taz.de -- Schwimmen im Berliner Spreekanal: Ab sofort wird geflaggt

Noch immer sperrt sich der Senat gegen das Baden in der Spree. Der Flussbad-Verein wehrt sich mit Badedemos und aktuellen Prognosen der Wasserqualität.

Bild: Schwimmdemo des Flussbad-Vereins im August 2025

Auf dem Flaggenmast weht es an diesem Montag grün. Der Sprung in den kühlen Spreekanal wäre damit möglich. Das ist das Ergebnis eines [1][neuen Prognosesystems], mit dem der Verein Flussbad Berlin die Wasserqualität für alle sichtbar macht. „Die Qualität ist an den meisten Tagen im Jahr ausreichend, um in der Spree schwimmen zu gehen“, sagt Jan Edler vom Flussbad-Verein bei einem Pressegespräch im [2][Flussbadgarten].

Auch in Paris, wo nach den Olympischen Spielen 2024 mehrere Badeanstalten an der Seine eröffnet wurden, wird die Wasserqualität regelmäßig überprüft. Das Gleiche gilt für Kopenhagen, Amsterdam und Rotterdam. Schwimmen im Fluss, das hat inzwischen europäische Dimensionen angenommen.

Nur Berlin schert mal wieder aus der Reihe. Über die Spree wurde schon 1998 ein generelles Badeverbot verhängt – ganz egal, ob das Wasser wie an diesem Montag Badewasserqualität hat oder nicht. So sieht es die [3][Badegewässerverordnung] des Landes Berlin vor.

Seit Jahren weigert sich der Senat, die Verordnung zu ändern und das Verbot aufzuheben. Kompatibel mit EU-Recht wäre das. Denn neben den ausgewiesenen Badegewässern gibt es auch einen rechtlichen Graubereich. Danach können die Menschen auf eigenes Risiko in ihren Flüssen schwimmen. Städte wie Paris nutzen diesen Graubereich. Berlin tut es nicht.

Um zu demonstrieren, dass die Spree keine Kloake ist, hat der Verein zusammen mit dem [4][Kompetenzzentrum Wasser Berlin] das neue Prognosesystem entwickelt, zu dem auch Stichproben gehören, die zur Kontrolle im Labor ausgewertet werden. Auf dem Handy oder am Rechner lassen sich nun Informationen zur aktuellen Wasserqualität im Spreekanal abrufen. Und mit ihr auch die dazugehörigen Farben, in denen der Mast beflaggt wird: Grün für eine gute und ausreichende Qualität, grau für grenzwertig, rot für schlecht.

Qualität an acht von zehn Tagen gut

Auch eine Bilanz des Monitorings der beiden vergangenen Jahre hat der Verein zusammengestellt. In über 80 Prozent aller Tage war die Qualität des Wassers in 2024 und 2025 ausreichend, um darin zu baden.

Für Jan Edler ist das Thema Flussbaden in Berlin längst keine wissenschaftliche, sondern eine politische Frage. Ein Beispiel dafür sei eine Erklärung des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) vom Dezember 2025. Damals hatte das Lageso mitgeteilt, dass „eine Ausweisung des Spreekanals als Badegewässer in Hinblick auf die hygienische Situation und verbundener gesundheitlicher Risiken für Badende derzeit nicht zu befürworten“ sei.

Für Edler ist die Erklärung irreführend, weil es nie darum gegangen sei, den Spreekanal als Badegewässer einzuordnen. „Badegewässer müssen eine konstant gute Qualität haben“, so Edler. „Das ist bei einem dynamischen Gewässer wie der Spree natürlich nicht der Fall.“

Nun will der Verein weiter Druck machen. Eine erste Schwimmdemo gegen das Badeverbot ist für den 20. Mai geplant. Bis zur Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September soll es jeden Monat am 20. eine solche Demo geben.

Damit verbunden ist auch die Hoffnung, dass ein neuer Senat das Badeverbot beenden könne. Sowohl SPD als auch Linke und Grüne haben sich in ihren Wahlprogrammen für das Flussbad ausgesprochen.

28 Apr 2026

[1] https://panel.badberlin.info/

[2] https://www.flussbad-berlin.de/mitmachen-erleben/fluss-bad-garten

[3] https://www.berlin.de/lageso/gesundheit/gesundheitsschutz/badegewaesser/rechtliche-grundlagen/

[4] https://kompetenz-wasser.de/de

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Uwe Rada

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