taz.de -- Bulgarien hat den Euro: Kein Weg zurück

Der Euro ist nicht nur eine Währung, sondern ein Kitt. Bulgarien hat sich mit dem Euro dauerhaft für Europa, die EU und den Binnenmarkt entschieden.

Bild: So sieht der Euro aus, schalalala-la!

Es ist historisch: Bulgarien ist als 21. EU-Staat dem Euro beigetreten. Dies ist ein Sieg der Pro-Europäer im Land, denn es gibt kein Zurück. Die prorussischen Kräfte haben verloren, denn die Bulgaren können den Euro nicht wieder verlassen und sich dem Kreml annähern.

Der Euro [1][zwingt die Länder zur Kooperation] und verhindert nationalistische Eskapaden. Diese Mechanismen wurden erstmals in der Eurokrise ab 2010 sichtbar, die für alle EU-Staaten ein Schock und zugleich ein Lernprozess war. Hinterher hatte jeder verstanden, dass es keine Option ist, einzelne Mitglieder aus dem Euro zu werfen. Zwar träumte [2][der damalige CDU-Finanzminister Wolfgang Schäuble] anhaltend von einem „Grexit“ und wollte die verschuldeten Griechen aus dem Euro entfernen, aber am Ende musste selbst der Machtmensch Schäuble erkennen, dass er nicht nur den Griechen schaden würde – sondern auch Deutschland. Schließlich ist die Bundesrepublik eine Exportnation und Europa ihr bester Kunde.

Man stelle sich einmal vor, die Griechen wären aus dem Euro geworfen worden: Die Eurozone wäre von innen zerfressen worden, weil sich Investoren, Banken und Spekulanten gefragt hätten, wer als Nächstes gehen muss. Portugal? Spanien? Italien? Es wäre ein heilloses Wirtschaftschaos ausgebrochen.

Die Eurozone verlangt Kooperation, was niemand besser weiß als [3][Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni]. Sie ist Nationalistin, verhält sich in der EU aber konziliant – weil sie nicht erleben möchte, dass die „Risikoaufschläge“ und damit die Zinsen für italienische Staatsanleihen nach oben schießen. Meloni achtet sorgsam darauf, Investoren und Banken nicht zu verschrecken. Ähnlich würde es in Frankreich Marine Le Pen ergehen, falls sie zur Präsidentin gewählt würde. Auch sie müsste sich kooperativ verhalten, wenn sie nicht scheitern will.

Die Gemeinschaftswährung ist keine Drehtür in einem Kaufhaus, das man betreten und wieder verlassen kann. Wer drin ist, ist drin. Genau deswegen haben sich die Bulgaren für den Euro entschieden.

1 Jan 2026

[1] /Linker-Aktivismus/!6140806

[2] https://taz.de/Die-schwarze-Null/!5981669&s=grexit/

[3] /Handel-mit-Lateinamerika/!6139937

AUTOREN

Ulrike Herrmann

TAGS

Euro

Bulgarien

Europäische Union

Südosteuropa

Währungsunion

Währung

Reden wir darüber

Social-Auswahl

ARTIKEL ZUM THEMA

Parlamentswahl in Bulgarien: Die Rumen-Show

Die Bulgaren wählen – zum achten Mal seit 2021. Aussichtsreichster Kandidat ist Ex-Präsident Rumen Radew, ein Populist und Russlandfreund.

Bulgarien in Dauerkrise: Sofia wieder kopflos

Seit 2020 haben die Bul­ga­r:in­nen sieben Mal gewählt. Im Frühjahr dürfen sie erneut an die Wahlurne. Sie sind nicht einmal mehr genervt.

Bulgarien in der Währungsunion: Die Neuen im Euro

Als 21. Land ist Bulgarien am 1. Januar der Währungsunion beigetreten. Die Hoffnungen sind groß – doch Sorgen und Widerstände auch.

Aufbruchstimmung in Osteuropa: Feiert den europäischen Frühling!

Europa steht nicht nur bei Trump, sondern auch in Europa auf schlechtem Kurs. Dabei gab es 2025 euphorische Momente: Im Osten des Kontinents geht was.

Bulgariens Regierung tritt zurück: Das war's mal wieder

Nach wochenlangen Protesten im ganzen Land zieht die bulgarische Regierung Konsequenzen. Jetzt dürfte es wieder zu Neuwahlen kommen.

Proxied content from gemini://taz.de/%216142022 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%216142022
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.