taz.de -- Angriff auf Mädchenschule im Iran: Recherchen deuten auf US-Bomben

Über 180 Menschen starben am ersten Kriegstag. Laut „New York Times“ könnten die USA verantwortlich sein. Die UN fordern Aufklärung.

Bild: Rettungskräfte und Anwohner durchsuchen die Trümmer nach einem Angriff auf eine Grundschule für Mädchen in Minab am 28. 2. 2026

Die [1][Bombardierung einer Mädchenschule] im Iran am ersten Kriegstag ist einem US-Bericht zufolge während US-Angriffen auf eine nahegelegene Militäranlage erfolgt. Eine Auswertung der New York Times von Satellitenbildern, verifizierten Videos und Beiträgen in den sozialen Medien habe ergeben, dass das Schulgebäude durch einen präzisen Schlag schwer beschädigt worden sei, der zeitgleich mit Angriffen auf einen angrenzenden Marinestützpunkt stattgefunden habe. Dieser werde von Irans Revolutionsgarden betrieben.

Auch [2][der britische Guardian hatte berichtet], dass nahe der Schule eine Anlage der Revolutionsgarden gelegen haben und Ziel eines US-amerikanischen Angriffs gewesen sein soll. Bei dem Angriff in Minab im Süden des Landes waren nach iranischen Angaben am Samstagmorgen mindestens 168 Schülerinnen im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren, 26 Lehrerinnen sowie vier Eltern ums Leben gekommen.

Offizielle Erklärungen, wonach US-Streitkräfte Marineziele nahe der Straße von Hormus angegriffen haben, wo sich der Stützpunkt befindet, „legen nahe, dass sie den Angriff höchstwahrscheinlich ausgeführt haben“, heißt es in der [3][Analyse der New York Times]. Sie legt sich in ihrem Bericht jedoch nicht fest, dass der Angriff tatsächlich von US-Streitkräften ausgeführt wurde. Die Regierung habe den Angriff weder dementiert noch bestätigt, hieß es weiter.

Hegseth kündigt Untersuchung an

Iran hatte zunächst Israel für den Angriff verantwortlich gemacht. Vertreter des israelischen Militärs hatten aber gesagt, ihnen seien keine Angriffe zu dem Zeitpunkt in der Region bekannt. Das UN-Menschenrechtsbüro hatte am Dienstag eine umfassende Untersuchung verlangt. Nach Angaben einer Sprecherin könne es sich um ein Kriegsverbrechen handeln. „Ein Angriff auf eine Schule stellt einen schwerwiegenden Angriff auf Kinder, auf die Bildung und auf die Zukunft einer ganzen Gemeinschaft dar“, erklärten UN-Experten am Freitag in Genf. „Es gibt keine Entschuldigung dafür, Mädchen in einem Klassenzimmer zu töten.“

[4][US-Verteidigungsminister Pete Hegseth] hat nach den Recherchen zum Angriff auf die Mädchenschule im Süden Irans eine Untersuchung angekündigt. „Alles, was ich sagen kann, ist, dass wir das untersuchen“, sagte Hegseth bei einer Pressekonferenz zur US-Militäroperation gegen Iran. „Wir greifen natürlich niemals zivile Ziele an.“ Weitere Details zu möglichen Verantwortlichen oder zur eingesetzten Munition nannte Hegseth nicht.

Hegseth kritisierte zugleich die Berichterstattung über solche Vorfälle. Alles laufe erfolgreich und zielgerichtet ab, „aber wenn ein paar Drohnen durchkommen oder tragische Dinge passieren, ist das eine Schlagzeile auf Seite eins“, sagte er mit Blick auf Iran.

WHO spricht von über 1.000 Toten

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat unterdessen eine verheerende Zwischenbilanz des bisherigen Krieges der USA und Israels gegen Iran gezogen. In den vergangenen Tagen seien mehr als 1.000 Menschen in der Nahostregion getötet worden, erklärte die WHO-Direktorin Hanan Balkhy am Freitag in Genf. Mehr als 7.000 Menschen seien verletzt worden.

Allein Iran habe 14 Angriffe auf Einrichtungen des Gesundheitswesens gemeldet. [5][Auch im Libanon verschlechtere sich die humanitäre Lage] rapide. Seit Montag seien mindestens 683 Verletzte und 123 Tote gemeldet worden. Fast geflüchtete 96.000 Menschen seien derzeit in mehr als 440 Notunterkünften untergebracht.

Krankenhäuser in der Region müssten mehr Einlieferungen bewältigen und zugleich mit Versorgungsengpässen und Sicherheitsrisiken für das Personal fertig werden. Patienten mit chronischen Erkrankungen seien von Behandlungen abgeschnitten, die Systeme zur Krankheitsüberwachung seien überlastet. Die vielen Vertreibungen belasteten die ohnehin schon fragilen Gesundheitsdienste zusätzlich.

Polizisten sollen auf mutmaßliche „Plünderer“ schießen

Inmitten des Krieges mit den USA und Israel sind iranische Polizisten nach den Worten ihres Chefs Ahmad Radan angewiesen worden, auf mutmaßliche „Plünderer“ zu schießen. „Da wir uns in einer Kriegssituation befinden, habe ich den Befehl erteilt, auf potenzielle Diebe zu schießen“, sagte Radan im iranischen Staatsfernsehen. Er fügte hinzu, dass jeder Dieb „schnell neutralisiert“ werde.

Zudem sagte er, die Behörden hätten Maßnahmen ergriffen, um die Ordnung im Internet aufrechtzuerhalten. Radan begründete dies mit angeblicher „Hetze“ durch „eine Gruppe bezahlter Agenten“ gegen „die Einheit“ des Landes.

Die USA und Israel hatten am Samstag massive Luftangriffe auf Iran begonnen. Dabei wurden der oberste Führer Ayatollah Ali Chamenei und weitere Mitglieder der iranischen Führung getötet. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel, auf US-Einrichtungen in der Region und auf Infrastruktur in den Golfstaaten. (dpa/afp/epd/kna)

6 Mar 2026

[1] /Explosion-in-iranischer-Maedchenschule/!6158928

[2] https://www.theguardian.com/world/2026/mar/06/us-investigators-believe-strike-on-iranian-girls-school-likely-carried-out-by-us-forces

[3] https://www.nytimes.com/2026/03/05/world/middleeast/iran-school-us-strikes-naval-base.html

[4] /Umstrittener-Trump-Kandidat-Pete-Hegseth/!6064718

[5] /Massenflucht-in-Libanon/!6159706

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