taz.de -- Die Wahrheit: Stups für die Erdrotation

Die Erde schlingert momentan arg elliptisch durchs Universum. Schuld ist der mangelnde Ausbau von Windrädern, die unseren Planeten rotieren lassen.

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Man will ja nicht unken. Aber dass der offensichtliche Kausalzusammenhang zwischen dem Rückbau der Windkraftanlagen und dem sinkenden Tempo der Erdrotation niemandem auffällt, ist verwunderlich. Auf welche Weise soll ein majestätischer Planet wie der unsrige denn bitteschön seinen elliptischen Kurs im Fahrwasser des Universums halten, wenn seine Außenbordmotoren nach und nach abgestellt werden?!

Dabei kennt man den Zusammenhang bereits seit über 4.000 Jahren, als die Wissenschaftler im alten Ägypten zunächst die Windmühle erfanden, um der sich zu verringern drohenden Erddrehungsgeschwindigkeit einen kleinen Stups zu geben. Selbstverständlich waren es, wie bei den meisten großen technischen Errungenschaften, persische Gelehrte, die die Windmühle weiterentwickelten; im 12. Jahrhundert standen die Erdpropeller in Form von sogenannten „Bockwindmühlen“ überwiegend in den Beneluxländern. Vor allem das kleine Holland sorgte dafür, dass der Tag 24 Stunden hat – bis heute ärgern sich die Kaaskoppe darüber, dass dennoch nicht ihr Land, sondern ein unbedeutender Vorort von London Sitz des sogenannten „Nullmeridian“ ist, anhand dessen die Weltzeit gemessen wird.

Im 17. Jahrhundert trat ein ominöser Ritter von der traurigen Gestalt einen nihilistischen Kriegszug gegen Windmühlen an und machte fast im Alleingang die meisten von ihnen dem Erdboden gleich. Die tibetische Gebetsmühle, die daraufhin von eifrigen Buddhisten als Alternative angeboten wurde, war zwar eine hübsche Idee, erzeugte aber einfach zu wenig Wind für unseren schweren Planeten. Um die herausfordernde Aufgabe auf die Allgemeinheit, speziell auf die Rücken wenig beschäftigter Rentner abzuwälzen, erfand man Kaffeemühlen, die beim Kurbeln Lieder wie „Alles neu macht der Mai“ spielten und eine große Anziehungskraft auf Großmütter haben sollten, dazu einfach zu handhabende Pfeffermühlen für alle, die es schärfer mochten. Doch trotz fleißigen kollektiven Kurbelns reichte der Luftzug immer noch nicht. Forscher brauchten eine Weile, ehe sie Ende des 19. Jahrhunderts eine neue Lösung ausknobeln konnten und das viel effektivere Windrad erfanden.

Und genau das soll nun unter Angabe von fadenscheinigen Gründen abgebaut werden, während man mit der weiteren Einlagerung von Atommüll die Welt ohnehin zu einem unbewohnbaren Ort macht. Gleichzeitig möchte man angeblich die Erdbremsung verhindern.

Als Universalgelehrte sehe ich jedoch eine Möglichkeit, dieser Entwicklung entgegenzuwirken: Anstelle von Windrädern ließen sich mit ein paar Umbauten die Riesenräder dieser Welt schnell und preisgünstig zu neuen, effektiven Erd-Außenbordmotoren aufrüsten. Ich habe dementsprechende Pläne bereits an den „High Roller“ in Las Vegas, das „London Eye“ und das Wiener Riesenrad im Prater geschickt. Zugegeben, die Rotationsgeschwindigkeit müsste etwas erhöht werden. Aber ich habe einen robusten Magen.

1 Apr 2026

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Jenni Zylka

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