taz.de -- Konzertempfehlungen für Berlin: Klanggewordene Zeitgeschichte
Das Stegreif Orchester bespielt den Teufelsberg und Tarek Yamani sucht das Verbindende zwischen Jazz und arabischer Musik.
Bild: Tarek Yamani
Überraschende Schnittmengen – in fragmentierten, polarisierenden Zeiten wie diesen lohnt es sich mehr denn je, sie zu finden. Ganz konkret forscht der Pianist und Komponist Tarek Yamani, aufgewachsen im Melting Pot Beirut, nach gemeinsamen Mustern in jazzinspirierten Stücken und arabischer Musik. In seinem eigenen Musikschaffen stecken Einflüsse von beidem, wie etwa sein Album „Peninsular“ verdeutlicht, das Jazz mit Rhythmen von der arabischen Halbinsel verbindet.
Beim „Afro-Tarab Pairings Project“ am Samstag stellt er Jazzstücken klassische, arabische Kompositionen aus dem Dunstkreis des Tarab gegenüber. Bei dieser traditionellen, oft episch angelegten Musik geht es zumeist um ganz große Gefühle. Bei dem Solo-Piano-Konzert trifft etwa Dizzy Gillespies „A Night in Tunisia“ auf das Musikstück „Fi Hulal Al Afrah“ des Ägypters Kamel Al Khulai, der besonders im frühen 20. Jahrhundert die Musik der Region mitprägte. In Harry Warrens „You're My Everything“, ursprünglich eine Revue-Nummer, entdeckt Yamani derweil Verbindungen zum Musikschaffen des Libanesen Ziad Rahbani. (8. 8., 20.30 Uhr, [1][Sowieso])
Wer einen Ausflug ins Grüne mit stimulierenden Klangwelten verbinden möchte, muss an diesem Wochenende nicht einmal ins Umland – auch wenn da einiges geboten wird, etwa vom 7. bis 9. August beim [2][Detect Festival] auf dem atmosphärischen Schloss Bröllin. Oder beim charmanten [3][Jenseits von Millionen Festival] im Osten Brandenburgs, in Friedland.
In den kommenden Tagen reicht auch ein Ausflug in den Grunewald, genauer gesagt auf den geschichtsträchtigen Teufelsberg, um sich die Hörsynapsen durchbritzeln zu lassen. Dort bespielt das Stegreif Orchester, das sich selbst als „improvisierendes Symphonieorchester“ bezeichnet, über vier Tage das Gelände um die ehemalige Abhörstation – ein Konzertparcours, bei dem einzelne kammermusikalische Ensemblecluster an immer wieder neuen Stationen inmitten der besonderen Architektur auf dem von Streetart geprägten Gelände auftauchen werden. Zum Finale der dreieinhalbstündigen Performance findet dann das ganze Orchester zusammen. Die Premiere des „Sky Concert“ am Sonntag ist ausverkauft, doch für die folgenden Tage gibt es noch [4][Tickets]. (9. 8., 16 Uhr, 10.–12. 8., 17 Uhr)
Auf einem schmalen Grat zwischen Intimität und Rohheit balanciert Kee Avil, die am Dienstag ihr drittes Album „Vapor“ vorstellen wird, das zwischen Avant-Pop und experimentellem Folk oszilliert. Das Flüchtige ist ja schon in den Albumtitel eingeschrieben und passt zu der Art von Dekonstruktion, wie Kee Avil sie betreibt. Aus verzerrten Gitarrenklängen, Gesang, Folk-Elementen und elektronischen Beats synthetisiert die Musikerin aus Montreal einen eigenwilligen, skelettalen Groove. (11. 8., 20 Uhr, [5][Neue Zukunft])
6 Aug 2026
LINKS
[1] https://www.sowiesoberlin.com/
[2] https://detectclassic.com/festival
[3] https://jenseitsvonmillionen.de/
[4] https://eventfrog.de/de/p/gruppen/sky-concert-stegreif-orchester-auf-dem-teufelsberg-7444726221781380564.html
[5] https://www.eventbrite.de/e/kee-avil-tickets-1992056693194
AUTOREN
Stephanie Grimm
Sound der Stadt
taz Plan
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