taz.de -- Höheres Rentenalter: Deutsche arbeiten schon heute länger und sterben früher

Neue Daten: Im Vergleich mit Nachbarn leben die Deutschen nach Renteneintritt nicht mehr lange. Die Linke schlussfolgert: Bloß nicht noch mehr ackern.

Bild: Statistisch gesehen im Nachteil: ein älteres Paar in Schwerin

Bis Ende Juni [2][soll eine Sachverständigenkommission] im Auftrag der Regierung Vorschläge für eine Rentenreform machen. Laut Einsetzungsbeschluss soll sie unter anderem über „eine Verlängerung von Lebensarbeitszeit“ nachdenken – also auch über eine Rente [3][erst ab 68 Jahren oder noch später.] Weil die Deutschen immer länger leben, müssen sie auch länger arbeiten: In der Politik ist diese Forderung [4][schon jetzt verbreitet.]

Die Linksfraktion im Bundestag stellt sie nun mit neuen Daten infrage: Demzufolge bleibt den Deutschen im internationalen Vergleich ohnehin schon weniger Zeit, um Rente zu kassieren.

In Westeuropa hat Deutschland das dritthöchste Renteneintrittsalter. In Dänemark und den Niederlanden liegt die Regelgrenze bereits bei 67 Jahren, in Deutschland steigt sie schrittweise auf denselben Wert und liegt im Moment bei 66,2 Jahren.

Gleichzeitig liegen wir bei den verbleibenden Lebensjahren weit hinten. Die 65-jährigen Männer sind mit einer Restlebenserwartung von durchschnittlich 18 Jahren Schlusslicht in Westeuropa, die gleichaltrigen Frauen mit 21,2 verbleibenden Jahren auf dem vorletzten Platz.

Der Vergleich beruht auf Daten, die die Linken-Abgeordnete Sarah Vollath Ende März [5][durch eine Kleine Anfrage erhalten hat] und die das Sozialministerium jetzt durch eine Nachlieferung ergänzt hat. Er bezieht sich auf diejenigen EU-Staaten, die schon vor 2004 Mitglied im Staatenverbund waren. Die zumeist weniger wohlhabenden neuen EU-Mitglieder sind nicht berücksichtigt. Auch wird neben den gesetzlich vorgesehenen Renteneintrittsaltern nicht verglichen, wann die Menschen im Schnitt tatsächlich in den Ruhestand gehen.

Linke nennt Österreich als Vorbild

„Deutschland will im EU-Vergleich immer Spitzenreiter sein. Das ist auch der Fall, wenn es um die Frage geht, wie lange die Menschen bei uns arbeiten müssen“, sagte die Abgeordnete Vollath der taz. „Die traurige Wahrheit ist aber, dass wir bei der Lebenserwartung ziemlich weit hinterherhinken. Das passt hinten und vorne nicht zusammen!“

Die Linke kämpfe gegen eine weitere Anhebung der Regelaltersgrenze. Als Vorbild nannte Vollath Nachbarländer wie Österreich, die rentenpolitisch „teilweise sehr viel besser aufgestellt“ seien. [6][Ins österreichische Rentensystem] zahlen fast alle Beschäftigten ein. Die Renten dort sind im Schnitt höher als in Deutschland. Das Eintrittsalter liegt unter dem deutschen: für Männer bei 65 Jahren, für Frauen derzeit noch darunter. Und dann leben die Österreicher*innen auch noch länger als wir.

Die Regelaltersgrenze in Deutschland lag vor 2012 bei 65 Jahren, wird schrittweise erhöht und soll Ende 2030 bei 67 Jahren ankommen. Die Lebenserwartung steigt nicht im selben Tempo: Bis sie um 2 Jahre zugenommen hat, dauert es bei den Männern laut statistischen Berechnungen im besten Fall noch bis 2035 und im schlechtesten bis 2056. Bei Frauen soll es sogar erst zwischen 2039 und 2069 so weit sein. Diese Zahlen gehen ebenfalls aus der Antwort auf Vollaths Anfrage hervor [7][und liegen seit einigen Wochen vor.]

1 May 2026

[2] /Rentenkommission/!6138782

[3] /Rente-mit-70-und-Arbeitsbelastung/!6155950

[4] /Rentenplaene-von-Katherina-Reiche/!6169755

[5] https://dserver.bundestag.de/btd/21/046/2104646.pdf

[6] /Rentensystem-Was-Deutschland-von-Oesterreich-lernen-kann/!6133069

[7] /Rentenalter-und-Lebenserwartung/!6168018

AUTOREN

Tobias Schulze

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