taz.de -- Greenpeace-Studie: Verteidigung in Europa besser als angenommen
Forscher von Greenpeace sehen die Verteidigung in Europa stärker aufgestellt als gemeinhin gedacht. Sie verweisen auf den Zahlenvergleich mit Russland.
Bild: Militärübung der multinationalen Nato-Brigade in Lettland im Februar
dpa/kna | Auch ohne die USA sind die europäischen Nato-Staaten nach einer Greenpeace-Untersuchung Russland in wesentlichen militärischen Kategorien zahlenmäßig überlegen. Zudem investieren [1][die europäischen Nato-Staaten] zusammen mit Kanada mehr in ihre Streitkräfte als Russland, heißt es in der in Berlin vorgelegten Greenpeace-Studie „Europa allein zu Haus?“.
Im vergangenen Jahr hätten die europäischen Verbündeten und Kanada zusammen rund [2][626 Milliarden US-Dollar ausgegeben] (aktuell rund 540 Milliarden Euro). Russland dagegen habe 190 Milliarden US-Dollar ausgegeben.
Besonders deutlich zeige sich die europäische Überlegenheit bei Kampfflugzeugen, so die Autoren der Studie. Sie nennen für die europäische Nato und Kanada 2.215 Kampfflugzeuge, für Russland 1.064. Dies gelte auch für Kriegsschiffe (143 zu 34) und Artillerie (15.896 zu 5.976).
„Europa verfügt über enorme Verteidigungsressourcen. Das gilt laut der jüngsten Untersuchung auch für den Fall, dass sich die USA aus der Nato zurückziehen“, erklären die Autoren. Europas Sicherheitspolitik leide aber unter einem unkoordinierten und teuren Wettlauf um Rüstungsprojekte.
„Debatte geht in die falsche Richtung“
Die Debatte über Aufrüstung in Europa geht nach Ansicht von Greenpeace in eine falsche Richtung. „Die gigantischen, zusätzlichen finanziellen Mittel, wie sie jetzt allenthalben zur Verfügung gestellt werden, zementieren lediglich die vorhandenen Missstände“, heißt es in der am Dienstag in Hamburg vorgestellten Studie der Organisation. Dramatisch sei, dass die auf diese Weise verschwendeten Summen ins schier Unermessliche wüchsen. „Diese Mittel werden dann in anderen Bereichen schmerzlich fehlen.“
Stattdessen plädieren die Autoren für mehr Zusammenarbeit auf europäischer Ebene – auch mit Blick auf die aktuelle Bedrohung durch Russland. „Wer Europas Sicherheit allein mit immer mehr Milliarden und neuen Waffen garantieren will, übersieht die wahren Probleme: fehlende Kooperation, teure Doppelstrukturen und nationale Egoismen“, so der Experte für Frieden und Abrüstung bei Greenpeace, Alexander Lurz. „Sicherheit entsteht nicht durch blinde Aufrüstung, sondern durch eine gemeinsame Verteidigungspolitik mit Augenmaß.“
26 May 2026
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