taz.de -- Zukunft von Volkswagen: Gewerkschaft will Autowerke retten
Der VW-Vorstand hat seine Tour deutscher Standorte in Hannover beendet. Dort versuchte er zu beschwichtigen – und erntete die Kritik der Beschäftigten.
Bild: Die Verkäufe deutscher Elektroautos haben Fahrt aufgenommen – die Belegschaft soll schrumpfen
Die lauten Pfiffe, mit denen die VW-Beschäftigten den Konzernvorstand am Montag in Hannover begrüßten, verklangen erst nach mehreren Minuten. Volkswagenchef Oliver Blume war diesmal nicht dabei, dafür stellte sich Finanzvorstand Arno Antlitz den Mitarbeitenden im Hannoveraner Werk, wo am Mittag die neunte und vorerst letzte außerordentliche VW-Betriebsversammlung stattfand.
Antlitz forderte, die Kosten für die Produktion an deutschen Standorten zu drücken. Die Gewerkschaft IG Metall hingegen machte klar, dass kein weiteres deutsches VW-Werk geschlossen werden dürfe. „Und wir werden auch ein schleichendes Ausbluten unserer Standorte nicht zulassen“, sagte Thorsten Gröger, Bezirksleiter der IG Metall, laut seinem Redetext.
Schon im Herbst 2024 zog die Führungsriege um Blume [1][die Schließung ganzer Werke in Betracht]. Damals liefen harte Tarifverhandlungen zwischen Management und Gewerkschaft. Es folgten Arbeitskämpfe, dann kurz vor Jahresende die überraschende Einigung. Die Schließung mehrerer Werke konnte abgewendet werden. Dafür wurde der Abbau von rund 50.000 Arbeitsplätzen besiegelt, und die Arbeitnehmerseite nahm strenge Sparvorgaben für die deutschen Standorte in Kauf.
Im folgenden Jahr, 2025, kämpften Volkswagen und seine Tochterunternehmen, etwa die Pkw-Marken Seat, Audi oder Škoda noch mit sinkenden Absätzen. Die [2][Verkäufe in China], wo VW jahrelang hohe Gewinne einfuhr, brachen ein. Chinesische Autobauer wiederum erstarkten. Das VW-Management hatte zu spät auf Elektromobilität gesetzt und dann Mühe, neue E-Modelle angesichts günstiger Konkurrenz aus China an die Leute zu bringen. Gleichzeitig dämpften die von Präsident Donald Trump verhängten Zölle die Profite auf dem wichtigen US-Markt.
VW-Aufsichtsrat trifft sich am Freitag
Inzwischen haben die Verkäufe deutscher Elektroautos Fahrt aufgenommen. Trotzdem machte VW-Chef Blume [3][im Juli öffentlich], dass er noch mehr sparen und weitere 50.000 Stellen streichen will. Erneut stellte er die Zukunft der Werke in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm infrage. In der vergangenen Woche besuchte der Vorstand mehrere Standorte, um sich vor den Beschäftigten zu erklären.
Gewerkschafter Thorsten Gröger kritisierte am Montag in Hannover, dass Blumes Pläne mit der Einigung aus dem Jahr 2024 brächen. „Wenn der Vorstand diese Vereinbarung heute wieder infrage stellen will, dann wird der Werkboden an allen Standorten brennen.“ Finanzvorstand Antlitz setzte derweil auf Beschwichtigung, wie es letzte Woche schon Blume getan hatte: Werkschließungen seien „die teuerste und letzte Lösung“.
Und doch wird die Konzernspitze ihren Sparplan wohl am Freitag dem Aufsichtsrat vorlegen. Das Land Niedersachsen und die Arbeitnehmerseite wollen jeweils alternative Zukunftskonzepte einbringen.
31 Aug 2026
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AUTOREN
Nanja Boenisch
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