taz.de -- Anschlag auf Hausprojekt in Cottbus: Verdacht des versuchten Mordes

Auf das Hausprojekt Zelle 79 ist erneut ein Brandanschlag verübt worden. Polizei ermittelt gegen zwei Tatverdächtige aus dem rechtsextremen Spektrum.

Bild: Zeigt Flagge: Das linke Hausprojekt Zelle 79 in Cottbus nach dem Anschlag am Donnerstag

dpa | Nach einem mutmaßlichen Brandanschlag auf ein alternatives Wohnprojekt in Cottbus ermittelt die Polizei wegen des Verdachts des versuchten Mordes. Die Polizei gehe davon aus, dass die zwei Tatverdächtigen aus dem rechtsextremistischen Spektrum stammten, sagte ein Sprecher. Im vergangenen Jahr war es bereits [1][zu mehreren Angriffen mit Pyrotechnik auf das Wohnprojekt „Zelle 79“] gekommen.

Die Beamten wurden in der Nacht zum Donnerstag alarmiert. Unbekannte hätten mehrere Flaschen gegen die Fassade des Hauses geworfen, die mit brennbaren Flüssigkeiten gefüllt waren, teilte die Polizei mit. Die Beamten konnten einen kleinen Brand nahe dem Wohnprojekt löschen. Verletzt wurde niemand.

„Aufgrund der Tatsache, dass sich zur Tatzeit Personen in dem Haus aufhielten, ermittelt die Polizei zunächst wegen des Verdachts des versuchten Mordes, vorbehaltlich der konkreten Bewertung der Staatsanwaltschaft“, teilte sie mit. Da es sich um ein alternatives Szeneobjekt handle, habe der Staatsschutz eine Ermittlungsgruppe mit der Mordkommission gegründet. Der Schutz werde verstärkt.

Tatverdächtige sollen 15 bis 20 Jahre alt sein

Nach ersten Zeugenaussagen wurden den Ermittlern zufolge zwei Männer bei der Tat beobachtet, die etwa 15 bis 20 Jahre alt und schwarz gekleidet sein sollen. Einer trage eine Tätowierung am linken Unterarm und eine schwarz-weiß-rote Sturmhaube, ein anderer ein Langarm-Shirt mit weißem Aufdruck auf der Brust.

Der Brandanschlag ereignete sich während der [2][Christopher-Street-Day-Aktionswochen in Cottbus]. Die Bewohner:innen des Wohnprojekts hängten am Haus ein CSD-Plakat und eine Regenbogenflagge auf. Lukas Pellio, Sprecher der Initiative Sichere Orte, sagte: „Dieser Brandanschlag ist ein Angriff auf queeres Leben in Cottbus.“

Die Stadt Cottbus – das Zentrum der Niederlausitz – gilt als ein Schwerpunkt des Rechtsextremismus in Brandenburg. Im Frühjahr waren ein antisemitischer Schriftzug und ein schwarzes Hakenkreuz [3][an die Synagoge in der Fußgängerzone der Stadt geschmiert] worden. In den Flur eines alternativen Wohnprojekts, eines anderen als des jetzt betroffenen, wurde eine Leuchtfackel geworfen. Es gab Drohungen unter anderem an der Wohnung [4][eines Studentenpfarrers, der sich gegen Rechtsextremismus engagiert]. Ende April hatten mehrere Hundert Menschen in Cottbus gegen rechte Gewalt demonstriert.

Im vergangenen Jahr gab es bereits mutmaßliche Anschläge auf das Wohnprojekt „Zelle 79“. Kurz vor Silvester sei versucht worden, die Tür mit einem Böller aufzusprengen. In einem anderen Fall sei Pyrotechnik auf das Haus geschossen worden, sagte ein Polizeisprecher.

2 Jul 2026

[1] /Zelle-79-in-Cottbus/!6141843

[2] https://www.csd-cottbus.info/index.php/de/

[3] /Erneute-Straftat-in-Cottbus/!6174399

[4] /Rechte-Gewalt-in-Brandenburg/!6172353

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