taz.de -- Neuer Linken-Chef Luigi Pantisano: Irrlichtern im Grundsätzlichen

Der neue Linken-Chef Luigi Pantisano rückt die CDU in Nähe des Faschismus. Hält er diesen Kurs, wird er seine Partei in den Abgrund führen.

Bild: Luigi Pantisano (Die Linke), neuer Parteivorsitzender, rückt sich beim Bundesparteitag der Linken sein Jackett zurecht

Als die schwarz-rote Mehrheit bei der Rente wackelte, hat die Linksfraktion der Regierung mit ihrer Enthaltung geholfen. Als Merz bei der Kanzlerwahl durchfiel, ermöglichte die neue und ziemlich bunt zusammengewürfelte Fraktion Merz pragmatisch den zweiten Wahlgang. [1][In Sachsen und Thüringen stützt die Linkspartei faktisch die beiden sehr konservativen Ministerpräsidenten von der CDU.]

Und das ist richtig so. Die Gefahr von Rechts außen ist real – und erfordert politische Flexibilität. Dass die Linkspartei im Zweifel auch die bigotte CDU stützt, die sich feige an ihrer realitätsuntauglichen Gleichsetzung von AfD und Linkspartei festklammert, spricht für ihre undogmatische Hellsichtigkeit. Sie kann Feinde von Gegnern unterscheiden.

Oder muss man sagen: Konnte? Der neue Linkspartei-Chef Luigi Pantisano hat der Bild-Zeitung gesagt, dass es „letztlich keinen Unterschied zwischen der CDU gibt, die faschistische Politik macht, der AfD oder den Faschisten“. Man muss kein begabter Skeptiker sein, um zu begreifen, wer gewinnt, wenn sich Demokraten gegenseitig als Faschisten beschimpfen: die AfD.

Pantisanos Spruch sollte wohl das Drittel Radikale auf dem Linken-Parteitag für ihn einnehmen. Dass das Interview mit Bild irgendwie anders gemeint war, musste er dort als Erstes sehr umständlich erklären. Ohne Gegenkandidaten bekam er in der Folge nur knapp über 50 Prozent der Stimmen. Das ist ein historisch miserabler Start. Dass der neue Linken-Chef zwei Tage zuvor eine Zusammenarbeit mit der CDU in Ordnung fand, um der AfD die Macht zu versperren, macht nichts besser. Zu ernst sind die Zeiten für Irrlichtern im Grundsätzlichen.

Zwischen Aktivismus und Realpolitik

Hingebungsvoll debattierte die Linke auf ihrem Parteitag, mit welchen Worten man als deutscher Linker den Nahostkonflikt beschreiben sollte. Wichtiger für die Partei ist allerdings der ganz nahe Osten, wo im Herbst in Magdeburg und Schwerin die AfD nach der Macht greift. Genau hier nutzt [2][Pantisanos Radikalrhetorik jenen in der Ost-CDU, die lieber mit der AfD als mit der Linken zusammenarbeiten wollen.]

Bisher ist es der Linkspartei erstaunlicherweise gelungen, juvenilen Aufbruch und Aktivismus mit geerdeter Realpolitik zu verknüpfen. Heidi Reichinnek und auch Jan van Aken haben einen politischen Stil entwickelt, in dem beides Platz hat. Pantisanos Fehltritt zeigt den Abgrund, in dem die Linkspartei verschwinden kann, wenn sie auf Verbalradikalismus setzt.

21 Jun 2026

[1] https://dresden.t-online.de/region/dresden/id_101016682/sachsen-kretschmer-lobt-linke-fuer-konstruktive-zusammenarbeit.html

[2] https://www.tagesspiegel.de/politik/scharfe-cdu-kritik-nach-faschismus-vorwurf-damit-hat-sich-herr-pantisano-an-tag-1-komplett-disqualifiziert-15737356.html

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Stefan Reinecke

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