taz.de -- Nominierter neuer Fed-Chef: Keine Angst vor Warsh
Die Börsen bleiben angesichts der neuen Personalie gelassen. Denn der mögliche neue Fed-Chef ist kein allmächtiger Zinszar.
Bild: Möglicher neuer Fed-Chef: der Jurist Kevon Warsh
Es war ein klares Zeichen: Die Börsenkurse tendierten nur leicht ins Minus, als am Freitag bekannt wurde, dass US-Präsident Donald Trump den [1][Juristen Kevin Warsh] zum nächsten Chef der Notenbank Fed küren will. Die Investoren scheinen also nicht zu fürchten, dass Warsh großen Schaden in der amerikanischen Zinspolitik anrichten wird. Die Börsen bleiben gelassen, weil die Leitzinsen nicht allein vom Fed-Chef beschlossen werden, sondern von einem zwölfköpfigen Gremium. Warsh wäre also kein allmächtiger Zinszar, falls er vom US-Senat bestätigt wird.
Zudem ist Warsh kein Unbekannter. Er hat schon einmal, von 2006 bis 2011, dem Fed-Direktorium angehört. In dieser Zeit hat er alle Entscheidungen mitgetragen, die während der Finanzkrise nötig waren – und nicht weiter gestört. Trotzdem ist es zunächst erstaunlich, dass die Börsen so ruhig bleiben, denn Warsh ist ein gnadenloser Opportunist. Um Fed-Chef zu werden, propagiert Warsh, was Trump gern hören will: Die Leitzinsen müssten drastisch sinken, um die Wirtschaft anzukurbeln. Warsh ging sogar so weit, einen „Regimewechsel“ bei der Fed zu fordern.
Trump verlässt sich gern auf persönliche Loyalitäten, und auch da passt Warsh ins Bild. Er ist der Schwiegersohn von Milliardär Lauder, mit dem Trump seit Jahrzehnten befreundet ist – und der als erster die Idee hatte, dass Trump doch Grönland annektieren könnte. Trotz dieser engen Bindungen vertrauen die Börsianer darauf, dass sich Warsh der Macht des Faktischen beugen wird. Ein Vorbild gibt es schon: den [2][jetzigen Fed-Chef Jerome Powell]. Auch er startete als Trump-Wunschkandidat, um bald die Weisungen aus dem Weißen Haus zu ignorieren.
Diesen Weg dürfte auch Warsh nehmen, denn Trumps Forderungen sind absurd. Die Fed kann die Leitzinsen nicht auf ein Prozent senken, wenn die Inflation bei 2,7 Prozent liegt. Der Realzins wäre dann negativ und jeder Kredit faktisch umsonst. Die Nachfrage würde explodieren – und die Preise auch. Diese Zusammenhänge sind schlicht – und [3][nur für Trump zu hoch].
1 Feb 2026
LINKS
[1] /Nominierung-fuer-Vorsitz-der-US-Notenbank/!6150079
[2] /Drohende-Anklage-gegen-US-Notenbank/!6144878
[3] /Die-USA-unter-Donald-Trump/!6142328
AUTOREN
Ulrike Herrmann
ARTIKEL ZUM THEMA
US-Notenbank mit neuem Chef: Die Personalie Kevin Warsh ist ein Politikum
Der neue Chef der US-Notenbank ist ein Favorit von Trump, die Demokraten sehen das mit Skepsis. Im Hintergrund geht es um die Unabhängigkeit der Fed.
Trump gegen Notenbankchef: US-Richter stoppt Ermittlungen gegen Jerome Powell
Ein Bundesrichter macht den Ermittlungen gegen den Chef der Federal Reserve vorerst ein Ende. Er sieht Hinweise, dass das Weiße Haus Druck auf die Notenbank ausüben wollte.
Streit um neuen Chef der US-Notenbank: Widerstand gegen Powell-Nachfolger aus den eigenen Reihen
Ein republikanischer Senator will Donald Trumps Kandidaten für die Spitze der US-Notenbank Fed blockieren. Gegenwind droht auch von den Demokraten.
Kryptowährungen brechen ein: Bitcoin fällt unter 80.000 Dollar
Nach Trumps Nominierung des neuen Kopfes der Federal Reserve gerät der Kryptomarkt unter Druck. Auch Edelmetalle wie Gold und Silber fallen im Kurs.
Nominierung für Vorsitz der US-Notenbank: Vom Ex-Direktor zum Chef
Ökonom Kevin Warsh hat sich im Rennen um den Vorsitz der US-Notenbank durchgesetzt. US-Präsident Trump nominierte ihn als Nachfolger Jerome Powells.
Wirtschaft in den USA: Zwischen potenziellem Shutdown und KI-Hype
Die US-Notenbank lässt den Leitzins unverändert. Ihr Chef Powell rät seinem Nachfolger zu Distanz zu Trump. Tesla setzt auf Robotik und Meta auf KI.