taz.de -- Ostern in Jerusalem: Die Straßen der Altstadt sind menschenleer

Israels Polizei hält Gläubige von den religiösen Feierlichkeiten in der besetzten Ostjerusalemer Altstadt fern. In Westjerusalem bleibt alles normal.

Bild: Alles dicht: In der Altstadt von Jerusalem, Samstag, 5. April

Leere Straßen, geschlossene Heiligtümer und Feiern in kleinstem Kreis: Die religiösen Feierlichkeiten zum Osterfest und zu Pessach haben dieses Jahr in Jerusalem unter beispiellos scharfen Einschränkungen stattgefunden. Das Gebetsleben geht hinter verschlossenen Türen weiter, ohne Pilger und fast ohne Gläubige. Der seit mehr als einem Monat andauernde Nahostkrieg wirft nach dem muslimischen Ramadan seinen Schatten nun auch auf die jüdischen und christlichen Feste.

Ein Großaufgebot der israelischen Polizei kontrolliert seit Donnerstag die Zugänge zur Jerusalemer Altstadt, mit teils starken Einschränkungen. Normalerweise würden Zehntausende Menschen durch die engen Gassen zu den heiligen Stätten ziehen. Die aber sind seit dem 28. Februar, dem Beginn des US-israelischen Krieges gegen Iran, auf behördliche Anweisung geschlossen.

Kirchenvertreter zeigten durch einen Ausschluss der Öffentlichkeit von den zentralen Kar- und Osterfeiern Kooperationsbereitschaft. Absurd seien jedoch „die merkwürdigen Doppelstandards“, sagte der Abt der deutschsprachigen Benediktiner, Nikodemus Schnabel, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Während die Altstadt von Jerusalem, die zwar von Israel annektiert wurde, aber zum besetzten Ostjerusalem zählt, komplett geschlossen sei, sei wenige Meter entfernt im zu Israel gehörenden Westjerusalem in der Einkaufsstraße Mamilla alles geöffnet; Menschen säßen in Cafés.

In der [1][Grabeskirche] feierte am Sonntagmorgen der lateinische Patriarch von Jerusalem, [2][Kardinal Pierbattista Pizzaballa], bei geschlossenen Türen und im Kreis der in der Kirche lebenden Ordensleute den Ostergottesdienst und rief dazu auf, sich aktiv für die Auferstehungsbotschaft zu entscheiden. „Ostern ist kein Satz, den man wiederholt; es ist eine Tür, durch die man hindurchgehen muss.“ Die Auferstehung sei „die einzige Hoffnung, die hier und jetzt noch die Tore des Friedens öffnen kann“.

Einschränkungen auch am kommenden Wochenende

Auch die orthodoxen Osterfeierlichkeiten am kommenden Wochenende werden von massiven Einschränkungen betroffen sein. Die israelische Polizei erklärte, die komplexe Sicherheitslage mache es notwendig, dass die Liturgien in einem eingeschränkten Rahmen stattfinden. Das [3][griechisch-orthodoxe Patriarchat von Jerusalem] zeigte sich in einer offiziellen Erklärung betroffen. Man nehme die Beschränkungen zur Kenntnis, werde aber nicht im Bemühen um den Erhalt der christlichen Präsenz, den Schutz der heiligen Stätten und der Religionsfreiheit nachlassen. In der Erklärung wird auch auf die menschenunwürdige Lage der Bewohner von Gaza hingewiesen.

Kriegsbedingt durfte auch der traditionelle jüdische Priestersegen ([4][Birkat Kohanim]) am Sonntag in Jerusalem nur mit großen Einschränkungen gefeiert werden. Statt der Hunderten Nachkommen der jüdischen Priester spendeten 50 Auserwählte den Segen. Die üblicherweise Zehntausenden jüdischen Pilger, die sich in anderen Jahren an der Klagemauer drängen, um den Segen zu empfangen, mussten sich diesmal mit der Live-Übertragung im Internet begnügen. (kna, taz)

6 Apr 2026

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Grabeskirche

[2] https://en.wikipedia.org/wiki/Pierbattista_Pizzaballa

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Theophilos_III._von_Jerusalem

[4] https://en.wikipedia.org/wiki/Priestly_Blessing

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