taz.de -- Angriff auf Mädchenschule in Iran: Veraltete Daten des US-Militärs werden zu tödlichem Fehler

Für den Tod von 170 Schülerinnen einer iranischen Grundschule sind wohl die USA verantwortlich. Schutz von Zi­vi­lis­t*in­nen hat keine Priorität.

Bild: Trauriges Zeugnis: die Schulranzen der getöteten Mädchen in Minab

Was bislang nur [1][einige Medien berichteten], wird inzwischen wohl auch durch interne Untersuchungen des US-Militärs bestätigt: Die USA sind verantwortlich für den Angriff auf eine Mädchenschule in der Kleinstadt Minab im Süden Irans, gleich in den ersten Stunden des von den USA und Israel begonnenen Krieges.

Offenbar, so berichten [2][CNN] und [3][die New York Times] unter Berufung auf mit den Ermittlungen vertraute Quellen, waren veraltete Daten des US-Militärgeheimdienstes DIA für den Vorfall verantwortlich. Die Grundschule wurde am 28. Februar mit Tomahawk-Raketen angegriffen und nach iranischen Angaben wurden rund 170 Kinder und 14 Lehrer getötet.

Bis vor etwa zehn Jahren sei die heutige Schule tatsächlich Teil eines von den Revolutionsgarden genutzten Militärkomplexes gewesen. Erst danach seien die Gebäude abgetrennt und umgenutzt worden. Das allerdings, zeigt die New York Times, sei auch auf Satellitenaufnahmen seither recht gut zu erkennen gewesen. Warum also die der Zielplanung des US Central Command zugrunde liegenden Informationen derart veraltet waren, dass sie zum opferreichsten Fehlbeschuss durch US-Truppen der letzten 20 Jahre führten, bleibt eine offene Frage.

Untersuchungen laufen noch

Öffentlich haben weder das Pentagon noch das Weiße Haus bislang die Verantwortung der USA für den Angriff eingestanden. Die Untersuchungen seien noch im Gange, heißt es lapidar.

Nur einer hat bislang seine gänzlich andere Darstellung des Vorgangs nicht zurückgenommen: US-Präsident Donald Trump. In mehreren Presseterminen beharrte er darauf, Iran selbst sei für die Bombardierung der Schule verantwortlich. Man wisse ja, dass Irans Raketen nicht sehr akkurat seien. Das sagte Trump auch dann noch, als Videoaufnehmen von einschlagenden Tomahawk-Raketen – über die in diesem Konflikt nur die USA verfügen – bereits öffentlich geworden waren.

Dabei gibt es mehrere mögliche Gründe dafür, dass auf akkurate Daten, aber auch überhaupt auf den Schutz der Zivilbevölkerung von Seiten der USA recht wenig wert gelegt wird. Verteidigungsminister Hegseth hat wiederholt erklärt, er halte „rules of engagement“, also militärische Einsatzrichtlinien, die sicherstellen sollen, dass die Genfer Konventionen und die Menschenrechte gewahrt bleiben, für überholten verweichlichten Kinderkram: Ihm komme es darauf an, seine „warriors“ von allen Zwängen zu befreien, die ihre tödliche Effizienz einschränken könnten.

Und wie das Magazin [4][Politico] in diesem Zusammenhang ergänzt: Seit seinem Amtsantritt hat Hegseth die Anzahl derjenigen Mitarbeiter*innen, die sich um den Schutz von Zivilist*innen in bewaffneten Konflikten kümmern, um 90 Prozent verringert. Das sogenannte „Civilian Protection Center of Excellence“ darf Hegseth nicht schließen, weil seine Einrichtung einst vom Kongress beschlossen wurde. Aber die Mitarbeiter*innenzahl ist bis zur Unkenntlichkeit geschrumpft.

Jenes Team zum Schutz von Zivilisten, das direkt beim für den Irankrieg zuständigen US Central Command angesiedelt ist, wurde von zehn Mitarbeiter*innen auf eine Person reduziert. So betrachtet, ist der blutige Angriff auf die Schülerinnen von Minab vielleicht doch mehr als ein Versehen.

12 Mar 2026

[1] /Angriff-auf-Maedchenschule-im-Iran/!6160539

[2] https://edition.cnn.com/2026/03/11/politics/us-iran-school-strike-civilians

[3] https://www.nytimes.com/2026/03/12/podcasts/the-daily/us-bomb-elementary-school-iran.html?searchResultPosition=2

[4] https://www.politico.com/news/2026/03/10/pentagon-iran-school-strike-civilian-casualties-00820780

AUTOREN

Bernd Pickert

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