taz.de -- Fische und Fernsehen: Laichen im Livestream

Auf der Suche nach TV-Alternativen? Wie wäre es mit einem interaktiven Fischstream? Hier können Sie Fischen das Tor in eine laichende Zukunft öffnen.

Bild: Klingelingeling: Ich muss hier durch schwimmen

Fische haben einen großen [2][Vorteil gegenüber Wölfen]: Wenn sie die Infrastruktur von Städten nutzen wollen, werden sie den Menschen meist nicht gefährlich – und also auch nicht so behandelt.

Selten hört man, ein Barsch habe sich in ein Einkaufszentrum verirrt und dort – von Verwirrung und besorgten Primaten in die Enge getrieben – jemandem ins Gesicht gebissen.

Auch weil so ein Barsch recht selten das Wasser verlässt. Wenn er nun die Grachten der Stadt Utrecht nutzen will, ja vielleicht muss, um seinen Laichplatz zu erreichen, geraten dennoch Menschen in Panik – und klicken auf eine digitale Klingel.

[3][Visdeurbel.nl], das heißt so viel wie Fischtürklingel, überträgt live ein Video aus der Gracht. Das Bild ist wässrig verschwommen, graugrün. Fast kann man das Moos riechen. Wie eine unappetitliche, karge Version des alten Windows-Korallenriff-Bildschirmschoners. Die Lust reinzuspringen hält sich in Grenzen, die Lust raufzuschauen ist allerdings überraschend groß.

Denn gelegentlich schwimmt dann doch ein Fisch durchs Bild. Jetzt schnell auf die Türklingel neben dem Video klicken! So erstellen User*innen Screenshots, die Expert*innen begutachten, um zu entscheiden, wann die Schleuse Weerdsluis für die Fische geöffnet wird. Die ist nämlich im Frühling eigentlich noch geschlossen, weil zu wenige Boote fahren.

Ein Problem für die Fische, für das sich Ökolog*innen 2021 die Live-Cam ausgedacht haben. Seitdem folgen jedes Jahr mehrere Millionen User*innen dem Stream und hoffen, den Fischen das Tor in eine laichende Zukunft öffnen zu können. Mehrere Tausend Menschen schauen teilweise zu, warten mal drei Minuten, mal über eine Stunde, bis sie tatsächlich etwas sehen.

Weil es so schön entschleunigt? Weil man endlich mal ganz leicht etwas für die Umwelt tun kann? Egal. Spätestens im Sommer am Badesee denken wir dann doch nicht mehr so lieb an Fische. Hat mich da etwa was am Bein gestreift?

[4][https://visdeurbel.nl], von März bis Juni

11 Apr 2026

[2] /Ende-des-Hamburger-Wolfszwischenfalls/!6168909

[3] https://visdeurbel.nl/

[4] https://visdeurbel.nl/

AUTOREN

Johannes Drosdowski

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Fische

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