taz.de -- „Patriots“-Waffenlieferung: Die Europäer könnten an allen Fronten verlieren
Wenn Trump die Lieferung der „Patriots“-Waffen durchsetzt, werden die Europäer zu Vasallen. Was gut für die Ukraine ist, könnte für die EU fatal werden.
Bild: Bringt die Patriot Schutz oder Abhängigkeit?
Europa müsse unabhängiger von den USA werden und selbst für seine Sicherheit sorgen. Das sagte Friedrich Merz (CDU) im Bundestags-Wahlkampf. Vier Monate später führt der Kanzler Deutschland und die EU in eine immer größere Abhängigkeit von den Amerikanern.
Ob beim 5-Prozent-Ziel in der Nato, beim Zollstreit mit den USA oder bei Waffenkäufen: Immer wieder tut Merz alles, um US-Präsident Donald Trump entgegenzukommen. Dass er nun auch noch „Patriots“ für die Ukraine bestellen und Trump dafür bezahlen will, passt ins Bild.
Für die Ukraine mag dieser Deal eine gute Nachricht sein, für Europa ist es fatal. Deutschland gibt zu erkennen, dass es bereit ist, einen Tribut an die Schutzmacht USA zu zahlen. Die EU gerät unter Druck, dasselbe zu tun – Dänemark will schon nachziehen.
Mit [1][Unabhängigkeit und strategischer Autonomie], also den proklamierten Zielen auch der deutschen Europapolitik, hat das nichts zu tun. Wenn Trump sich durchsetzt – und es sieht so aus –, werden [2][wir Europäer zu willigen Vasallen].
Ausrede Geopolitik?
Die geopolitische Lage lasse leider nichts anderes zu, heißt es achselzuckend in Berlin und Brüssel. Angesichts der Bedrohung durch Russland müsse man alles tun, um die USA bei der Stange zu halten. Doch dies ist eine [3][falsche, gefährliche Analyse].
Die größte ökonomische Gefahr geht derzeit nicht von Putin, sondern von Trump aus. Mit seinem [4][Handelskrieg] bedroht er die ganze Welt. Der angedrohte 30-Prozent-Zoll auf Waren aus der EU käme einem Handelsverbot gleich.
Europäer müssen sich von Trump befreien
Für die Exportnation Deutschland wäre er katastrophal. Gefahr droht auch vom abrupten amerikanischen Kurswechsel in der Ukraine. Niemand weiß, wie ernst es Trump meint. Will er den Europäern noch mehr Geld für Waffen abpressen?
Schon jetzt müssen sich die meisten EU-Länder für die Aufrüstung verschulden; mehr geht nicht. Ungemach droht auch in der China-Politik. Trump versucht mit aller Gewalt, Deutschland und die EU gegen China in Stellung zu bringen.
Wenn die Europäer nicht verdammt aufpassen, könnten sie an allen Fronten verlieren: im Handel mit China, mit den USA, am Ende sogar in der Ukraine. Denn der Krieg gegen Russland ist nicht zu gewinnen, Putin wird sich nicht an den Verhandlungstisch bomben lassen.
Die [5][EU muss daher Grenzen setzen]. Sie darf sich nicht länger erpressen lassen, nur um Trump bei Laune zu halten. Sie muss sich endlich auf sich selbst besinnen und aus der fatalen Umklammerung des rücksichtslosen MAGA-Manns lösen.
Kanzler Merz scheint dazu allerdings nicht in der Lage. Will er es überhaupt noch?
15 Jul 2025
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AUTOREN
Eric Bonse
Donald Trump
Patriot-Raketenabwehr
Friedrich Merz
Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
Waffenlieferung
Schwerpunkt USA unter Trump
GNS
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