taz.de -- Berichterstattung über die Klimakrise: Wir waren doch schon weiter

Extreme Wetterereignisse sind medial präsent. Aber über die Klimakrise, die dahinter steht, berichten Medien immer weniger.

Bild: Auch Pudel sollten, wie hier in Berlin, bei der Extremhitze genug trinken

Waldbrände in Spanien, Frankreich und Portugal, Überschwemmungen in Japan, 10.000 Hitzetote in Deutschland meldet das RKI. Über all diese Ereignisse wird berichtet – zumindest solange sie aktuell sind. Doch ausgerechnet die Berichterstattung über ihre gemeinsame Ursache, die Klimakrise, nimmt ab. Und das ist ein Problem.

Dabei waren wir doch auch mal an einem anderen Punkt. Das Bewusstsein für die Klimakrise war in vielen Redaktionen gewachsen, nicht zuletzt durch den Höhepunkt von Fridays for Future. Klimapolitik wurde zunehmend als Maßstab für Regierungshandeln betrachtet – ähnlich wie Außen- oder Sozialpolitik. Zwischenzeitlich wurden in Medienhäusern sogar neue Klimaredaktionen oder Tools geschaffen. Heute ist vieles davon zurückgegangen.

[1][Wie deutlich dieser Rückgang inzwischen ist, zeigt eine aktuelle Untersuchung der Initiative Klima° vor acht]. Demnach ist der Anteil der Sendeminuten zur Klimaberichterstattung in den Hauptprogrammen von ARD und ZDF auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebung vor fünf Jahren gefallen. Während 2023 noch rund zwei Prozent der gesamten Sendezeit auf Klimathemen entfielen, liegt der Anteil inzwischen bei unter einem Prozent. Im Ersten sank er auf 0,8 Prozent, im ZDF auf 0,7 Prozent vom Gesamtprogramm.

Klimaberichterstattung seit 2023 mehr als halbiert

Die Klimaberichterstattung hat sich damit seit 2023 mehr als halbiert. Selbst die außergewöhnlichen Hitzewellen im Mai und Juni dieses Jahres führten laut der Untersuchung nicht zu einem Anstieg der Berichterstattung. Aufmerksamkeit entstand vielmehr durch politische Konflikte wie den Streit um das Heizungsgesetz.

Auch das Grimme-Institut kritisierte in diesem Jahr bei der Nominierung zu ihren Fernsehpreisen, dass Beiträge zu gesellschaftlich relevanten Themen wie dem Klima im Fernsehprogramm fehlten.

Gleichzeitig zeigt eine aktuelle Studie in der [2][Fachzeitschrift Nature Climate Change, dass Klimathemen überwiegend in Informationsformaten stattfinden] und dort vor allem Menschen erreichen, die sich ohnehin für das Thema interessieren. Wer Nachrichten seltener verfolgt oder der Klimakrise skeptisch gegenübersteht, kommt mit entsprechenden Inhalten kaum in Berührung. Die Forschenden fordern deshalb, Klimathemen stärker auch in unterhaltenden Formaten zu verankern.

Wer nicht Bescheid weiß, reagiert auch nicht

Die Herausforderung bei der Klimaberichterstattung ist, dass sie nicht erst stattfinden darf, wenn Häuser unter Wasser stehen oder der Urlaub nicht stattfinden kann, weil es am Strand brennt. Sie muss Zusammenhänge erklären, wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich einordnen und zeigen, welche politischen Entscheidungen folgen müssen.

Dabei verständlich zu bleiben und Sachen gleichzeitig nicht zu stark zu vereinfachen, ist anspruchsvoll. Aber gerade diese Einordnung ist bei dem komplexen Thema Klimakrise eben die Verantwortung von Journalismus.

Wenn die Klimakrise in den Medien weniger Raum erhält, verringert sich die Möglichkeit, Ursachen, Folgen und Lösungswege öffentlich zu diskutieren. Und eine Gesellschaft kann auf Herausforderungen und Zusammenhänge, über die sie kaum informiert wird, nur schwer angemessen reagieren.

30 Jul 2026

[1] https://medien.epd.de/article/4939

[2] https://www.mdr.de/wissen/umwelt-klima/klimakrise-in-den-medien-erreicht-im-fernsehen-nicht-breite-masse-100.html

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Ann-Kathrin Leclere

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