taz.de -- Ungewöhnlicher Schutz vor Einbrechern: Die Alarmanlage
Des einen Sperrmüll, des anderen Verhängnis: Wenn der neue Nachbar eingespielte Abläufe im Treppenhaus durcheinanderwirbelt.
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Die neuen Nachbarn waren schon eineinhalb Jahre zuvor eingezogen, aber wir hatten bisher noch kein Wort miteinander gesprochen. Aber eines Sonntagnachmittags klingelte es an meiner Tür und der gar nicht mehr so neue Nachbar stand davor. Er wies mich darauf hin, dass mehrmals hintereinander Menschen in unserem Treppenhaus übernachtet hätten und dass er sich Sorgen um unsere Sicherheit machen würde.
Ich sagte ihm, dass wir Hausbewohner:innen dieses Phänomen schon kannten und dass er sich keine Sorgen zu machen brauche. Wir hätten im Haus eine Art stille Übereinkunft getroffen, die Menschen übernachten zu lassen – vor allem im Winter, wenn es draußen so kalt wäre. Der gar nicht mehr so neue Nachbar war nicht überzeugt, aber er verschwand höflich wieder in seiner Wohnung. Am nächsten Nachmittag klingelte es erneut an meiner Tür und erneut stand der freundliche Nachbar davor. Er begrüßte mich und machte ein Handzeichen, dass ich ihm folgen sollte.
Ich ging hinter ihm her nach oben, in die oberste Etage des Treppenhauses, direkt über meiner Wohnung. Ich schämte mich sofort, als ich verstand, dass ich ihm auf den Treppenabsatz folgen sollte, denn ich hatte ihn seit Jahren, ohne dafür um Erlaubnis zu bitten, als eine Art privaten Dachboden genutzt und all meinen Sperrmüll dort auf unbestimmte Zeit gelagert – und damit natürlich alle Fluchtwege versperrt. Als ich nach oben kam, sah ich aber, was der Nachbar mir zeigen wollte: Er hatte fein säuberlich aus all meinem Müll eine Art riesige Installation gebaut, die den gesamten Boden bedeckte und bis zur Decke reichte. Er erklärte mir, dass es sich dabei um eine Alarmanlage handelte: Würde jemand versuchen, auf den Treppenabsatz zu gelangen, würde alles herunterfallen und ein so lautes Geräusch machen, dass der Einbrecher in der Falle säße.
Ich war begeistert von seiner kreativen Energie und seinem Erfindungsreichtum. Am nächsten Tag ging ich in seiner Bäckerei einen Cappuccino trinken – aufs Haus natürlich.
26 Oct 2026
AUTOREN
Olga Hohmann
Kolumne Szene
Alltag
Nachbarschaft
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