taz.de -- Die Wahrheit: Einen Valentin kastrieren
Boshaftigkeiten rund um den Valentinstag haben Tradition, es ging auch früher nicht stets nett zu. Die alten Römer trieben es besonders stumpf.
Bild:
Vorigen Samstag war Valentinstag. Da es an Wochenenden in Irland keine Postzustellung gibt, bekam niemand eine Valentinskarte. Das war vielleicht auch gut so. Nicht jede Liebesgeschichte nimmt nämlich ein märchenhaftes Ende. Die Tierschutzorganisation Galway Society for Prevention of Cruelty to Animals will das ausnutzen. „Manchmal klappt es einfach nicht, und loszulassen kann schwieriger sein, als wir erwarten“, [1][heißt es auf deren Webseite.]
Um etwas Geld in die klamme Kasse zu spülen, bietet man einen besonderen Service an. „Wenn Sie nach einem symbolischen Schlussstrich unter ihre Beziehung suchen und gleichzeitig etwas Gutes tun wollen, lassen Sie ihren Ex kastrieren“, empfehlen die Tierschützer. Das ist allerdings auch in Irland verboten. Deshalb schränkt man sicherheitshalber ein: „Für 30 Euro benennen wir einen streunenden Kater nach Ihrem Ex und kastrieren ihn.“
Das helfe, die Überpopulation zu reduzieren und das Leben der streunenden Katzen zu verbessern. Und außerdem: „Das ist therapeutisch für Sie!“. Wenn man aber dazu noch nicht bereit sei, könne man für fünf Euro einen sanfteren Abschluss erwägen und einer Katze einer Parasitenbehandlung im Namen des Ex-Partners spendieren.
Die Boshaftigkeiten rund um den Valentinstag haben durchaus Tradition, es ging auch früher nicht immer nett zu. Die Römer feierten am 15. Februar das Fest der Lupercalia – vom lateinischen lupus für „Wolf“ und calidus für „heiß“: das heiße Wolfsfest. Die Männer opferten eine Ziege und einen Hund und peitschten junge Frauen mit den Häuten der Tiere aus. Sie glaubten dumpf und stumpf, dass diese dadurch fruchtbar würden.
Außerdem war es im alten Rom Sitte, dass Mädchen an diesem Tag eine Lotterie veranstalteten. Sie zogen die Namen der jungen Männer, die sie auf Zettel geschrieben hatten, aus einem Hut und hefteten sie sich an die Toga. Dann kamen die Jungen in den Saal und suchten das Mädchen, das ihren Namen trug.
Was dann geschah, war für spätere Pfaffen eine Horrorvorstellung, und sie bogen sich deshalb, wie so oft, den heidnischen Brauch in ihrem Sinne zurecht. Sie zwangen Mädchen, an diesem Tag die Namen von Heiligen auf die Zettel zu schreiben. Der Heilige, den jene aus dem Hut zogen, sollte ihnen als Vorbild dienen.
Papst Gelasius I. verbot im Jahr 494 die Feier der Lupercalia. Stattdessen begannen die Menschen, den Valentinstag zu feiern, den Gelasius 496 kurz vor seinem Tod unters Volk brachte. Im Kirchenkalender ist der 14. Februar der Gedenktag des Heiligen Valentin, offenbar wurden an dem Tag im Laufe der Zeit zwei oder drei Valentins hingerichtet. Auf welchem der Märtyrer der Feiertag basiert, ist ungewiss.
Jedenfalls machte der Dichter Geoffrey Chaucer den Valentin dann noch im Spätmittelalter populär. In seinem [2][Gedicht „Parlement of Foules“] behauptete er, dass „Seynt Valentynes Day“ der Tag sei, an dem die Vögel ihre Paarungszeit beginnen. Chaucer war eben Dichter, und kein Ornithologe.
16 Feb 2026
LINKS
[1] https://gspca.ie/products/valentines-day
[2] https://en.wikipedia.org/wiki/Parlement_of_Foules
AUTOREN
Ralf Sotscheck
Irland
Satire
Valentinstag
Römer
Katholische Kirche
Papst
Misogynie
Tierschutz
Kolumne Die Wahrheit
ARTIKEL ZUM THEMA
Die Wahrheit: In der Schlange spricht man nicht
Ein Jahr ihres Lebens verbringen Engländer mit dem Warten, wenn sie sich irgendwo anstellen. Deshalb schmeckt das Bier im Pub auch so schal.
Die Wahrheit: Alkohol als Köder
Irlands Tourismusbranche schwächelt trotz hochprozentiger Lockrufe, jetzt werden schon Polizisten in Fremdenverkehrseinrichtungen einquartiert.
Die Wahrheit: Staatliches Sandmännchen
Vor 69 Jahren endete ein bizarres TV-Ritual: Bis dahin war die BBC gesetzlich dazu verpflichtet, für eine Stunde das Fernsehprogramm zu unterbrechen.
Die Wahrheit: Goldbarren im Wrack
In den Irlands Küsten umspülenden Meeren findet sich eine ganze Flotte untergegangener Wasserfahrzeuge mit manchmal wertvoller Fracht an Bord.
Die Wahrheit: Irische Symptome
Auf der grünen Insel benehmen sich manche Einwanderer irischer als die Einheimischen, während Iren mit englischem Akzent anecken.
Die Wahrheit: Trumps irischer Anbau
Nicht nur am Weißen Haus, sondern auch in seinem Golfresort auf der Grünen Insel will der amerikanische Präsident einen Ballsaal bauen lassen.