taz.de -- Statement gegen Abschottung: 250 Initiativen fordern menschliche Asylpolitik

Vor dem Flüchtlingstag fordern die evangelische Kirche, Pro Asyl und weitere einen radikal anderen Umgang mit Schutzsuchenden. Es brauche globale Lösungen.

Bild: Asylpolitik heute: Abschiebezentrum am Flughafen BER

„Es geht auch anders“, unter diesem Titel rufen mehr als 250 Organisationen und Verbände zu einer menschlichen Asylpolitik auf. Anlass für [1][das Memorandum] ist der Weltflüchtlingstag am Samstag sowie der nahende 75. Geburtstags der Genfer Flüchtlingskonvention. Der Appell ist aber vor allem eine Reaktion auf die jüngsten Verschärfungen des EU-Asylsystems Geas und den Abschottungskurs der schwarz-roten Bundesregierung. Unterzeichnet haben unter anderem die evangelische Kirche, Pro Asyl, die Arbeitswohlfahrt und die Diakonie.

Die Unterzeichner geben sich überzeugt: „Viele Menschen in Deutschland und weltweit teilen unsere Überzeugung, dass Flüchtlingsschutz auf Grund- und Menschenrechten gründen muss.“ Aktuell werde jedoch ein anderer Weg beschritten. Der Zugang zu Schutz würde systematisch eingeschränkt, die Geflüchteten selbst massiv kriminalisiert und unter Druck gesetzt. An den EU-Außengrenzen schlage die Abschottungspolitik zunehmend in offene Gewalt durch Grenzpolizisten um.

Dieser Entwicklung stellt das Memorandum fünf Forderungen entgegen, für eine Politik, die denen Schutz bietet, die ihn brauchen. Es brauche globalen Schutz, durch eine konsequente Anwendung der Genfer Flüchtlingskonvention, einen internationalen Fonds, aus dem kurzfristige Hilfe für Geflüchtete bezahlt werden kann, sowie eine faire internationale Lastenverteilung. Staaten, die wenig Geflüchtete aufnehmen, sollten sich wenigstens finanziell beteiligen.

Grenzen dürften nicht länger Orte der Gewalt und Gefahr sein, stattdessen brauche es etwa staatliche Seenotrettung und geschultes Grenzpersonal. Einmal angekommen, brauche es für Geflüchtete faire Asylverfahren und klare Bleibeperspektiven sowie die Möglichkeit, sich in die Aufnahmegesellschaft einzufinden und über ihr Leben selbst zu bestimmen.

Der Kontrast mit dem Ist-Zustand könnte kaum größer sein. Weltweit schotten sich reichere und sichere Staaten immer mehr gegen Geflüchtete ab. Ausnahmen wie Spanien können nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch die EU versucht, Geflüchtete möglichst fernzuhalten. Die Geas-Reform, die letzten Freitag in Kraft getreten ist, sieht unter anderem [2][Haftlager für Geflüchtete an den Außengrenzen] vor. Deutschland geht noch über die EU-Vorgaben hinaus und will in speziellen Zentren [3][auch bereits eingereiste Geflüchtete inhaftieren], wenn ein anderer EU-Staat für sie zuständig ist.

19 Jun 2026

[1] https://www.proasyl.de/pressemitteilung/

[2] /Fluechtlinge-in-Griechenland/!6184827

[3] /Neuen-EU-Asylsystem-Geas/!6184825

AUTOREN

Frederik Eikmanns

TAGS

Schwerpunkt Flucht

Asyl

Migration

GNS

Social-Auswahl

ARTIKEL ZUM THEMA

Positive Folge der Geas-Reform: Hilfe für Fahim

Mit der Geas-Reform verschlechtern sich die Bedingungen für Geflüchtete. Mit einer Ausnahme: die Gesundheitsversorgung für Kinder.

Auswirkungen von GEAS in Deutschland: „Brot-Bett-Seife ist nicht von der Reform gedeckt“

Das neue EU-Asylsystem GEAS biete trotz vieler Verschärfungen durchaus Verbesserungen, sagt Jurist Constantin Hruschka. Was kommt auf die Geflüchteten zu?

Neuen EU-Asylsystem Geas: In Deutschland drohen Schnellverfahren

Mit dem EU-Asylsystem Geas kann Deutschland nun Asylanträge auf andere europäische Länder abwälzen. Brandenburg testet das schon seit einigen Monaten.

Flüchtlinge in Griechenland: Krisenmodus könnte Dauerzustand werden

Griechenland will die Zahl der ankommenden Flüchtlinge verringern und so viele wie möglich zurückschicken. In Athen begrüßt man die neuen Geas-Regeln.

Proxied content from gemini://taz.de/%216188419 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%216188419
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.