taz.de -- Die Wahrheit: Haie gegen Touris
Neues aus Neuseeland: Für alle reiselustigen Freunde des naturgewaltigen Inselreichs Aotearoa gibt es schlechte Nachrichten – es wird gefährlich …
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Der Südhalbkugelsommer geht zu Ende, die Backpacker verlassen die Strände, und alles könnte so idyllisch sein. „Welcher Sommer?!“, fragen wir uns heimlich hinter vorgehaltener Hand, da wir nicht als Meckerdeutsche unter positiven wie wetterfesten Kiwis anecken wollen. Doch auch denen ist die Freude an der Spätsaison abhandengekommen.
Silvester fiel bereits ins Wasser und damit all die Musikfestivals, da Zelten im Matsch unmöglich wurde. So ging es feucht weiter durch die Schulferien, bis uns der Februar schwere Überschwemmungen bescherte. Aus dem kleinen Kaff Little River wurde Big River: alles mit Schlick bedeckt – wie vor 15 Jahren nach dem schweren Erdbeben in Christchurch.
Dass meine Kolumne nicht vom neuseeländischen Fremdenverkehrsamt mitfinanziert wird, sollte klar sein. Womöglich wird mich Tourism NZ gar auf eine schwarze Liste setzen, weil ich hier die schlechte Nachricht verbreite, dass wir als Urlaubsdestination nur noch begrenzt taugen. Denn wer so viel tolle Natur zu bieten hat, hat entsprechend viele Naturkatastrophen.
Ohne sich verschiebende Tektonenplatten würde unser kleiner feiner Kontinent gar nicht existieren. Die steilsten Berge und heißen Quellen haben wir Vulkanen zu verdanken. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Metropole Auckland in den nächsten 50 Jahren einen höllischen Lavaausbruch erleben wird, liegt statistisch bei zehn Prozent. Genauso hoch ist die Erdbebenchance für die Hauptstadt Wellington.
Langfristige Verluste
Als der globale Rückversicherer Lloyds die langfristigen Verluste von Ländern durch Naturkatastrophen ausrechnete, kam Neuseeland an zweiter Stelle – hinter Bangladesch. Jährlich verlieren wir rund ein Prozent des Bruttosozialprodukts an Unwetter, Beben und ähnliche Desaster. Verschlimmert wird alles durch Urbanisierung, Rodung und Agrikultur.
Trotzdem wollen fanatische Fernwehsüchtige sich weiterhin unseren unsicheren Inseln aussetzen. Garantiert wird im deutschen Winter bereits nach Flügen gegoogelt in der Fehlannahme, bei uns gäbe es zwar ein seismisches Risiko und Regen satt, falls man Pech habe, aber dafür keine gefährlichen Tiere wie in Australien. Falsch, liebe Reisefreunde. I have bad news for you.
50 Jahre nachdem der Horrorfilm „Der weiße Hai“ dazu führte, dass besagter weißer Hai weltweit um ein Zehntel ausgerottet wurde, hat er sich in unseren Gewässern wieder rehabilitiert. In Southland, wo die feuchten Fleischfresser schon seit fast 20 Jahren geschützt sind, hat die Spezies sich so breitgemacht, dass die US-Serie „Shark Week“ zuletzt auch in Aotearoa gefilmt wurde.
25 Millionen Zuschauer konnten sich für Phred, Daisy und Slash begeistern – und vor ihnen gruseln. Der Star der Show misst fast sechs Meter und trägt eine beeindruckende Narbe im Gesicht. Dann lieber Schlamm wegschaufeln, als mit Slash dem Hai schwimmen? Abenteuerurlaub, garantiert.
5 Mar 2026
AUTOREN
Anke Richter
Neuseeland
Tourismus
Hai
Natur
Kolumne Die Wahrheit
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