taz.de -- Krieg zwischen USA und Iran: Trump rudert zurück, aber Krieg geht weiter
Erst wollte Trump auf Warentransporte durch die Straße von Hormus eine 20-Prozent-Gebühr erheben. Jetzt nicht mehr. Aber die Angriffe dauern an.
Bild: Ein US-Kampfjet im Einsatz gegen Iran beim Start vom Flugzeugträger„USS Abraham Lincoln“
US-Streitkräfte haben am frühen Dienstagmorgen erneut Ziele in Iran angegriffen. Die Militärschläge dauerten fünf Stunden an. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump eine erneute US-Seeblockade gegen iranische Häfen verkündet. Die iranische Regierung erwiderte die US-Angriffe ihrerseits mit Gegenangriffen auf US-Stellungen im Nahen Osten. Es war somit bereits die dritte Nacht in Folge, in der es zu gegenseitigen Luftangriffen kam.
Der vorübergehende Waffenstillstand, auf den sich Washington und Teheran Mitte Juni geeinigt hatten, ist damit selbst das Papier, auf dem er unterzeichnet wurde, nicht mehr wert. Trump hatte bereits während des Nato-Gipfels vergangene Woche deutlich gemacht, dass die vereinbarte Absichtserklärung für ihn nicht mehr gültig sei. Beide Regierungen erklärten jedoch im Nachhinein, dass sie weiterhin bereit wären, Gespräche zu führen.
Wie sich am Montag herausstellte, hat Trump den US-Kongress bereits am 10. Juli per Schreiben über den Beginn der erneuten Kriegshandlungen gegen Iran informiert. „Diese Angriffe sind begrenzt und wohlüberlegt; sie wurden so geplant und ausgeführt, dass die Zahl der zivilen Opfer auf ein Minimum reduziert werden“, hieß es in dem Schreiben. Er hat sich damit an die 48-Stunden-Frist gehalten, die das US-Kriegsgesetz vorschreibt. Die Frage ist jedoch, ob Trump überhaupt die Befugnis besitzt, ohne Zustimmung des Kongresses weiter militärisch gegen das Mullah-Regime vorzugehen.
Der War Powers Act gibt dem US-Präsidenten die alleinige Entscheidungsgewalt über Kriegshandlungen für 60 Tage. Diese Befugnis kann um weitere 30 Tage verlängert werden. Da der Kongress allerdings bereits am 2. März über den Krieg in Kenntnis gesetzt wurde, sind beide Fristen verstrichen. DieRegierung wird versuchen, die erneuten Kriegshandlungen als einen neuen Konflikt zu verkaufen, der die Fristen neu beginnen lässt. In der Vergangenheit haben Politiker aus beiden Parteien jedoch angekündigt, dass sie bei erneuten Angriffen eine Abstimmung anstreben würden.
Trump wollte Hormus ebenfalls blockieren lassen
Am Montag verkündete Trump auch eine erneute US-Seeblockade gegen iranische Häfen im Persischen Golf und der Straße von Hormus. Die Wiederaufnahme der Seeblockade ist eine Reaktion auf Irans anhaltende Angriffe auf Handelsschiffe und Teherans Ankündigung, dass der Seeweg geschlossen sei.
[1][Iran hatte den wichtigen Seeweg in den vergangenen Monaten immer wieder blockiert.] Da die Straße von Hormus zu den weltweit wichtigsten Handelsrouten gehört, hat dies zu erheblichen Beeinträchtigungen in den globalen Lieferketten geführt. Die Folge war ein deutlicher Preisanstieg vor allem im Bereich der Energieversorgung. Für Iran ist die Kontrolle über die Meeresenge ein wichtiges Druckmittel bei den Verhandlungen mit den USA.
[2][Im Gegensatz zur letzten Seeblockade wollte Trump am Montag sogar eine Gebühr von 20 Prozent auf alle Güter verlangen, die die Straße von Hormus passieren.] Am Dienstag kündigte er allerdings auf „Truth Social“ an, doch keine Gebühr zu verlangen. „Aufgrund äußerst fruchtbarer Gespräche mit führenden Vertretern aus dem Nahen Osten habe ich beschlossen, die 20-prozentige Erstattungsgebühr der Vereinigten Staaten durch Handels- und Investitionsabkommen zu ersetzen, die die verschiedenen Golfstaaten mit den Vereinigten Staaten abschließen werden“, schrieb Trumpl. „Diese Investitionen werden massiv sein, aber gleichzeitig außerordentlich vorteilhaft für sie und ihre Zukunft.“ Was er damit meinte, blieb zunächst offen.
Reedereien und Schifffahrtsexperten hatten mit Skepsis auf Trumps Gebührenpläne reagiert. Die USA hatten sich in der Vergangenheit gegen Transitgebühren in der Straße von Hormus ausgesprochen. (mit afp)
14 Jul 2026
LINKS
[1] /Auswirkungen-des-Irankriegs/!6195689
[2] /Iran-Konflikt/!6191178
AUTOREN
Hansjürgen Mai
Schwerpunkt Iran-Krieg
Schwerpunkt USA unter Trump
Straße von Hormus
Blockade
Raketenangriff
Drohnen
ARTIKEL ZUM THEMA
US-Flugzeugträger im Nahen Osten: Katastrophale Zustände und Ablenkung mit Eis
Berichte über miserable Zustände auf dem Flugzeugträger USS Abraham Lincoln häufen sich. US-Präsident Trump und sein Verteidigungsminister wiegeln ab.
Blockade im US-Kongress: Zartes Zeichen des Widerstands
Die Demokraten blockieren den Verteidigungshaushalt, weil Trump die Waffenruhe mit Iran für beendet erklärt hat – ohne den Kongress zu beteiligen.
Reaktion auf den Irankrieg: Die Umgehungsstraße von Hormus
Die Golfstaaten beginnen mit dem Aufbau von alternativen Häfen und Pipelines, um die Blockade der Straße von Hormus zu umgehen. Es geht um Öl und Düngemittel.
Natur im Fadenkreuz: Krieg und Wirtschaftskrise setzen iranischen Wildtieren zu
Der Krieg in Iran ist auch für die Natur eine Katastrophe: Vom Aussterben bedrohte Arten geraten durch Explosionen und Ölverschmutzungen zusätzlich unter Druck.
+++ Nachrichten im Nahostkrieg +++: Trump droht Iran mit Angriffen auf Kraftwerke und Brücken
Der US-Präsident will Iran mit weiteren Angriffen auf das Land an den Verhandlungstisch zurückzwingen – so lange, „bis ich sage, dass es genug ist“.
Jemen am Rande eines neuen Krieges: Schlagabtausch mit Raketen erreicht Saudi-Arabien
In Jemen eskaliert der Konflikt mit den von Iran unterstützten Huthi-Milizen erneut. Saudi-Arabien will offenbar wieder militärisch tätig werden.
Irans Ex-Präsident Ahmadinedschad: Vom Leugnen des Holocaust zur Kooperation mit Israel
Israel wollte offenbar den iranischen Ex-Präsidenten Ahmadinedschad für einen Regimewechsel aufbauen. Nun befindet sich dieser in Iran in Haft.
Auswirkungen des Irankriegs: Indische Seefahrt im Kreuzfeuer
Der Irankrieg trifft längst auch die zivile Schifffahrt. Die vorläufige Bilanz: sechs Tote, ein Vermisster und große Unsicherheit.