taz.de -- Bulgarien in der Währungsunion: Die Neuen im Euro

Als 21. Land ist Bulgarien am 1. Januar der Währungsunion beigetreten. Die Hoffnungen sind groß – doch Sorgen und Widerstände auch.

Bild: Eine Frau hält vor der Bulgarischen Nationalbank neue Euro-Münzen mit bulgarischen Symbolen

dpa | In [1][Bulgarien] wird seit Jahresbeginn mit [2][Euro] statt Lew bezahlt. Das Balkanland ist damit das 21. Mitglied im Kreis der Länder mit der Gemeinschaftswährung. Befürworter sehen viele Vorteile durch den Betritt zum gemeinsamen Währungsraum. Doch es gibt auch Widerstand.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde als Europas oberste Währungshüterin verspricht den etwa 6,4 Millionen Bulgarinnen und Bulgaren vor allem zwei Dinge: Wohlstand und Sicherheit. Fast die Hälfte (45 Prozent) der Exporte des südosteuropäischen Landes gehen ins Euro-Währungsgebiet. Künftig fallen bei diesen Geschäften für bulgarische Unternehmen keine Umrechnungskosten an. Kleine und mittlere Unternehmen werden nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) allein deshalb jährlich rund eine Milliarde Lewa einsparen.

Zudem profitiere eine kleine Volkswirtschaft wie Bulgarien, in der fast jeder zweite Arbeitsplatz von der Auslandsnachfrage abhänge, in einer von ständigen externen Schocks geprägten Welt besonders von einem größeren Binnenmarkt. Das bulgarische Finanzministerium und die Nationalbank BNB hatten geworben: „Der Beitritt zur Eurozone ist eine Möglichkeit, dass Bulgarien reicher wird.“

Jedes weitere Land im gemeinsamen Währungsraum erleichtert Handel und Reisen. Wer in Bulgarien investieren will, muss sich keine Sorgen mehr um Wechselkurse machen. Touristen, die etwa das Schwarze Meer besuchen wollen, müssen künftig kein Geld mehr umtauschen und dafür Gebühren zahlen.

Doch rund die Hälfte der Menschen in Bulgarien bezweifelt Umfragen zufolge, dass der Euro sie voranbringen wird. Die Sorge ist groß, dass mit der Währungsumstellung die Preise in dem Balkanland, das zu den ärmsten in der EU zählt, steigen werden.

Bei früheren Euro-Umstellungen lagen die Auswirkungen auf die Verbraucherpreise nach EZB-Angaben zwischen 0,2 und 0,4 Prozentpunkten. Selbst in Kroatien, das dem Euro-Währungsgebiet zum 1. Januar 2023 zu einem Zeitpunkt beitrat, als die Teuerungsrate bereits hoch war, habe der Umstellungseffekt etwa 0,4 Prozentpunkte betragen und schnell nachgelassen.

Im Land gibt es zudem Widerstand gegen den Euro vonseiten der prorussischen, nationalistischen Oppositionspartei Wasraschdane, die im Europaparlament in derselben Fraktion sitzt wie die AfD.

1 Jan 2026

[1] /Bulgarien/!t5012389

[2] /Euro/!t5013847

TAGS

Euro

Reiseland Bulgarien

Währungsunion

ARTIKEL ZUM THEMA

Bulgarien in Dauerkrise: Sofia wieder kopflos

Seit 2020 haben die Bul­ga­r:in­nen sieben Mal gewählt. Im Frühjahr dürfen sie erneut an die Wahlurne. Sie sind nicht einmal mehr genervt.

Bulgarien hat den Euro: Kein Weg zurück

Der Euro ist nicht nur eine Währung, sondern ein Kitt. Bulgarien hat sich mit dem Euro dauerhaft für Europa, die EU und den Binnenmarkt entschieden.

Rücktritt der Regierung in Bulgarien: Kein Ausweg aus der Krise

Der Staat im Balkan fällt immer wieder mit Korruptionsfällen und anderen politischen Krisen auf. Die aktuelle Regierung ist nun zurückgetreten.

Nach landesweiten Massenprotesten: Bulgariens Regierung tritt zurück

Kurz vor Einführung des Euro erklärt Bulgariens Ministerpräsident seinen Rücktritt. Zehntausende hatten zuvor gegen Korruption demonstriert.

Wahlen in Bulgarien: Kein Ausweg aus der Krise

Bul­ga­r*in­nen wählten gleich zweimal: für das nationale und das EU-Parlament. Noch werden Stimmen gezählt. Doch die Lage ist schon jetzt wieder heikel.

Proxied content from gemini://taz.de/%216142009 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%216142009
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.