taz.de -- Die Hoffnung ruht auf Specki: Der Hamster
Für zwei Wochen ist die Hamsterdame Specki mit ihrem Terrarium zu Gast im Co-Working-Space. Obwohl sie sich selten sehen lässt, verwandelt sie alles.
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Unser Co-Working-Space ist jetzt nicht mehr unser Co-Working-Space. Er ist das Versorgungszentrum von Specki, einem Hamsterweibchen mit karamellfarbenem Fell und skeptischem Blick. Sie ist mit einer großen Kiste voll Streu und Trockenfutter und Maden und Schäufelchen für den Sand und zwei Hamsterratgebern eingezogen und lebt in einem Terrarium vor dem Lichtkasten im Flur. Zwei Wochen lang, bis unsere Kollegin mit den Kindern zurück aus Griechenland kommt. Vielleicht verpasst sie dort die Nachricht, dass Jens Spahn zurückgetreten ist. Oder dass der neue Berliner Bürgermeisterkandidat der CDU Stefan Evers Sozialhilfeempfänger*innen dazu verdonnern möchte, Berlin gratis „sauber zu halten“ – durch Straßenkehren zum Beispiel.
Wir haben eine Whatsapp-Gruppe für tägliche Updates: Hat Specki heute Gurke gegessen, wer hat zuletzt den Sand in ihrem Wühlbecken ausgetauscht, traut sich jemand, Specki frei laufen zu lassen? Specki ist der Promi unseres Büros. Sie zeigt sich selten. Sie macht uns sanft.
Gestern war ich bei einer Freundin zum Abendessen, es gab Lachs und grüne Soße und Walnusseis von Penny. Leicht hysterisch lachend haben wir uns vorgestellt, wie der neue Bürgermeister uns zum Laubkehren schickt, falls das mit dem Geld nicht besser wird. Ich habe gesagt, dass ich das nur im Herbst machen will, wenn das Laub frisch und duftend ist. Meine Freundin meinte, dass das vermutlich eine sehr dreckige, schmierige Angelegenheit würde. Zum Abschied rief ihr Sohn mir nach: „Bald kehrst du Laub, Laura!“
Und dann bin ich am nächsten Tag ins Büro gegangen, in dem wir eigentlich Geld verdienen oder Briefe an Friedrich Merz zur Klimapolitik schreiben sollten und überhaupt wegen allem. Aber jetzt können wir nicht. Wir müssen Specki versorgen. Mein Kollege kommt zurück, er hat gerade das Laufrad frisch geölt. Kein Wunder, dass sie sich nie zeigt, sagt er. Das muss ganz schön anstrengend sein. Stell dir vor, du bist ein winziges Tier und auf dir ruht die Hoffnung eines ganzen Büros.
21 Jul 2026
AUTOREN
Laura Lichtblau
Kolumne Szene
Alltag
Haustiere
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