taz.de -- Waldbrände in Südeuropa: Zusehen, wie der Green Deal brennt

Südeuropa steht in Flammen, eine Folge der globalen Erwärmung. Und Brüssel? Die EU-Kommission versucht es weiter mit Strategiepapieren.

Bild: Waldbrand in Spanien: Wis­sen­schaft­le­r:in­nen gehen von tausend zusätzlichen Todesfällen aufgrund der Rauchbelastung aus

Als EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Ende 2019 an die Spitze der europäischen Politik rückte, sollte die Rettung des Klimas ihr politisches Vermächtnis werden. Als „europäische Mondlandung“ bezeichnete sie ihren Green Deal, einen politischen Fahrplan, mit dem bis 2050 eine klimaneutrale Wirtschaft entstehen sollte. Doch über die Jahre wurden [1][Vorhaben des Green Deal peu à peu zurückgenommen]. Lobbyinteressen setzten sich durch sowie die Angst, auf dem internationalen Markt endgültig abzuschmieren und rechten Parteien weiteren Zulauf zu verschaffen.

Und nun, bald sieben Jahre später, steht Südeuropa in Flammen. Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, überall brennen großflächig Wälder, ebenso in den Beitrittskandidatenländern Montenegro und Nordmazedonien.

Besonders fatal ist die Lage in Spanien und Frankreich, mit Waldbränden in einem noch nie dagewesenen Ausmaß. Die Einsatzkräfte dort kommen an ihre Grenzen, [2][Hunderttausende Menschen müssen evakuiert werden], [3][Orte werden zu verkohlten Ruinen], Wissenschaftler:innen gehen von tausend zusätzlichen Todesfällen aufgrund der Rauchbelastung aus. Immer wieder gibt es Meldungen, dass ein Brand nicht mehr zu löschen sei. Die Feuerwehrleute kapitulieren, können nicht mehr lösen, wofür Ignoranz und eine gescheiterte Klimapolitik gesorgt haben.

Und Brüssel? Die EU koordiniert und finanziert ihren größten Einsatz gegen Waldbrände. Krisenmechanismen werden aktiviert, wie es auf Bürokratisch so schön heißt. Eine eigene Löschflotte von 22 Flugzeugen und fünf Hubschraubern soll aufgebaut werden. Die Kommission kündigt an, über eine neue Präventionsstrategie nachzudenken.

Im August, also in wenigen Tagen, verschwindet der Brüsseler Politikbetrieb aber erst mal in die Sommerpause. Genau zu dem Zeitpunkt, an dem die Waldbrandsaison erst so richtig losgeht.

Erst im September geht es in Brüssel wieder weiter, während die Brände noch bis Oktober oder gar November wüten werden. Die EU-Kommission wird unterdessen Strategiepapiere schreiben und Gesetzesvorhaben [4][aufgrund von wirtschaftlichem Druck wieder umschreiben]. Also alles wie gehabt. Egal, wie sehr es brennt.

28 Jul 2026

[1] /Green-Deal-der-EU/!6068684

[2] /Waldbraende-in-Frankreich/!6199203

[3] /Grossbraende-in-Spanien/!6199202

[4] /EU-Methanverordnung/!6197822

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Eva Fischer

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