taz.de -- L'amour, l'amour: Die Stadt der Liebe
Verliebt in Berlin? Ach nee, doch nicht. Viel lieber wäre man zumindest einmal dort, wo sich alle die ganze Zeit küssen.
Bild:
Es ist schönes Wetter, und mir kommen alle mit einem Eis entgegen. Auch die Cafés sind voll in Schöneberg. Als ich um eine Ecke biege, steht da ein Kind vor den Tischen eines Straßencafés und baut sich mit in die Hüften gestemmten Armen vor mir auf. Es sieht mich mit zusammengekniffenen Augen an und ruft: „Weißt du waahaas.“
Ich bleibe stehen und lächle. „Was denn?“
Das Kind trägt eine braune Cordhose mit Schlag, Sandalen und ein blaues T-Shirt mit einer Rakete darauf. Jetzt wischt es sich die Nase mit dem Handrücken ab und sagt mit aufgerissenen Augen:
„Es gibt eine Stadt der Liebe!“
Ich nicke.
Es sieht mich gespannt an. „Weißt du, wo die ist?“, fragt es.
„Oh“, ruft da eine Frau von einem der Tische. „Das würde ich aber auch gerne wissen. Das interessiert mich auch!“ Sie lacht aus vollem Hals und zwinkert uns zu. „Wo ist die Stadt der Liebe denn? Na sag mal.“
„Das weiß ICH doch nicht!“, ruft das Kind empört. „Ich bin ja nicht erwachsen und war da noch nicht.“
„Es ist wahrscheinlich Paris, oder?“, frage ich.
„Ach ja!“, sagt das Kind, als würde es ihm grad wieder einfallen.
Die Frau im Café ruft: „Ja, Paris. Warst du da denn schon mal?“
„Nein“, sagt es. „Da war ich noch nicht, aber da möchte ich mal hin, um zu gucken.“
„Um zu gucken? Was gibt es denn da zu sehen?“, will die Frau wissen.
„Naja“, sagt das Kind und zuckt mit den Schultern. „Wahrscheinlich küssen die da doch den ganzen Tag!“
Die Frau und ich gucken uns an und machen laute, dahinschmelzende Geräusche.
Kommt der Vater aus dem Café, legt dem Kind eine Hand auf den Kopf und sagt: „Na, machst du schon wieder alle verrückt mit Paris?“
Ich verabschiede mich, gehe weiter und trage das Bild einer Stadt der Liebe mit mir weiter, in der sich alle den ganzen Tag immerzu küssen. Da will ich auch mal hin.
27 Jul 2026
AUTOREN
Isobel Markus
Kolumne Szene
Paris
Liebe
Alltag
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