperaturen von bis zu 40 Grad im Schatten vorhergesagt.

Für weite Teile von Zentral- und Nordspanien wurde am Dienstag die zweithöchste Alarmstufe Orange bestätigt. Fast im gesamten Rest des Landes galt die Hitzewarnstufe Gelb. Nur für einige Küstengebiete wurde keine Warnung herausgegeben.

Fossile Brennstoffe heizen ein

Das italienische Gesundheitsministerium hat für 15 Städte, darunter Rom und Mailand, die höchste Hitzealarmstufe ausgerufen. Ab Mittwoch gelte die Alarmstufe Rot zudem für eine 16. Stadt, erklärte das Ministerium. Zu den damit verbundenen Empfehlungen gehört es, sich in den heißesten Stunden des Tages drinnen aufzuhalten, viel zu trinken und nur leichte Mahlzeiten zu sich zu nehmen.

Auch für Deutschland gelten Hitzewarnungen. Besonders im Westen und Südwesten des Landes ist und wird es extrem heiß.

[6][António Guterres], Generalsekretär der Vereinten Nationen, mahnte angesichts der Hitzewelle den schnellen Ausstieg aus der Nutzung fossiler Brennstoffe an. „Eine Klimakrise, die uns immer weiter in Richtung höherer Temperaturen und katastrophaler Kipppunkte treibt. Und eine Energiekrise, die die Torheit einer Welt offenbart, die von Kohlenwasserstoffen abhängig ist“, sagte der UN-Chef am Dienstag auf der London Climate Action Week. „Oberflächlich betrachtet scheinen diese Krisen voneinander getrennt zu sein. Doch sie haben denselben zerstörerischen Ursprung: fossile Brennstoffe.“

Auch Großbritannien bleibt nicht verschont von der extremen Wetterlage. Die Wetterbehörde Met Office erklärte für Mittwoch und Donnerstag für Gebiete in Südengland die höchste Hitzewarnstufe Rot. Es ist erst das zweite Mal überhaupt, dass das geschieht. Erstmals war die Warnung im Juli 2022 ausgerufen worden. Für weite Teile im Rest von England gilt die Alarmstufe Orange.

„Wir rechnen mit schwerwiegenden und erheblichen Auswirkungen dieser Hitzewelle“, sagte Mark Sidaway, stellvertretender Chefprognostiker des Met Office. „Gesundheitliche Auswirkungen für viele sind wahrscheinlich – sogar über diejenigen hinaus, die normalerweise anfälliger für die Hitze sind.“ (mit afp)

23 Jun 2026

[1] /Hitze/!t5035908

[2] https://meteofrance.com/

[3] /Hitzewelle-In-Griechenland-brennen-Waelder-in-Frankreich-laufen-die-AKWs-heiss/!6094690

[4] /Schwerpunkt-Klimawandel/!t5008262

[5] /Klimapolitik-nach-der-Bundestagswahl/!6072955

[6] /Antonio-Guterres/!t5346416

AUTOREN

Susanne Schwarz

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