taz.de -- Studie der Bertelsmann-Stiftung: Firmen sehen Demokratie in Gefahr

Laut einer Studie betrachtet die Mehrheit der Unternehmen Demokratie als Grundlage ihres Wirtschaftens. Polarisierung belaste auch das Betriebsklima.

Bild: 93 Prozent der Unternehmen betrachten die Demokratie als wichtigen Faktor für den Standort Deutschland

afp/rtr | Unternehmen in Deutschland befürchten einer Studie zufolge [1][eine Schwächung der Demokratie]. Eine große Mehrheit nennt Vertrauensverlust in demokratische Institutionen und gesellschaftliche Spaltung als Gefahren, wie die Bertelsmann Stiftung am Montag mitteilte. Zudem werde [2][wirtschaftliche Schwäche als Risiko für die Demokratie] aufgefasst.

Der Studie zufolge, an der auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) und die Universität St. Gallen beteiligt waren, wissen Betriebe, was sie an der Demokratie haben: „Die große Mehrheit der Unternehmen betrachtet Demokratie als zentrale Grundlage erfolgreichen Wirtschaftens.“ 93 Prozent betrachten die Demokratie als wichtigen Faktor für den Standort Deutschland – mit Vorteilen rund um Rechtsstaatlichkeit, Planungssicherheit und unternehmerische Freiheit.

Gesellschaftliche Risse machen sich den Angaben zufolge allerdings mehr und mehr auch in den Betrieben bemerkbar. Rund 30 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass die gesellschaftliche Polarisierung das Betriebsklima belastet. Auch reflektierten Unternehmen zunehmend, „ob politisches Engagement unter veränderten geopolitischen oder innenpolitischen Bedingungen riskanter wird“.

Unternehmen sehen sich in der Verantwortung

Rund 21 Prozent erwarten ‌laut der Studie ‌Nachteile, falls sie sich gegen politische Kräfte in Deutschland engagieren, die US-Präsident Donald ⁠Trump nahestehen. Zugleich signalisieren die Unternehmen Standhaftigkeit: So würden 57 Prozent ihr Engagement für Vielfalt auch dann fortsetzen, wenn eine Regierung Unternehmen von öffentlichen Aufträgen ausschließen ‌würde.

Die meisten Firmen engagieren sich der Studie zufolge bereits, allerdings meist nach ‌innen. „Besonders häufig sind demokratische Werte im Leitbild, Engagement über Verbände oder interne Kommunikation“, erklärte die Bertelsmann Stiftung. „Öffentliche Positionierungen sind deutlich seltener und vor allem bei kleineren Unternehmen umstritten.“

Die Studienautoren befragten von Februar bis April Vertreter von 903 Unternehmen. Zudem wurden 25 Interviews mit Geschäftsleitern und -leiterinnen aus verschiedenen Branchen geführt.

6 Jul 2026

[1] /AfD-Parteitag-in-Erfurt/!6193446

[2] /Oekonomin-Weber-zu-Wirtschaft-unter-Trump/!6047444

TAGS

Unternehmen

Demokratie

Rechtsextremismus

Bertelsmann-Studie

ARTIKEL ZUM THEMA

Standort Deutschland ist attraktiv: Mehr Geld von draußen

Ausländische Geldgeber investieren wieder mehr Kapital in Deutschland. Die meisten Mittel stammen aus der europäischen Nachbarschaft.

Bürgerdialog auf Raddampfer: Wieso ein Familienunternehmen an die AfD vermietet

Die AfD lädt zu einem Bürgerdialog auf einem historischen Raddampfer ein und die Reederei findet das unproblematisch. Das weckt ungute Erinnerungen.

AfD und wehrhafte Demokratie: Was tun, wenn es brennt?

Schützt Zivilgesellschaft vor Rechtsextremismus? Oder gar die deutsche Exportindustrie? Bei einer Tagung in Hofgeismar gibt es darauf sehr viele Antworten.

Familienunternehmer und AfD: Kuscheln mit Rechtsextremen

Der Lobbyverband Die Familienunternehmer will sich der AfD öffnen. Erste Mitglieder treten aus. Gemeinsame Interessen sind aber offensichtlich.

Proxied content from gemini://taz.de/%216193919 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%216193919
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.