taz.de -- Brandkatastrophe in Crans-Montana: Barbetreiber nach Verhör in U-Haft

In der Schweiz nehmen rund 1.000 Personen an der offiziellen Trauerfeier teil, die aus Platz- und Wettergründen an einem anderen Ort stattfand.

Bild: Schweigeminute für die Opfer in Crans-Montana, wohin die Trauerfeier aus Martigny auf Leinwände übertragen wurde

Das Betreiber-Paar der in der Silvesternacht im Schweizer Ski-Ort Crans-Montana abgebrannten Bar „La Constellation“ ist am Freitag erstmals verhört worden. Bei dem Feuer waren 40 Personen gestorben und über 114 zum Teil schwer verletzt worden. Von ihnen sind [1][noch 83 in Krankenhäusern].

Das französische Ehepaar, das die Bar betrieb, war am Morgen bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis in Sitten eingetroffen und anschließend über sechs Stunden lang von den Ermittlungsbehörden befragt worden. Danach wurde der Mann in Untersuchungshaft genommen, hieß es aus Ermittlerkreisen.

Es war die erste Befragung der Bar-Besitzer, seit am 3. Januar ein Strafverfahren wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und Körperverletzung gegen sie eröffnet worden war. In einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung hatte das Paar eine „vollständige Zusammenarbeit“ mit den Ermittlungsbehörden zugesagt.

Am Freitagnachmittag gedachte die Schweiz offiziell der meist jungen Opfer. Die Trauerfeier fand nicht in Crans-Montana statt, weil der Ort nicht so viel Platz bietet und zudem wegen starken Schneefalls schwer zugänglich war, sondern in Martigny gut 50 Kilometer südwestlich.

Rettungskräfte trauern mit weißen Rosen

Nach einer Schweigeminute um 14 Uhr läuteten fünf Minuten lang landesweit die Kirchenglocken. Die Todesopfer stammten aus 19 Ländern, neben der Schweiz auch unter anderem neun aus Frankreich und sechs aus Italien. Deswegen nahmen auch der französische Staatschef Emmanuel Macron und Italiens Präsident Sergio Mattarella an der Trauerfeier teil.

Auch zahlreiche Rettungskräfte zählten zu den etwa tausend Gästen, die zur Erinnerung an die Brandopfer weiße Rosen in den Händen hielten. Bundespräsident Guy Parmelin sagte in seiner Rede, die Schweiz sei „bestürzt wegen dieser Tragödie“. Ob die Überlebenden wieder Hoffnung schöpften, hänge auch „von der Fähigkeit unseres Justizsystems ab, Versäumnisse ohne Verzögerungen und Nachsicht ans Licht zu bringen und zu bestrafen“.

Ersten Ermittlungserkenntnissen zufolge wurde der Brand im Keller der Bar offenbar [2][durch Party-Fontänen ausgelöst], die an Champagnerflaschen angebracht waren und zu nahe an die Decke gehalten wurden. Die Ermittlungen konzentrieren sich unter anderem auf die Frage, ob die Schaumstoffdämmung an der Kellerdecke den Brandschutzvorschriften entsprach. Laut des Gemeinderats hatte die letzte der jährlich vorgeschriebenen Brandschutzinspektionen im Jahr 2019 stattgefunden.

9 Jan 2026

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